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Trinkwasser aus der Luft: Neue Technologie soll Wasserkrise auf Urlaubsinseln lindern

Aufgrund anhaltender Dürren stützen sich erste Regionen im Mittelmeerraum auf innovative Methoden zur Wassergewinnung. Ein neues Gerät nutzt eine mit dem Nobelpreis ausgezeichnete Molekulartechnik, um Feuchtigkeit direkt aus der Luft zu filtern.

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Wasser aus der Luft gewinnen? Bei uns im Norden nennen wir das einfach Schietwetter. — Rocky, Chefkolumnist
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Angesichts zunehmender Dürreperioden in Südeuropa gewinnen innovative Technologien zur Wassergewinnung an Bedeutung. Ein britisches Unternehmen stellt in Barcelona ein neues Gerät vor, das mithilfe einer nobelpreisgekrönten molekularen Struktur Trinkwasser direkt aus der Luft filtern kann. Die Technologie soll insbesondere netzunabhängigen Immobilien auf wasserarmen Inseln wie Ibiza helfen, ihre Versorgung zu sichern.

Als die Brunnen auf seinem Grundstück auf Ibiza versiegten, bekam der britische Unternehmer Hashem Arouzi die europäische Wasserkrise hautnah zu spüren. Auf der spanischen Insel leben Tausende Menschen, deren Wasserreserven wegen Dürre, Übernutzung und dem Eindringen von Meerwasser schrumpfen. „Allein auf Ibiza gibt es mehr als 15.000 Grundstücke, die nicht ans Leitungsnetz angeschlossen sind und sich selbst mit Wasser versorgen müssen“, sagt Arouzi. „Die Brunnen, die sie bisher versorgt haben, laufen nach und nach trocken.“ Wasserlieferungen per Tanklastwagen bringen nur kurzfristige Entlastung, da mittlerweile selbst die Speicherbecken austrocknen, aus denen diese Laster befüllt werden. Während Entsalzungsanlagen für ans Netz angeschlossene Häuser einspringen, bleiben Immobilien ohne Anschluss zurück. „Das spiegelt eine globale Herausforderung wider: Weltweit gibt es Millionen Häuser ohne Netzanschluss. Sie leiden unter Wasserknappheit, oft in Regionen, in denen herkömmliche Methoden der Wassergewinnung mit der Trockenheit kaum noch zurechtkommen“, erklärt Arouzi, wie Euronews berichtet.

Nobelpreis-Technik filtert Wasser aus trockener Luft


Schon im nächsten Jahr könnten netzunabhängige Villen und Hotels im Mittelmeerraum und auf den Balearen ihre Wasserversorgung mit Geräten stärken, die Trinkwasser direkt aus der Luft gewinnen. Am 30. Juli stellt Arouzis Klimatechnik-Unternehmen Ahbstra in Barcelona das Gerät ARK vor, das laut Firma bis zu 500 Liter Wasser pro Tag erzeugen kann. Dahinter steckt eine molekulare Chemie, für die 2025 der Nobelpreis für Chemie verliehen wurde. Die sogenannten Metal-Organic Frameworks (MOFs) besitzen eine neuartige Struktur mit einer enormen inneren Oberfläche – ein Gramm des Materials ist so groß wie ein ganzes Fußballfeld. Diese Strukturen basieren auf jahrzehntelanger Arbeit der drei Wissenschaftler Susumu Kitagawa von der Universität Kyoto in Japan, Richard Robson von der Universität Melbourne in Australien und Omar M. Yaghi von der University of California, Berkeley, in den USA.

Im Gegensatz zu konventionellen atmosphärischen Wassergewinnungsgeräten, die wie Luftentfeuchter durch Abkühlung bis zum Taupunkt funktionieren, arbeiten MOFs als Adsorbentien. Sie binden Gas- oder Flüssigkeitsmoleküle an ihrer Oberfläche und können Wasserdampf unmittelbar aus trockener Luft aufnehmen, ohne dass eine energieintensive Tiefkühlung nötig ist. Um das gebundene Wasser wieder als Flüssigkeit freizusetzen, reicht eine moderate Wärmezufuhr. Yaghis eigenes Unternehmen Atoco stellte im Februar 2026 den weltweit ersten Wassererzeuger auf MOF-Basis vor. Diese containergroßen Anlagen können mithilfe von Umgebungswärme bis zu 1.000 Liter Wasser pro Tag erzeugen und könnten in Katastrophengebieten oder für die Kühlung von Rechenzentren eingesetzt werden.

Herausforderungen und Kosten der neuen Technologie


„MOFs gelten seit Jahren als ‚Wundermaterial‘, das kurz davor steht, entscheidende Ergebnisse für die Umwelt zu liefern – von der Wassergewinnung bis zur CO₂-Abscheidung“, sagt Arouzi. Bisher verhinderten jedoch hohe Energieanforderungen einen breiten Einsatz. Ahbstra will dieses Problem mit einem patentierten „Suspended Particle Reactor“ lösen, bei dem Luft in einem fluidisierten Zustand durch MOF-Granulat strömt. Mit einem Preis von 150.000 Pfund, rund 175.000 Euro, sind die Geräte weiterhin teuer. Für vom Wertverlust bedrohte Immobilien könnten sie jedoch unbezahlbar wichtig sein. Das erzeugte Wasser kann Brunnen auffüllen oder direkt ins Hausnetz eingespeist werden. Beide Unternehmen arbeiten zudem an Systemen für geringere Wassermengen.

Ein Baustein gegen den südeuropäischen Wasserstress


Laut der Europäischen Umweltagentur leben rund 30 Prozent der Bevölkerung Südeuropas dauerhaft unter Wasserstress. Technikchef von Ahbstra Richard Perkin betont: „Es ist offensichtlich, dass sich Wetter- und Niederschlagsmuster verändern. Das führt vielerorts zu extremeren und länger anhaltenden Dürrebedingungen.“ Um dem zu begegnen, brauche es einen ganzheitlichen Ansatz von der effizienten Nutzung bis zur besseren Infrastruktur. Sind Stauseen oder Brunnen jedoch leer, füllen sie sich nur durch Regen am richtigen Ort. „Deshalb ist die Gewinnung von Wasser aus der Atmosphäre ein notwendiger Bestandteil der Antwort“, sagt Perkin. Unabhängige, begutachtete Daten zur tatsächlichen Leistungsfähigkeit und Haltbarkeit des ARK-Geräts liegen bislang allerdings noch nicht vor.

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