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Schleppende Hilfe nach Jahrhundertsturm in Portugal

Ein halbes Jahr nach dem verheerenden Sturm „Kristin“ warten viele Betroffene in Portugal noch immer auf staatliche Unterstützung. Während Familien obdachlos sind, kämpfen Unternehmen mit den wirtschaftlichen Folgen.

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Sechs Monate nach dem verheerenden Sturm „Kristin“ verläuft der Wiederaufbau in den betroffenen Regionen Portugals nur sehr schleppend. Viele der betroffenen Bürger und Unternehmen warten weiterhin auf die versprochenen staatlichen Hilfen aus dem milliardenschweren Rettungspaket. Die Naturkatastrophe vom Januar hinterließ Schäden in Milliardenhöhe und fordert die Betroffenen bis heute finanziell wie existenziell heraus.
Der Sturm „Kristin“ traf Portugal Ende Januar mitten in der Nacht und richtete in Dutzenden Gemeinden, insbesondere in der Region Centro, schwere Verwüstungen an. Bereits heute gilt er als eine der schwersten Naturkatastrophen dieses Jahrhunderts in Portugal. Nach „Ingrid“ und „Joseph“ war „Kristin“ bereits der dritte Sturm innerhalb von weniger als einer Woche – und zugleich der verheerendste. Mit dem ersten Tageslicht wurde das ganze Ausmaß der Zerstörung sichtbar. Beschädigt wurden Wohnhäuser, Unternehmen, Schulen und Straßen. Viele Menschen hatten plötzlich keinen Zugang mehr zu grundlegenden Versorgungsleistungen wie Wasser, Strom und Telekommunikation.
Das Portugiesische Institut für Meer und Atmosphäre (IPMA), die nationale Wetterbehörde, bezeichnete das Wetterereignis als „explosive Zyklogenese“ (Quelle auf Portugiesisch). Vor allem die extremen Windböen verursachten die massiven Schäden. Die stärkste Böe wurde mit 208 km/h in Soure im Süden des Bezirks Coimbra gemessen. Drei der vier Todesopfer, die der Zivilschutz innerhalb der ersten 24 Stunden bestätigte, wurden jedoch im Kreis Leiria gefunden.
Euronews war am Tag nach der Katastrophe vor Ort. Das Bild erinnerte an ein Kriegsgebiet – in einer Region, die zeitweise vom Rest des Landes und der Außenwelt abgeschnitten war. Premierminister Luís Montenegro reiste in die betroffenen Gebiete und rief den Katastrophenfall aus, wie Euronews berichtet. Später weitete die Regierung diesen auf 68 Kommunen aus. Der Gesamtschaden belief sich auf mehr als 5,3 Milliarden Euro. Anfang Februar beschloss die Regierung ein Hilfspaket im Umfang von bis zu 2,5 Milliarden Euro für Betroffene, Unternehmen, Kommunen und den Wiederaufbau der Infrastruktur. Sechs Monate später kommen die Hilfen jedoch nur schleppend an, und der Wiederaufbau verläuft nur langsam. Für Tausende Menschen hat er noch nicht einmal begonnen.

Wiederaufbau: Noch kein erster Stein gelegt

Carlos Alberto und Maria do Rosário aus Carvide im Kreis Leiria waren in den frühen Morgenstunden des 28. Januar bereits wach. Sie hörten das „schreckliche Geräusch“, als sich die Blechplatten ihres Dachs lösten und einer der Pfeiler ihres Hauses einstürzte. Innerhalb weniger Stunden verloren sie das Zuhause, in dem sie mehr als 30 Jahre gelebt hatten. Die Angst jener Nacht begleitet sie bis heute. Sie wächst mit jedem Tag, an dem eine Lösung auf sich warten lässt. „Jeder Tag, der vergeht, fühlt sich an wie ein Jahr“, sagt Maria do Rosário zu Euronews.
Ohne ein Dach über dem Kopf zogen sie zu einem ihrer Söhne. Beide sind aus gesundheitlichen Gründen im Ruhestand. Ihre Renten betragen jeweils höchstens 500 Euro. Für den Wiederaufbau fehlen ihnen die finanziellen Mittel. Der jüngste Kostenvoranschlag beläuft sich auf 84.000 Euro. „Die Versicherung hat gezahlt, aber das Geld reicht bei Weitem nicht aus, um alle Kosten zu decken. So wie die Lage jetzt ist, weiß ich nicht, ob ich das Haus überhaupt wieder aufbauen kann“, sagt Maria do Rosário. Das Paar wartet noch immer auf eine Antwort der Kommission für Koordination und regionale Entwicklung der Region Centro (CCDRC).
„Wenn der Staat keine Mittel für Fenster und Türen bereitstellt, wird es noch schwieriger“, sagt sie. Maria do Rosário ist das Warten leid und glaubt nicht, dass die Bauarbeiten vor Oktober beginnen werden. „Der Bauunternehmer sagt, er müsse zunächst Material beschaffen, bevor er hier anfangen kann. Und ich muss das Geld haben, um ihn bezahlen zu können“, erklärt sie. Allein im Bezirk Leiria warten noch Tausende Anträge auf staatliche Hilfen auf ihre Bearbeitung. „Wäre das in Lissabon passiert, wäre alles anders gelaufen. Solange es nur die anderen trifft und nicht uns selbst, ist alles ganz anders“, sagt sie.

Staatliche Hilfen „ein Bluff“

Die Wucht von „Kristin“ hinterließ auch in der Formenfabrik von João Faustino in Marinha Grande tiefe Spuren. Der Unternehmer leitet den Betrieb seit 40 Jahren. Von den fünf Produktionshallen wurden zwei vollständig zerstört. Die direkten Schäden belaufen sich auf rund 9 Millionen Euro. Eine der Hallen wird erst seit wenigen Tagen wieder aufgebaut. Viele Präzisionsmaschinen, die lediglich mit Planen geschützt waren, hielten Regen und Feuchtigkeit jedoch nicht stand und korrodierten irreparabel. Ohne die Maschinen zur Herstellung und Prüfung von Formen arbeitet das Unternehmen derzeit nur mit rund 30 Prozent seiner Kapazität.
„Die Reparatur dieser Maschinen ist extrem teuer, und hinzu kommen absurd lange Lieferzeiten“, sagt Geschäftsführer von TJ Moldes im Gespräch mit Euronews. Einen Auftrag für den deutschen Autobauer Porsche konnte das Unternehmen noch retten, andere gingen jedoch verloren. Die Versicherung hat bereits Entschädigungen gezahlt. Mit diesem Geld hält das Unternehmen den Betrieb derzeit aufrecht. Auf staatliche Finanzhilfen verzichtet João Faustino bewusst. Er bezeichnet sie als „einen Bluff“. „Wenn ich die staatlichen Kreditlinien nutze, verschulde ich mich nur noch weiter. Das sind Schulden auf Schulden. Dieses Geld müssen wir irgendwann zurückzahlen – es ist kein Geschenk“, betont der Unternehmer. Der nicht rückzahlbare Teil des von der Regierung aufgelegten Hilfsprogramms hänge von „Investitionen“ und dem Erreichen bestimmter „Ziele“ ab. Angesichts der Unsicherheit auf den Märkten und des von der aktuellen US-Regierung ausgelösten Handelskriegs seien diese womöglich gar nicht zu erreichen. Trotz der außergewöhnlichen Lage hat TJ Moldes alle 112 Beschäftigten gehalten.

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