Mangelhafter Hitzeschutz in Pflegeheimen alarmiert Experten
Nach Evakuierungen und angesichts steigender Temperaturen fordern Verbände verbindliche Hitzeschutzpläne und finanzielle Unterstützung für Pflegeeinrichtungen.
Nach der hitzebedingten Evakuierung von Seniorenheimen und angesichts drohender neuer Temperaturrekorde wächst die Diskussion über den Hitzeschutz in deutschen Pflegeeinrichtungen. Experten und Verbände mahnen an, dass viele Heime unzureichend auf extreme Hitzeperioden vorbereitet sind und fordern verbindliche gesetzliche Vorgaben sowie finanzielle Unterstützung. Da ältere und pflegebedürftige Menschen Hitze gesundheitlich besonders schwer regulieren können, wird Hitzeschutz zunehmend als essenzieller Teil der pflegerischen Versorgung eingestuft. Die Dringlichkeit des Themas zeigte sich vor rund einem Monat, als zwei Seniorenresidenzen in Nordrhein-Westfalen wegen einer Hitzewelle evakuiert werden mussten. In der Alloheim Seniorenresidenz Dormagen wurden am Morgen des 27. Juni Temperaturen von über 35 Grad Celsius gemessen; ein Bewohner verstarb. Bürgermeister der Stadt Dormagen Erik Lierenfeld erklärte damals: „Die anhaltende Hitze stellt insbesondere für ältere und gesundheitlich vorbelastete Menschen eine erhebliche Gefahr dar“. Er appellierte in einer Meldung, „auf sich selbst und auf Mitmenschen zu achten, ausreichend zu trinken und insbesondere alleinlebende Seniorinnen und Senioren im Blick zu behalten“.
Gefahren für vulnerable Gruppen im Sommer
Senioren gehören zu den am stärksten gefährdeten Gruppen bei Extremtemperaturen. Laut einer Untersuchung des Robert-Koch-Instituts (RKI) machen Menschen über 75 Jahre mehr als 80 Prozent der Hitzetoten aus, wobei das Institut bis Ende Juni 2026 rund 5.120 hitzebedingte Sterbefälle schätzte. Pressesprecher der Bundesinteressenvertretung für alte und pflegebetroffene Menschen (BIVA) Dr. David Kröll erklärte, wie Euronews berichtet, auf Anfrage: „Das Durstgefühl ist oft vermindert, der Körper reguliert Hitze schlechter, Warnsignale werden später bemerkt und die Belastungsgrenze ist schneller erreicht“. Viele Betroffene könnten sich nicht selbst schützen. „Wer bettlägerig ist, kann nicht eigenständig einen kühleren Raum aufsuchen. Wer Hilfe beim Trinken braucht, ist darauf angewiesen, dass jemand regelmäßig Getränke anbietet und das Trinken begleitet. Wer sich nicht selbst umziehen, duschen oder waschen kann, braucht Unterstützung, um den Körper zu entlasten“, so Kröll weiter. Hitzeschutz sei für diese Menschen „kein bloßes Komfortproblem“, sondern ein ernsthaftes Gesundheitsrisiko.
Hitzeschutzpläne und bauliche Defizite
Zwar zeigt eine HISTA-Studie des Instituts für Gerontologische Forschung in Berlin im Auftrag des GKV-Spitzenverbandes, dass 97,9 Prozent der Pflegeeinrichtungen bereits Hitzeschutzmaßnahmen umgesetzt haben. Allerdings handelt es sich meist um kostengünstige Maßnahmen wie die Anpassung von Kleidung und Bettwäsche (über 80 Prozent) oder das Bereitstellen kostenloser Getränke. Nur 41 Prozent nutzen Klimaanlagen. Laut Statistischem Bundesamt in Wiesbaden verfügen zudem nur 14,5 Prozent der neuen Gebäude des Sozialwesens über eine Kühlanlage, während es bei Bürogebäuden 37,8 Prozent sind. Wetterexperte Karsten Schwanke warnte bereits am Hitzeaktionstag: „Die Häufigkeit und Dauer von Hitzewellen wird zunehmen. Höchsttemperaturen von mehr als 40 Grad (im Schatten) werden wir immer häufiger erleben – selbst 45 Grad sind nicht mehr auszuschließen“.
