Schwere Waldbrände in Südeuropa: Hunderttausende Menschen auf der Flucht
In Frankreich und Spanien kämpfen Tausende Einsatzkräfte gegen außer Kontrolle geratene Waldbrände. Angesichts einer drohenden neuen Hitzewelle wächst die Sorge vor einer weiteren Ausbreitung der Feuer.
In Frankreich und Spanien kämpfen Feuerwehrleute weiterhin gegen schwere Waldbrände, während eine neue Hitzewelle die Situation verschärfen könnte. Mehr als 300.000 Menschen mussten in beiden Ländern bereits ihre Häuser verlassen. Die Nachrichtenagentur AP spricht in diesem Zusammenhang von einer der größten Evakuierungsaktionen in Europa seit Jahrzehnten. In Südwestfrankreich gelang es den Einsatzkräften, einen Brand nahe Bordeaux über Nacht an einer weiteren Ausbreitung zu hindern, wie Euronews berichtet. Mehrere kleinere Brände flammten allerdings erneut auf. Das Feuer hatte sich binnen sechs Tagen über rund 42.000 Hektar ausgebreitet, 220.000 Menschen zur Flucht gezwungen und 240 Wohnhäuser zerstört. Präsident Emmanuel Macron warnte: “Die kommenden Wochen werden hart, und wir müssen durchhalten.”
Lage in Frankreich und Spanien bleibt kritisch
Auch in Spanien kämpfen Feuerwehrleute gegen Brände westlich von Madrid. Rund 60.000 Menschen wurden dort in Sicherheit gebracht. Innenminister Fernando Grande-Marlaska sagte, die kommenden Stunden seien “absolut entscheidend”, da die Temperaturen erneut steigen. Spaniens Regierungschef Pedro Sánchez rief die Bevölkerung zu besonderer Vorsicht auf: “Ich bitte um Verständnis und rufe alle Bürgerinnen und Bürger im ganzen Land auf, äußerste Vorsicht walten zu lassen und jede mögliche Vorsichtsmaßnahme zu ergreifen.” “Uns stehen schwierige, komplexe Stunden bevor”, warnte Sánchez. Besonders schwer betroffen ist die Region westlich von Madrid. Die aktuellen Brände haben dort rund 77.000 Hektar zerstört — eine Fläche, die etwa so groß ist wie Hamburg.
Unterstützung durch die Europäische Union
Die Europäische Union nutzt das Copernicus-Satellitensystem, um die Brände zu überwachen und den Behörden rasch Karten der betroffenen Gebiete bereitzustellen. Damit können die Einsatzkräfte die Ausbreitung der Feuer und ihre Folgen besser einschätzen. Über den EU-Katastrophenschutzmechanismus stehen Löschflugzeuge und Feuerwehrteams aus den Mitgliedstaaten sowie aus der EU-finanzierten rescEU-Reserve bereit. Diese Kapazitäten könnten jedoch stärker beansprucht werden, wenn sich eine neue Phase extremer Hitze über Europa ausbreitet. Der spanische Wetterdienst AEMET sagt von Mittwoch bis zum Wochenende eine neue Hitzewelle voraus, mit Temperaturen von bis zu 42 °C im Nordosten und 39 °C in der Landesmitte. Météo-France erwartet ab Dienstag Temperaturen von bis zu 40 °C. Trockene Winde könnten das Risiko erhöhen, dass sich die Brände weiter ausbreiten.
Ausbreitung der Gefahr in Mitteleuropa befürchtet
Seit Jahresbeginn haben Brände in Spanien rund 150.000 Hektar sowie in Frankreich 115.000 Hektar Wald- und Buschland zerstört. EU-Krisenmanagementkommissarin Hadja Lahbib warnte, dass die Gefahr über die Länder hinausreiche, die derzeit besonders schwer betroffen sind. Die EU entsandte zusätzliche Löschflugzeuge nach Frankreich. Lahbib mahnte jedoch, dass die Maschinen schon bald auch an anderen Orten benötigt werden könnten. "Extreme Bedingungen zeichnen sich für Ungarn, die Slowakei und Tschechien ab, zusätzlich zu Frankreich, der Iberischen Halbinsel ... dort dürfte sich die Lage verschärfen, in Portugal bereits ab heute“, sagte Lahbib.
Auf den griechischen Inseln Kreta und Paros kämpfen hunderte Feuerwehrleute gegen anhaltende Waldbrände. Aufgrund der starken Winde und schwierigen Bedingungen bleibt die Lage in mehreren Regionen angespannt.
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