Waldbrände in Südwestfrankreich bedrohen Rüstungsindustrie und belasten Wirtschaft
Schwere Brände im Département Gironde zwingen Rüstungs- und Luftfahrtunternehmen zu Schutzmaßnahmen. Die regionale Wirtschaft leidet unter massiven Ausfällen, während die Regierung Nothilfen bereitstellt.
In der südwestfranzösischen Region Gironde bedrohen schwere Waldbrände wichtige Standorte der nationalen Verteidigungs- und Luftfahrtindustrie. Die Brände haben bereits weitreichende Evakuierungen erzwungen und beeinträchtigen die regionale Wirtschaft massiv. Um die strategisch bedeutenden Industrieanlagen zu sichern, wurden zahlreiche Einsatzkräfte und das Militär mobilisiert. Die Brände rund um Bordeaux betreffen namhafte Unternehmen wie ArianeGroup, Dassault Aviation, Airbus Atlantic und den Raketentriebwerk-Spezialisten Roxel. Wie Euronews berichtet, teilte das französische Verteidigungsministerium mit, dass seit Samstag 1.500 Soldatinnen und Soldaten zur Unterstützung der Einsatzkräfte abgestellt wurden. Zudem seien Expertinnen, Experten und zusätzliche Mittel entsandt worden, um gemeinsam mit anderen Ressorts die Sicherheit der Industriegelände zu gewährleisten. ArianeGroup, deren Standorte in der Region Antriebssysteme für die europäischen Ariane-Raketen und Frankreichs ballistische M51-Raketen fertigen, erklärte gegenüber AFP am Montag: „Die Fragen der Sicherung der Standorte von ArianeGroup werden bearbeitet“, und betonte, das Unternehmen stehe in ständigem Kontakt mit lokalen und nationalen Behörden.
Sicherheitsmaßnahmen in den Werken
Der französische Sender TF1 berichtete, dass Roxel, eine Tochter des europäischen Raketenherstellers MBDA, in dem als Hochrisiko eingestuften Industriekomplex in Saint-Médard-en-Jalles tätig ist, wo das Unternehmen Feststoffantriebe für taktische Raketen produziert. Roxel erklärte gegenüber „Le Monde“, man habe mit Unterstützung der Behörden alle notwendigen Maßnahmen zum Schutz der Produktion und der Belegschaft ergriffen. Wenige Kilometer entfernt stehen auch Anlagen von Dassault, Safran und Thales unter Druck. Nach Angaben von „Defense News“ arbeitet Dassault Aviation eng mit der französischen Rüstungsdirektion und den Präfekturbehörden zusammen. Das Unternehmen hat sensible Ausrüstung verlagert und teilte AFP zudem mit, dass die meisten Beschäftigten vorerst zu Hause bleiben. Airbus Atlantic hat auf Anweisung der Behörden ebenfalls die Mitarbeitenden aus seinem Werk in Salaunes evakuiert.
Wirtschaftliche Folgen für die Region
Seit dem Ausbruch des Feuers am 22. Juli hat der Brand nach jüngsten offiziellen Angaben rund 42.000 Hektar verwüstet, etwa 220.000 Menschen zur Flucht gezwungen und rund 240 Häuser zerstört. In den Evakuierungszonen von Gironde liegen mehr als 13.000 Unternehmen, die wegen der Evakuierungen nicht mehr normal arbeiten können. Wirtschaftsminister Roland Lescure sprach von einem „wirtschaftlichen Donnerschlag für eine Region, die ihn nicht nötig hatte“. Globaler Chefökonom der ING Carsten Brzeski erwartet, dass die gesamtwirtschaftlichen Folgen „messbar“ sein werden. Die französische Regierung kündigte am Montag Nothilfen für betroffene Unternehmen an. Im Wirtschaftsministerium findet am Donnerstag ein Treffen mit betroffenen Unternehmen statt, um „präzisere Antworten“ zu geben, kündigte Industrieminister Sébastien Martin bei BFMTV-RMC an.
Langfristige Schäden und Versicherungslücken
Neben der Industrie verzeichnen auch Tourismus, Forstwirtschaft und Weinbau erhebliche Verluste. Die endgültigen wirtschaftlichen Schäden dürften weit über die versicherten Schäden hinausgehen. Nach Berechnungen von Allianz Research waren zwischen 1980 und 2022 in Europa nur rund 10 Prozent der wirtschaftlichen Verluste durch Hitzeperioden, Dürren, Waldbrände und andere wetterbedingte Ereignisse versichert. Eine in „Nature Sustainability“ veröffentlichte Studie beziffert die Gesamtschäden der Waldbrände in Kalifornien im Jahr 2018 auf 148,5 Milliarden Dollar. Die Europäische Zentralbank schätzt, dass in der EU zwischen 1980 und 2023 nur etwa ein Viertel der klimabedingten Katastrophenschäden versichert war. „Bei Waldbränden ist die bittere Nebenwirkung, wie bei anderen Naturkatastrophen auch, dass sie nach Beginn des Wiederaufbaus zu zusätzlicher wirtschaftlicher Aktivität führen“, sagte Brzeski. Er betonte jedoch, dass Haushalte, Versicherer und der Staat die Kosten des Wiederaufbaus letztlich tragen müssen.
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