Kröll bemängelt das Fehlen klarer Richtwerte für bewohnte Zimmer in Pflegeheimen, während für Arbeitsräume ab bestimmten Temperaturen Schutzmaßnahmen vorgeschrieben sind. „Dabei können pflegebedürftige Menschen häufig nicht einfach selbst lüften, umziehen, mehr trinken oder einen kühleren Ort aufsuchen“, so Kröll. Er fügt hinzu: „Die wesentlichen Defizite bestehen aber fort. Hitzeschutz hängt noch immer zu stark vom Problembewusstsein einzelner Träger, von der baulichen Situation der Einrichtung und von den vorhandenen personellen Ressourcen ab. Das ist zu wenig, weil Hitzewellen längst kein Ausnahmeereignis mehr sind.“
Forderungen nach Finanzierung und Katastrophenschutz
Mitte Juni 2026 warnten 150 Organisationen aus dem Gesundheits- und Sozialwesen gemeinsam: „Deutschland ist auf Extremhitze als Krisenlage bislang nicht ausreichend vorbereitet.“ Sie fordern, Hitzeschutz verbindlich im Katastrophenschutz zu verankern. Präsident der Bundesärztekammer Dr. Klaus Reinhardt forderes: „Krankenhäuser, Pflegeeinrichtungen und Arztpraxen müssen auch unter Extrembedingungen leistungsfähig bleiben“. Neben der Patientenversorgung ist auch das Personal betroffen. Geschäftsführer des Verbands katholischer Altenhilfe in Deutschland Andreas Wedeking betonte: „Auch die Mitarbeitenden leiden unter den enormen Temperaturen. Sie können nicht einfach ins Homeoffice wechseln.“
Die Finanzierung von Nachrüstungen bleibt ungeklärt. Die Bundesregierung teilte im September 2025 auf eine kleine Anfrage der Linken mit, dass bauliche Vorgaben Aufgabe der Länder seien. Wedeking fordert daher: „Wenn Pflegeinrichtungen wirksam gegen Hitze agieren und ein positives Zeichen der Ökobilanz setzen sollen, dann muss eine entgeltunabhängige Finanzierung sichergestellt werden. Die Bundesländer sollten die Kosten für die notwendigen Klimamaßnahmen in Pflegeheimen übernehmen“. Laut einem Bericht des Fachmediums Care vor9 kann die Teilklimatisierung eines Heims bis zu 300.000 Euro kosten. Kröll fordert staatliche Förderprogramme: „Wenn Hitzeschutz politisch ernst gemeint ist, braucht es Förderprogramme für bauliche Klimaanpassung in Pflegeeinrichtungen. Dazu gehören Temperaturmonitoring, Risikoeinschätzung besonders gefährdeter Bewohnerinnen und Bewohner, Trink- und Beobachtungspläne, Schulungen des Personals, klare Warnstufen und verbindliche Eskalationswege.“ Abschließend betont er: „Wer pflegebedürftige Menschen versorgt, muss auf extreme Hitze vorbereitet sein – baulich, organisatorisch, personell und finanziell“.
Auf den griechischen Inseln Kreta und Paros kämpfen hunderte Feuerwehrleute gegen anhaltende Waldbrände. Aufgrund der starken Winde und schwierigen Bedingungen bleibt die Lage in mehreren Regionen angespannt.
Eine neue wissenschaftliche Untersuchung zeigt, dass der Klimawandel extreme Brandbedingungen in Spanien und Frankreich massiv verschärft. Während Südeuropa brennt, warnt die UN vor den Folgen fossiler Energieträger.
Während die Nachfrage nach Halbleitern für Künstliche Intelligenz hoch ist, droht durch den Ausbau von Fabriken und das Aufholen Chinas eine weltweite Chipschwemme.
Nach einem Massenansturm auf die spanische Exklave Ceuta sind mindestens 15 Menschen im Meer ertrunken. Die spanische Regierung hat das Militär zur Unterstützung der Sicherheitskräfte entsandt.
Nachdem binnen 24 Stunden mehr als 49.000 Migranten die spanische Exklave Ceuta erreicht haben, ist die Lage vor Ort chaotisch. Die Krise sorgt auch für diplomatische Spannungen innerhalb Europas.
Auf der kapverdischen Insel Santiago führt die illegale Sandgewinnung für die Bauwirtschaft zu schweren Umweltschäden. Viele Frauen sehen in der harten Arbeit dennoch die einzige Möglichkeit, ihre Familien vor dem Verhungern zu bewahren.