Niedriger Donau-Pegel bedroht Stromversorgung in Ungarn
Wegen des extremen Niedrigwassers der Donau droht dem ungarischen Kernkraftwerk Paks eine schrittweise Abschaltung. Die Regierung betont jedoch, dass die Energieversorgung des Landes durch Importe gesichert bleibt.
Ministerpräsident Péter Magyar erklärte bei einer gemeinsamen Pressekonferenz mit Bayerns Regierungschef Markus Söder, dass die Blöcke des Kraftwerks wegen des niedrigen Pegels schrittweise vom Netz genommen werden müssen, wie Euronews berichtet. Dies gelte als geplante Abschaltung. Magyar berichtete außerdem, dass wegen einer Panne auch das Kraftwerk Dunamenti stillsteht, wodurch weitere 400 MW wegfallen. Die Reparatur läuft bereits, und es ist möglich, dass die Anlage noch am Donnerstag wieder ans Netz geht oder die Arbeiten ein bis zwei Wochen andauern.
Die vorhandene Infrastruktur für Energieimporte erlaubt im Bedarfsfall die Einspeisung von 3600 bis 3800 MW aus dem Ausland, um die Versorgung zu gewährleisten.
Hintergründe zum Kernkraftwerk Paks
Im Normalbetrieb kühlt Wasser aus der Donau die Reaktoren des Kraftwerks Paks. In den vergangenen Jahren musste im Sommer immer wieder die Leistung reduziert werden, weil das Wasser zu warm war und der Pegel zu niedrig stand. Ein kompletter Stopp der Anlage kam bisher jedoch nicht vor.
Ungarn einigte sich 2014 mit Russland auf einen Ausbau des Atomkraftwerks Paks. Das Vorhaben stieß jedoch auf zahlreiche Probleme bei Genehmigungen und anderen Rechtsfragen. Der damalige Außenminister Péter Szijjártó erklärte zuletzt, Paks II könne frühestens 2030 in Betrieb gehen. 2026 sagte er, der erste Beton sei gegossen worden; damit habe der Bau offiziell begonnen. Seit dem Regierungswechsel informiert die Regierung jedoch nicht mehr über den Stand des Projekts.
Krisenmaßnahmen der Regierung
Die durch Trockenheit und Hitze verursachten Probleme kommen nicht überraschend. Ministerpräsident Magyar sagte am Mittwoch, eine operative Einheit für die Energieversorgung habe ihre Arbeit aufgenommen. Sie erstellt Szenarien für alle denkbaren Lagen. Zudem entsteht ein rotierender Krisenplan, der festlegt, welche großen öffentliche und industrielle Verbraucher im Notfall ihren Strombedarf vorübergehend umstellen oder senken müssen.
Der Regierungschef betonte, dass Gemeinschaftsdienste sowie Einrichtungen des Gesundheits- und Sozialwesens nicht betroffen sein sollen – nur große Industrieanlagen mit hohem Verbrauch.