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Falschmeldungen im Netz: Wie mit den Waldbränden in Südeuropa manipuliert wird

Während in Südeuropa verheerende Waldbrände wüten, verbreiten sich in den sozialen Netzwerken zahlreiche Falschbehauptungen. Von gefälschten Videos bis hin zu irreführenden Statistiken klären Experten über die Mythen auf.

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In Südeuropa wüten seit Tagen heftige Waldbrände, die in Spanien, Frankreich und Portugal riesige Flächen verwüsten und zahlreiche Menschen in Sicherheit zwingen. Während die Einsatzkräfte gegen die Flammen kämpfen, verbreiten sich im Internet zahlreiche Falschbehauptungen über die Ursachen und Löscharbeiten. Experten und Faktenchecker klären auf, welche Bilder und Behauptungen der Realität entsprechen und welche manipuliert sind.
Ein eindrucksvolles Foto von zwei Touristen am Strand bei Lacanau ging um die Welt und erregte Spekulationen, ob es mit Künstlicher Intelligenz (KI) erstellt wurde. Dies ist jedoch nicht der Fall, wie tagesschau.de berichtet. Fotograf Maximilien Lamy, der für die französische Nachrichtenagentur AFP arbeitet, hielt die Szene während seines Urlaubs mit dem Handy fest, wie er im Gespräch mit dem Magazin Le Nouvel Obs erzählte. Echte KI-Bilder weisen oft Fehler bei Schatten, Spiegelungen oder unnatürlichen Fingerhaltungen auf, zudem lassen sich manchmal versteckte Wasserzeichen, sogenannte SynthIDs, über KI-Detektoren nachweisen.
Andere Behauptungen halten einer Überprüfung hingegen nicht stand. Auf der Plattform X kursiert ein Video eines Quads, das nachts Funken sprüht und kleine Feuer legt. Ein Nutzer behauptet, die Feuer würden absichtlich gelegt, um Angst vor dem Klimawandel zu erzeugen. Er schreibt, er könne „mit einer hohen Wahrscheinlichkeit sagen, wozu unser Mainstream dieses Feuer benutzt“, und versieht den Post mit Hashtags wie #Klimalüge. Das Video stammt jedoch aus dem Jahr 2025 und wurde damals im Zusammenhang mit Kalifornien verbreitet. Laut dem Internationalen Feuerwehrverband handelt es sich wahrscheinlich um einen Feuerwehrmann, der ein Gegenfeuer legt – eine verbreitete Taktik, um Waldbrände einzugrenzen.

Gefälschte Tierrettungen und irreführende Statistiken

Auch herzerwärmende Aufnahmen von Tierrettungen entpuppen sich als Fälschungen. Ein Video einer Fuchsmutter, die ihr Junges angeblich vor den Flammen schützte, wurde auf X über zwei Millionen Mal aufgerufen. Der französische Radiosender Franceinfo berichtet jedoch, dass diese Aufnahmen sehr wahrscheinlich mit KI erstellt wurden. Ökologin Camille Bernard vom Naturkundemuseum in Paris erklärte gegenüber Franceinfo: „Wenn eine Vergiftung vorläge, müsste das Jungtier ebenfalls betroffen sein.“ Das Fell schütze zwar vor Ruß, nicht aber vor CO2, zudem sei eine derart schnelle Reanimation unrealistisch.
Ebenfalls irreführend ist eine auf X geteilte Statistik. Ein Nutzer schreibt: „Waldbrände gehen global zurück. 2025 war das Jahr mit den geringsten Emissionen aus Wildfeuern“ und postet dazu eine Grafik des Copernicus Atmosphere Monitoring Service. Leitender Copernicus-Wissenschaftler Mark Parrington erklärt auf Anfrage des ARD-faktenfinders, dass die Daten nicht „zwischen Waldbränden, Flächenbränden oder landwirtschaftlichen Bränden“ unterscheiden. Der Rückgang der Emissionen wird „auf einen Rückgang der Brände in den tropischen Savannen und Graslandschaften zurückgeführt.“ Dies hänge „mit dem geringeren Einsatz von Feuer zur Rodung und für die Landwirtschaft in diesen Regionen“ zusammen. In der EU hingegen trugen Großbrände dazu bei, „dass die jährlichen Gesamtemissionen aus Bränden in der Europäischen Union mit knapp 13 Megatonnen Kohlenstoff den höchsten jemals gemessenen Wert erreichten.“

Zunahme der Brände außerhalb der Tropen

Eine 2024 im Journal Science veröffentlichte Studie kommt zu dem Ergebnis, dass die Emissionen durch Feuer in tropischen Regionen abgenommen, außerhalb der Tropen aber zugenommen haben. Bezogen auf die Wälder in Europa, Teilen von Asien und Nordamerika haben sie sich „zwischen 2001 und 2023 fast verdreifacht“, so die Wissenschaftler. Der Anstieg hänge unter anderem zusammen mit „einer Zunahme brandbegünstigender Wetterbedingungen und einer geringeren Bodenfeuchte“. Nach Daten des Waldbrand-Informationssystems der Europäischen Kommission ist in Spanien schon jetzt mehr als doppelt so viel Fläche abgebrannt wie sonst im Durchschnitt in einem ganzen Jahr, in Frankreich sogar mehr als die fünffache Fläche.

Welche Rolle spielt die Hitze?

In sozialen Medien wird zudem bezweifelt, dass Hitze Waldbrände verursacht. Meteorologe Jörg Kachelmann schrieb auf X über die „obsessive Desinformation, dass Waldbrände durch hiTzeWeLLe entstehen“. Ein anderer User schreibt: „Holz entflammt bei einer Temperatur von etwa 300 Grad Celsius. Die werden auch bei der größten Hitzewelle bei Weitem nicht erreicht.“ Diese Aussagen müssen in einem größeren Kontext betrachtet werden. Umweltforscher Jakob Zscheischler vom Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung in Leipzig betont, dass Hitze allein keine Brände verursacht, sondern brennbares Material und eine Zündquelle nötig sind, „zum Beispiel ein Blitz oder, wie in den meisten Fällen, Fahrlässigkeit“. Allerdings begünstigt Hitze die Trockenheit. Leiter Johann Georg Goldammer von der Arbeitsgruppe Feuerökologie des Max-Planck-Instituts für Chemie und der Universität Freiburg erklärt: „Durch erhöhte Verdunstung trocknet Vegetation schneller aus, insbesondere wenn vor einer Hitzewelle eine niederschlagsarme Zeit die lebende Vegetation unter Trockenheit beziehungsweise Trockenstress geschwächt und brennbereiter geworden ist.“

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