Falschmeldungen im Netz: Wie mit den Waldbränden in Südeuropa manipuliert wird
Während in Südeuropa verheerende Waldbrände wüten, verbreiten sich in den sozialen Netzwerken zahlreiche Falschbehauptungen. Von gefälschten Videos bis hin zu irreführenden Statistiken klären Experten über die Mythen auf.
Ein eindrucksvolles Foto von zwei Touristen am Strand bei Lacanau ging um die Welt und erregte Spekulationen, ob es mit Künstlicher Intelligenz (KI) erstellt wurde. Dies ist jedoch nicht der Fall, wie tagesschau.de berichtet. Fotograf Maximilien Lamy, der für die französische Nachrichtenagentur AFP arbeitet, hielt die Szene während seines Urlaubs mit dem Handy fest, wie er im Gespräch mit dem Magazin Le Nouvel Obs erzählte. Echte KI-Bilder weisen oft Fehler bei Schatten, Spiegelungen oder unnatürlichen Fingerhaltungen auf, zudem lassen sich manchmal versteckte Wasserzeichen, sogenannte SynthIDs, über KI-Detektoren nachweisen.
Andere Behauptungen halten einer Überprüfung hingegen nicht stand. Auf der Plattform X kursiert ein Video eines Quads, das nachts Funken sprüht und kleine Feuer legt. Ein Nutzer behauptet, die Feuer würden absichtlich gelegt, um Angst vor dem Klimawandel zu erzeugen. Er schreibt, er könne „mit einer hohen Wahrscheinlichkeit sagen, wozu unser Mainstream dieses Feuer benutzt“, und versieht den Post mit Hashtags wie #Klimalüge. Das Video stammt jedoch aus dem Jahr 2025 und wurde damals im Zusammenhang mit Kalifornien verbreitet. Laut dem Internationalen Feuerwehrverband handelt es sich wahrscheinlich um einen Feuerwehrmann, der ein Gegenfeuer legt – eine verbreitete Taktik, um Waldbrände einzugrenzen.
Gefälschte Tierrettungen und irreführende Statistiken
Auch herzerwärmende Aufnahmen von Tierrettungen entpuppen sich als Fälschungen. Ein Video einer Fuchsmutter, die ihr Junges angeblich vor den Flammen schützte, wurde auf X über zwei Millionen Mal aufgerufen. Der französische Radiosender Franceinfo berichtet jedoch, dass diese Aufnahmen sehr wahrscheinlich mit KI erstellt wurden. Ökologin Camille Bernard vom Naturkundemuseum in Paris erklärte gegenüber Franceinfo: „Wenn eine Vergiftung vorläge, müsste das Jungtier ebenfalls betroffen sein.“ Das Fell schütze zwar vor Ruß, nicht aber vor CO2, zudem sei eine derart schnelle Reanimation unrealistisch.Ebenfalls irreführend ist eine auf X geteilte Statistik. Ein Nutzer schreibt: „Waldbrände gehen global zurück. 2025 war das Jahr mit den geringsten Emissionen aus Wildfeuern“ und postet dazu eine Grafik des Copernicus Atmosphere Monitoring Service. Leitender Copernicus-Wissenschaftler Mark Parrington erklärt auf Anfrage des ARD-faktenfinders, dass die Daten nicht „zwischen Waldbränden, Flächenbränden oder landwirtschaftlichen Bränden“ unterscheiden. Der Rückgang der Emissionen wird „auf einen Rückgang der Brände in den tropischen Savannen und Graslandschaften zurückgeführt.“ Dies hänge „mit dem geringeren Einsatz von Feuer zur Rodung und für die Landwirtschaft in diesen Regionen“ zusammen. In der EU hingegen trugen Großbrände dazu bei, „dass die jährlichen Gesamtemissionen aus Bränden in der Europäischen Union mit knapp 13 Megatonnen Kohlenstoff den höchsten jemals gemessenen Wert erreichten.“