Prognosen für den Spätsommer: Europa droht ein außergewöhnlich heißer August
Nach einer Reihe von extremen Hitzewellen deuten langfristige Wetterprognosen auf einen überdurchschnittlich warmen August in Europa hin. Wissenschaftler weisen in diesem Zusammenhang auf den starken Einfluss des menschengemachten Klimawandels hin.
Nach einer Serie von Hitzewellen stellt sich Europa auf einen ungewöhnlich warmen August ein, in dem weite Teile des Kontinents mit Temperaturen von über 40 Grad kämpfen. Da eine rasche Abkühlung laut aktuellen Prognosen unwahrscheinlich ist, drohen weitere Hitzewellen und Tropennächte. Wissenschaftliche Untersuchungen zeigen dabei immer deutlicher, wie stark der menschengemachte Klimawandel solche extremen Wetterereignisse beeinflusst und intensiviert. Wie Euronews berichtet, deuten die saisonalen Aktualisierungen auf einen überdurchschnittlich warmen Spätsommer hin. „In den Ausgaben von Anfang Juli deuten alle saisonalen Aktualisierungen auf einen August hin, der in ganz Europa wärmer als üblich ausfällt. Am deutlichsten ist das Hitze-Signal über dem Mittelmeerraum und Südosteuropa“, sagt Gründerin der Wetterplattform WFY24 Ioanna Vergini. Zu den betroffenen Regionen gehören die Iberische Halbinsel, Italien, Griechenland und Teile des Balkans. „Das außergewöhnlich warme Mittelmeer hinterlässt auf dem Festland Spuren. An mehreren Orten zeigt sich das eher in der Nacht als am Nachmittag“, ergänzt Vergini. In Städten wie Neapel, Barcelona, Rom, Valencia, Nizza, Thessaloniki, Split und Athen werden nachts Temperaturen von über 20 Grad erwartet. Diese Tropennächte erhöhen das Risiko für schweren Hitzestress bei vulnerablen Gruppen. Auch weiter nördlich droht extreme Hitze; der britische Wetterdienst Met Office erwartet im August Höchstwerte von bis zu 35 Grad. „Die Temperaturen werden wahrscheinlich über dem Mittel liegen. Phasen mit sehr heißem Wetter und Hitzewellen sind möglich, vor allem im Süden“, heißt es in der Langfristprognose.
Die Rolle des Klimawandels bei Extremwetter
Mithilfe der sogenannten „Attribution von Extremereignissen“ vergleichen Forscher heutige Wetterdaten mit Modellen einer Welt ohne globale Erwärmung. Eine Schnellanalyse von World Weather Attribution (WWA) ergab beispielsweise, dass eine dreitägige extreme Hitzephase in Europa Ende Juni vor 50 Jahren noch praktisch unmöglich gewesen und um rund dreieinhalb Grad kühler ausgefallen wäre. „Fortgesetzte Emissionen aus fossilen Brennstoffen sind direkt verantwortlich für die Belastungen, die die Menschen in ihren Wohnungen, Schulen und am Arbeitsplatz erleben“, sagt Dr. Keeping. Weiter führt Keeping aus: „Das Tempo des Wandels ist erschreckend. Alle paar Jahre werden in Europa Hitzerekorde gebrochen. In diesem Jahr passiert das in aufeinanderfolgenden Monaten.“ Während bei Extremhitze eine hohe Datensicherheit besteht, ist der Zusammenhang bei Tornados oder Hagel schwerer zu bestimmen. Eine gemeinsame Analyse von Imperial College London, dem britischen Met Office und der London School of Hygiene and Tropical Medicine schätzt zudem, dass zwei jüngere Hitzeepisoden durch die Erwärmung um drei bis vier Grad heißer wurden und zu 10.000 zusätzlichen Todesfällen führten. „Extreme Hitze bricht überall in Europa Rekorde, und die Wissenschaft ist sehr klar, warum: Der Klimawandel läuft aus dem Ruder, angetrieben von der weltweiten Abhängigkeit vom Verbrennen von Kohle, Öl und Gas“, sagt Exekutivsekretär für Klimapolitik der Vereinten Nationen Simon Stiell.
Atmosphärische Muster und El Niño
Neben dem Klimawandel spielen atmosphärische Muster eine Rolle. So führte der französische Wetterdienst Météo-France eine Hitzewelle im Mai auf einen „Hitze-Dom“ zurück, bei dem absinkende Luft durch ein Hochdruckgebiet komprimiert und erwärmt wird. Eine in den Proceedings of the National Academy of Sciences veröffentlichte Studie aus dem Jahr 2025 zeigt, dass sich solche blockierenden Wetterlagen seit den 1950er-Jahren fast verdreifacht haben. Zudem ermittelte Climate Central, dass ein Hitze-Dom über Mexiko und den USA durch den Klimawandel mindestens fofmal wahrscheinlicher wurde. Auch das natürliche Klimaphänomen El Niño, das von der US-Behörde National Oceanic and Atmospheric Administration (NOAA) für den tropischen Pazifik bestätigt wurde, verstärkt Extremwetter weltweit. Während El Niño die globale Durchschnittstemperatur vorübergehend um etwa 0,2 Grad anhebt, hat der menschengemachte Klimawandel die Erdtemperatur bereits um 1,3 bis 1,5 Grad gesteigert. Das Jahr 2025 war das drittwärmste Jahr seit Beginn der Aufzeichnungen, obwohl das kühlende Gegenstück La Niña aktiv war.
Debatte über Luftverschmutzung und Aerosole
Nach dem heißen Sommerstart behaupteten einige Medien sowie stellvertretender Vorsitzender der rechtspopulistischen Partei Richard Tice (Reform UK), die Hitzewellen seien auf sinkende Luftverschmutzung zurückzuführen. Diese Argumentation wird genutzt, um die Netto-null-Strategie zu kritisieren. Zwar verringert sauberere Luft die kühlende Wirkung von Aerosolen, doch Klimaforscher an der ETH Zürich Erich Fischer bezeichnet diese Darstellung als falsch. „Hitzewellen entstehen durch Hochdrucklagen. Sie sind heute viel häufiger und intensiver, weil sie in einem Klima auftreten, das infolge des Treibhauseffekts deutlich wärmer ist als vor hundert Jahren“, erklärt er. Fischer fügt hinzu: „Die Studie zeigt, dass die sommerliche Erwärmung durch Treibhausgase zeitweise von luftverschmutzenden Aerosolen überdeckt wurde. Das ganze Ausmaß dieser Erwärmung wird in den europäischen Sommern erst jetzt sichtbar, da die Luftverschmutzung durch Aerosole zurückgegangen ist.“
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