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Erwärmung des Mittelmeers begünstigt die Ausbreitung invasiver Fischarten

Durch steigende Wassertemperaturen breiten sich fremde Fischarten im Mittelmeer rasant aus und bedrohen das heimische Ökosystem. Wissenschaftler fordern globale Klimaschutzmaßnahmen und neue Strategien für die lokale Fischerei.

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Der Klimawandel heizt das Mittelmeer zunehmend auf und begünstigt die rasche Ausbreitung Hunderter invasiver Fischarten, die die heimischen Bestände bedrohen. Wissenschaftler warnen vor unumkehrbaren ökologischen Veränderungen, die auch die Existenzgrundlage lokaler Küstengemeinden gefährden. Um die Auswirkungen abzumildern, werden neben globalen Klimaschutzmaßnahmen auch regionale Anpassungsstrategien in der Fischerei diskutiert.

Erwärmung begünstigt invasive Arten

Das Mittelmeer gilt unter Wissenschaftlern als Klimawandel-„Hotspot“. Bis zum Jahr 2100 könnten sich die Gewässer um zwei bis sechs Grad Celsius erwärmen, wobei Hitzewellen laut dem Netzwerk Mediterranean Experts on Climate and Environmental Change häufiger und extremer werden. Ozeanograf Ronan McAdam vom Euro-Mediterranean Center on Climate Change erklärt, dass die Lage des Meeres in einem abgeschlossenen Becken ein entscheidender Faktor sei, da sich die Wärme dort nicht wie in offenen Ozeanen verteilen kann. Wie Euronews berichtet, schafft das warme Wasser ideale Bedingungen für Eindringlinge wie den gefleckten Kugelfisch. Diese Arten, die über den Suezkanal ins Mittelmeer gelangt sind, ziehen mittlerweile weiter in Richtung Frankreich und Spanien.

Nach Angaben der Allgemeinen Fischereikommission für das Mittelmeer der UN-Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation breiten sich invasive Arten seit Anfang der 2000er Jahre parallel zu den steigenden Meerestemperaturen deutlich schneller aus. Meeresbiologe Ernesto Azzuro vom Institut für marine biologische Ressourcen und Biotechnologie des italienischen Nationalen Forschungsrates warnt: „Das Mittelmeer unserer Großväter, unserer Alten und der Griechen der Antike ist für immer verloren. Viele dieser Veränderungen lassen sich nicht mehr rückgängig machen“. Er fügt hinzu: „Das Mittelmeer wird noch ärmer werden, mit weniger Arten. Der Klimawandel macht vor allem den östlichen Teil dieser Region für viele heimische Arten schlicht ungeeignet“.

Drastische Folgen für Ökosysteme und Fischerei

Besonders Zypern spürt die Folgen frühzeitig. Dort verdrängen Rotfeuerfische, die sich seit ihrem Erstnachweis im Jahr 2012 rasch nach Westen ausbreiten, einheimische Bestände wie die Rotbarbe. Zudem zerstören Hasenfische durch das Abweiden von Algen die Lebensräume heimischer Arten. Laut Azzuro sind im Mittelmeer rund 1.000 invasive Arten erfasst, von denen sich etwa 800 dauerhaft etabliert haben. In den flachen Küstengewässern des östlichen Mittelmeers sind bereits 93 Prozent der ursprünglichen Weichtiere verschwunden. In der Adria führten Wassertemperaturen von zeitweise über 30 Grad Celsius zu einem weitgehenden Absterben der Miesmuschelbestände. Von Venedig bis Bari „war das Massensterben spektakulär“, sagt Azzuro. Er betont: „Wenn wir keine Bestände finden, die diese neuen Klimabedingungen überstehen, sieht die Zukunft der Miesmuscheln zumindest in der Adria düster aus.“

Zudem bergen einige der neuen Arten Gefahren für den Menschen. Azzuros Institut startete daher die Kampagne „Beware of those four“. Der Kugelfisch ist beim Verzehr für Menschen potenziell tödlich, während die giftigen Stacheln des Rotfeuerfischs schwere Wunden verursachen können.

Strategien zur Schadensbegrenzung

Zoologe Piero Genovesi Papik vom Höheren Institut für Umweltschutz und Forschung Italiens sieht die Verringerung fossiler Brennstoffe als eine zentrale Aufgabe: „Wir wissen, was zu tun ist. Wir müssen den Einsatz von fossilen Brennstoffen verringern. Das ist eine dringende Aufgabe für die Menschheit. Die Lösungen liegen auf dem Tisch, aber sie erfordern eine globale, gemeinsame Perspektive.“

Obwohl es laut Papik „zu spät“ ist, um die Ausbreitung komplett zu stoppen, gibt es praktische Ansätze zur Schadensbegrenzung. Dazu gehört die konsequente Umsetzung eines internationalen Vertrags zur Behandlung von Ballastwasser bei Schiffen. „Das ist technisch machbar und kann die Zahl neuer fremder Arten um 95 bis 99 Prozent senken“, sagt Papik. Auch Spezialanstriche für Schiffsrümpfe sollen helfen. Zudem werden Fischereiregeln angepasst, etwa durch die Zucht von Weichtieren, die unempfindlicher gegen die eingeschleppte Blaukrabbe sind.

Gleichzeitig wird über die Vermarktung essbarer invasiver Arten nachgedacht. „Einige Arten wie der Rotfeuerfisch bringen klaren wirtschaftlichen Nutzen, da sie besonders in manchen Ländern zu hohen Preisen verkauft werden“, erklärt Azzuro. Er merkt jedoch an: „Die Fischer machen sich jedoch den starken Bestand des dunklen Hasenfischs in italienischen Gewässern bislang kaum zunutze.“ Für nicht essbare Arten wie den Kugelfisch könnten Fischer für den Fang und die anschließende Verbrennung bezahlt werden. Papik resümiert: „In den kommenden Jahren wird es eine zentrale Aufgabe sein, neue Wege zur Wiederherstellung der Umwelt zu finden“.

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