Waldbrand in der Gironde: Helfer kämpfen gegen unsichtbare Glut im Boden
Im südwestfranzösischen Marcheprime versuchen Feuerwehr und Freiwillige verzweifelt, ein Übergreifen des Megafeuers auf unversehrte Waldgebiete zu verhindern. Die größte Gefahr lauert dabei unter der Erde.
Im südwestfranzösischen Département Gironde kämpfen Feuerwehrleute und zahlreiche freiwillige Helfer gegen ein verheerendes Megafeuer. Obwohl sich die Brände derzeit nicht weiter ausbreiten, sind sie noch nicht unter Kontrolle. Vor allem Glutnester im Torfboden stellen eine ständige Gefahr für die umliegenden Wälder dar.
In der kleinen Gemeinde Marcheprime nahe Bordeaux zeigt sich das Ausmaß der Zerstörung, wie die Tagesschau berichtet. Der Boden der Kiefernwälder ist komplett mit Asche bedeckt. Hier versucht Imker Jérôme, zu retten, was von seiner Existenz übrig ist. Von seinen 34 Bienenstöcken wurde fast die Hälfte durch das Feuer zerstört. Dennoch stellt er bei einer Kontrolle fest, dass es den verbliebenen Bienen gut geht. Mit einem 1.000-Liter-Wasserkanister auf der Ladefläche seines Pick-ups patrouilliert er unermüdlich auf den Feldern nahe seiner Bienenstöcke und hält über Walkie-Talkie Kontakt zu anderen Helfern.
Gefahr durch unterirdische Glutnester
Aus dem Torfboden steigen immer wieder kleine Rauchwolken auf. Elektriker Sébastien, ein Bekannter des Imkers, erklärt die tückische Situation: „Unter der Oberfläche, im Boden, gibt es viele Farnkräuter und Pflanzen“, und fügt hinzu: „Und auch wenn man an der Oberfläche kein Feuer mehr sieht, brennt es darunter weiter. Und wenn der Wind aufkommt, wird das Feuer von unten angefacht, wie bei einem Grill.“ Die Aufgabe der Freiwilligen besteht darin, das Entfachen neuer Brände in den noch unversehrten Abschnitten zu verhindern. Sobald ein Funke die Kiefernwipfel erreicht, droht eine neue Katastrophe. Für Jérôme bedeutet das eine endlose Sisyphusarbeit: Nach nur zwei Minuten Spritzzeit ist sein Wassertank leer und muss erneut befüllt werden.
Jérôme übt scharfe Kritik an den Behörden in der fernen Hauptstadt. Lokale Akteure und Bürgermeister hätten Pläne für Brandschneisen und den Schutz der Wälder vorgelegt, die jedoch ignoriert worden seien. „Dieses Jahr erhalten wir die Quittung“, sagt Jérôme frustriert über die Untätigkeit der Verantwortlichen.
Feuerwehr sieht sich teils machtlos
Nur wenige Kilometer entfernt koordinieren Einsatzkräfte aus dem über 200 Kilometer entfernten Limoges ihre Arbeit. Mit großen Löschfahrzeugen wässern sie den Waldboden. Stellvertretender Einsatzleiter Laurent Suchaud berichtet, dass die Lage zwar etwas ruhiger geworden sei und sich die Brände nicht weiter ausbreiteten, sie aber noch keineswegs unter Kontrolle seien.
Auf Vorwürfe bezüglich fehlender Löschflugzeuge oder mangelnder Brandschneisen reagiert Suchaud gefasst. Das Ausmaß des Feuers sei apokalyptisch. „Das ist nicht von dieser Welt und wir sind teilweise machtlos. Ich glaube, selbst wenn man alle erdenklichen Mittel einsetzen würde, könnte man dagegen nicht viel ausrichten“, erklärt Laurent Suchaud. Am Ende sei die Natur eben stärker als der Mensch.
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