Historische Juni-Hitze in Westeuropa fordert Todesopfer und vernichtet Ernten
Mit Rekordtemperaturen hat die jüngste Hitzewelle Westeuropa schwer getroffen. Neben Milliardenschäden in der Landwirtschaft verzeichneten Behörden über 10.000 zusätzliche Todesfälle.
Der Juni hat in Westeuropa historische Höchsttemperaturen erreicht und weitreichende Folgen für die Bevölkerung und die Landwirtschaft nach sich gezogen. Neben gesundheitlichen Belastungen und über 10.000 zusätzlichen Todesfällen drohen der europäischen Getreideernte Schäden in Milliardenhöhe. Zudem verschärft die anhaltende Trockenheit die Waldbrandgefahr in mehreren Ländern erheblich. Westeuropa verzeichnete im Juni den heißesten Monat seit Beginn der Aufzeichnungen, wie Euronews berichtet. Nach Angaben des EU-Klimadienstes Copernicus lag die Durchschnittstemperatur bei 20,74 Grad Celsius. Damit wurde der Juni-Durchschnitt der Jahre 1991 bis 2020 um 3,06 Grad übertroffen und der bisherige Rekord aus dem Juni 2025 eingestellt. Während es europaweit der zweitwärmste Juni seit Messbeginn war, meldeten England und Frankreich jeweils historische Höchstwerte. In Deutschland war es der zweitwärmste Juni seit Beginn der Aufzeichnungen, gepaart mit einem neuen landesweiten Temperaturhöchstwert.
Rekordtemperaturen und gesundheitliche Folgen
Die extreme Hitze führte zu einer spürbaren Belastung der Gesundheitssysteme. Das europäische Mortalitätsmonitoring EuroMOMO registrierte Ende Juni mehr als 10.000 zusätzliche Todesfälle, von denen über 9.000 Personen 65 Jahre oder älter waren. Allein in Frankreich gab es mindestens 5.764 zusätzliche Todesfälle, was laut der französischen Gesundheitsbehörde 36 Prozent über dem erwarteten Wert lag und die höchste Zahl seit der Hitzewelle im Jahr 2003 darstellt. Angesichts dieser Zahlen flammte die Debatte über die staatliche Vorsorge in Frankreich erneut auf. Kritiker werfen der Regierung vor, trotz der Reformen nach 2003 weiterhin zu wenig für den Schutz der Bevölkerung zu tun. Ende Juni berief Premierminister Sébastien Lecornu eine Krisensitzung der Regierung ein, um über Maßnahmen für künftige Hitzewellen zu beraten.
Milliardenverluste in der Landwirtschaft
Auch die Landwirtschaft leidet unter den extremen Bedingungen. Eine Analyse der unabhängigen Nichtregierungsorganisation Energy and Climate Intelligence Unit (ECIU) prognostiziert, dass die Hitzewelle den Wert der europäischen Getreideernte um rund 2 Milliarden Euro mindern könnte. Fast drei Viertel dieser Verluste entfallen auf Frankreich und Ungarn. In Frankreich wurde die Ernteprognose wegen hitzegeschädigter Weizen- und Maisbestände um 4,1 Millionen Tonnen herabgestuft, was einem Wert von rund 891 Millionen Euro entspricht. In Ungarn wird mit einem Verlust von 2,4 Millionen Tonnen Getreide im Wert von 444 Millionen Euro gerechnet.Analyst Tom Lancaster von der ECIU erklärte, die Hitzewelle sei zu einem "schrecklichen Zeitpunkt für Europas Getreidebauern" gekommen. Sie habe die Entwicklung der Pflanzen beeinträchtigt und die Erträge auf dem gesamten Kontinent verringert. "Das trifft die Landwirte direkt finanziell, schmälert ihr Einkommen und schwächt zugleich die europäische Ernährungssicherheit", sagte er. Laut ECIU wird Europa dadurch verstärkt auf Importe angewiesen sein. Zudem könnten die weltweiten Rohstoffpreise steigen, abhängig von den Ernteergebnissen auf der Südhalbkugel im weiteren Jahresverlauf.
Häufigere Hitzewellen und Waldbrände
Der Copernicus-Klimadienst dokumentierte für Mai, Juni und Anfang Juli bereits schwere Hitzewellen in Westeuropa, begünstigt durch rekordhohe Meerestemperaturen. Für die laufende Woche wird bereits die nächste Hitzewelle erwartet. Das Europäische Waldbrandinformationssystem hat bereits Feuerwarnungen für Teile Südwestfrankreichs und Nordspaniens herausgegeben. Auch im Vereinigten Königreich und in Portugal stehen deutlich steigende Temperaturen bevor. Die Hitze hat bereits zahlreiche Waldbrände in Frankreich und Spanien verursacht, insbesondere rund um die spanische Hauptstadt Madrid, wo Behörden vor den schlimmsten Bränden in der Geschichte der Region warnen. Laut dem Bericht European State of the Climate 2025 erwärmt sich Europa etwa doppelt so schnell wie der globale Durchschnitt. Hitzewellen werden demnach mit fortschreitender Erderwärmung häufiger, intensiver sowie früher und später im Jahr auftreten.
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