Gegen Trockenheit: Bayern plant massiven Ausbau der Fernwasserversorgung
Mit dem Großprojekt „SüSWasser“ will die bayerische Staatsregierung künftig Wasser aus dem feuchteren Süden in die trockeneren Regionen im Norden des Freistaats leiten.
Wasser umverteilen? Bei uns im Norden regnet es dafür einfach genug.
— Rocky, Chefkolumnist
Illustration: KI-generiert
Die bayerische Staatsregierung plant angesichts zunehmender Trockenheit und sinkender Grundwasserstände einen massiven Ausbau der Wasserinfrastruktur des Freistaats. Durch ein rund 1.200 Kilometer langes Fernleitungsnetz soll künftig Wasser aus den wasserreichen Regionen Südbayerns in trockenere Gebiete wie Franken transportiert werden. Das Vorhaben wird als Generationenprojekt eingestuft und soll die Trinkwasserversorgung von Millionen Menschen langfristig sichern.
Hintergrund der Überlegungen sind immer häufigere Dürrephasen und sinkende Grundwasserstände in Teilen Bayerns. Während Südbayern und das Alpenvorland vergleichsweise wasserreich sind, leiden insbesondere Regionen in Franken und der nördlichen Oberpfalz in trockenen Jahren zunehmend unter Wasserknappheit, wie Euronews berichtet. Um dem entgegenzuwirken, will Ministerpräsident Markus Söder (CSU) Wasser dorthin bringen, wo es knapp wird, und spricht in diesem Zusammenhang von einem „Generationenprojekt“.
Das Projekt „SüSWasser“ für die überregionale Versorgung
Herzstück dieser bayerischen Wasser-Offensive ist das Projekt „SüSWasser“ („Sicherheit der überregionalen Systeme in der Wasserversorgung“). Gemeinsam mit den elf bayerischen Fernwasserversorgern will das Umweltministerium ein neues Leitungsnetz schaffen. Schon heute versorgen die Fernwasserleitungen rund 2,6 Millionen Menschen mit Trinkwasser. Durch den Ausbau könnten weitere 2,4 Millionen Einwohner profitieren. Das gesamte Leitungsnetz soll am Ende eine Länge von rund 1.200 Kilometern erreichen und jährlich rund 30 Millionen Kubikmeter Wasser transportieren. Nach den Plänen von Umweltminister Thorsten Glauber (Freie Wähler) soll die Leitung in Schwaben beginnen und über Westmittelfranken, Oberfranken und die Oberpfalz bis nach Niederbayern verlaufen.
Trockenheit und neue Hitzerekorde im Jahr 2026
Bayern erlebt nach Angaben der Staatsregierung das trockenste Frühjahr seit Beginn der Wetteraufzeichnungen vor 145 Jahren. Ende Juni wurde im unterfränkischen Kitzingen mit 40,8 Grad Celsius zudem ein neuer Hitzerekord für den Freistaat gemessen. Zwischen März und Juni fielen in Südbayern lediglich 198 Millimeter Niederschlag – so wenig wie nie zuvor seit Beginn der Aufzeichnungen. Nach Ansicht der Staatsregierung reicht es deshalb nicht mehr aus, ausschließlich auf lokale Wasserversorgung zu setzen. Bayern will auch seinen Niedrigwasser-Informationsdienst (NID) ausbauen, um Trockenperioden künftig früher zu erkennen und besser bewerten zu können. Geplant sind zusätzliche Auswertungen von Wasserständen, Abflüssen und Wassertemperaturen auf Basis von Echtzeitdaten.
Regenwasserspeicherung und der „Wassercent“
Parallel setzt die Staatsregierung darauf, dass künftig mehr Regenwasser in der Landschaft gespeichert wird. Mit Geld aus dem sogenannten Wassercent sollen unter anderem Böden gefördert werden, die wie ein Schwamm Wasser aufnehmen und über längere Zeit speichern können. Auch die Landwirtschaft soll künftig dazu beitragen, mehr Wasser in der Fläche zu halten. Der Wassercent ist eine bayerische Abgabe auf die Entnahme von Grundwasser, die vor allem von Wasserversorgern, Unternehmen sowie land- und forstwirtschaftlichen Betrieben mit eigener Wasserentnahme gezahlt wird. Die Einnahmen werden zweckgebunden für den Schutz von Grundwasser und Trinkwasser sowie für eine nachhaltige Wasserbewirtschaftung verwendet.
Mit dem Begriff „Aquädukt“ ist nicht direkt ein offener Wasserkanal nach historischem Vorbild gemeint. Vielmehr geht es um moderne Fernwasserleitungen, Pumpwerke und Speicheranlagen, die Wasser über größere Entfernungen transportieren können. Derartige Systeme existieren in Bayern bereits teilweise und versorgen zahlreiche Kommunen. Befürworter sehen in dem Vorstoß einen wichtigen Schritt, um die Trinkwasserversorgung langfristig zu sichern und die Folgen des Klimawandels abzufedern. Kritiker warnen hingegen davor, sich zu stark auf großtechnische Lösungen zu verlassen. Umweltverbände fordern stattdessen, den Wasserverbrauch zu senken, Grundwasser besser zu schützen und die natürliche Wasserspeicherung durch Moore, Wälder und Flussauen zu stärken. Zudem könnten neue Fernleitungen erhebliche Kosten verursachen und Eingriffe in Natur und Landschaft nach sich ziehen. Für die ersten Planungsschritte stellt das bayerische Umweltministerium in den kommenden drei Jahren jeweils bis zu vier Millionen Euro bereit.
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