Niedrigwasser auf Rhein und Donau belastet Industrie und Energieversorgung
Anhaltende Dürre und extreme Hitze lassen die Pegelstände wichtiger europäischer Flüsse dramatisch sinken. Die Binnenschifffahrt ist stark eingeschränkt, und erste Atomkraftwerke müssen ihre Leistung drosseln.
Extreme Hitzewellen und anhaltende Dürren in Europa führen zu historisch niedrigen Pegelständen auf wichtigen Wasserstraßen wie Rhein und Donau. Dies beeinträchtigt den Frachtschiffverkehr erheblich und stellt die Industrie sowie die Energieversorgung vor massive Herausforderungen. In einigen Regionen mussten bereits Atomkraftwerke gedrosselt und der Notstand ausgerufen werden. Der Rhein, eine Lebensader für Verkehr, Tourismus und Industrie, verzeichnet am Schlüsselmesspunkt Kaub kritische Pegelstände von unter 30 Zentimetern. Ende Juli lag der Wert bei 27 Zentimetern, wie Euronews berichtet. Die niedrigen Wasserstände stören die Rheinschifffahrt massiv, sodass die meisten Binnenschiffe den Engpass bei Kaub bis zum 27. Juli nicht mehr passieren konnten. Schiffe, die die Strecke noch befuhren, mussten ihre Ladungen drastisch begrenzen, wodurch die Frachtraten auf Rekordniveaus stiegen. „In der Praxis sind der Oberrhein und die Flüsse Main derzeit faktisch vom Handelshub Amsterdam-Rotterdam-Antwerpen (ARA) abgeschnitten“, hieß es im Bericht des Rohstoffdatenanbieters Argus vom Mittwoch. Dies führt zu eingeschränkten Lieferungen von Einsatzstoffen wie Naphtha und Flüssiggas (LPG) für die chemische und petrochemische Industrie. LyondellBasell erklärte für Butadien-Lieferungen aus dem Werk Wesseling höhere Gewalt, und auch BASF verwies auf mögliche Lieferengpässe. Der Industriekonzern Thyssenkrupp reduzierte die Produktion in den Hochöfen in Duisburg leicht und stellte den Betrieb eigener Schubverbände ein.
Kritische Lage an der Donau
Auch die Donau verzeichnet historisch niedrige Pegelstände. In Budapest fiel der Pegel auf einen Rekordwert von 23 Zentimetern, was laut der ungarischen Wasserwirtschaftsbehörde zehn Zentimeter unter dem bisherigen Tief von 2018 liegt. Das ungarische Bau- und Verkehrsministerium teilte mit, dass die meisten Frachtschiffe auf dem ungarischen Donauabschnitt gestoppt wurden. Die niedrigen Wasserstände belasten die Energieversorgung der Region schwer. Das Atomkraftwerk Paks in Ungarn musste seine Leistung senken und erstmals in der Geschichte der Anlage einen Reaktor komplett abschalten. In Rumänien stoppte der staatliche Atomstromerzeuger Nuclearelectrica Block 1 des Kernkraftwerks Cernavodă. Energieministerin Dubravka Đedović Handanović erklärte zudem, dass Serbien im Juli wegen der eingeschränkten Binnenschifffahrt nur 25 Prozent der geplanten Treibstoffimporte erreichte, weshalb die Regierung den Zugriff auf operative Reserven erlaubte. In Serbien und Rumänien leidet auch die Landwirtschaft unter gestörten Getreidetransporten und Einschränkungen bei der Bewässerung.
Maßnahmen gegen das Niedrigwasser
Um die Schifffahrt trotz der schwierigen Bedingungen aufrechtzuerhalten, sind bauliche, technische und logistische Maßnahmen im Gespräch. Die deutschen Behörden planen das Projekt „Optimierung der Fahrrinnenanpassung am Mittelrhein“, bei dem die Fahrrinne zwischen Mainz und St. Goar um 20 Zentimeter vertieft werden soll. Zudem setzen Unternehmen wie HGK Shipping und BASF bereits flachgehende Spezialschiffe ein. Auf logistischer Seite wird versucht, Güter auf Schiene und Straße zu verlagern, wenngleich deren Kapazitäten begrenzt sind. Unterdessen verschärft sich die klimatische Situation weiter. Ungarn rief am Donnerstag den Notstand wegen Dürre aus, nachdem in 66 von 84 Wasserbewirtschaftungsgebieten die Dürreschwellen überschritten wurden. Umweltminister László Gajdos erklärte: „Das bedeutet, dass Fachleute der Wasserwirtschaftsbehörde im gesamten 74-prozentigen Teil des Landes Maßnahmen zur Linderung der Dürre auf der höchsten Alarmstufe ergreifen werden.“
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