Enorme finanzielle Belastungen durch verheerende Waldbrände in Spanien
Die Bekämpfung der aktuellen und vergangenen Waldbrände in Spanien verursacht Kosten in Milliardenhöhe. Während Experten mehr Investitionen in die Prävention fordern, leiden Tourismus und Landwirtschaft unter den wirtschaftlichen Folgen.
In Spanien kämpfen Hunderte Feuerwehrleute gegen den schlimmsten registrierten Waldbrand in der Geschichte des Landes. Die finanziellen Belastungen für den Staatshaushalt sind bereits jetzt immens und könnten allein für die Löscharbeiten der bisherigen Brände in diesem Jahr bis zu 3,275 Milliarden Euro erreichen. Neben den ökologischen Schäden sind vor allem der Tourismus und die Landwirtschaft stark von den Auswirkungen betroffen. Wie hoch die Belastung für den Staatshaushalt am Ende ausfällt, lässt sich noch nicht genau beziffern, aber die Rechnung wird hoch, wie Euronews berichtet. Der Greenpeace-Bericht „Grandes incendios forestales“, erstellt auf Grundlage von Daten der Asociación Nacional de Empresas Forestales (Asemfo), schätzt, dass die spanische Regierung im vergangenen Jahr zwischen 3.548 und 6.741 Millionen Euro für die Bekämpfung der Brände ausgegeben hat. Diese Feuer zerstörten nach Zahlen des Innenministeriums rund 354.793 Hektar Wald- und Buschfläche in insgesamt 8.189 registrierten Vorfällen im ganzen Land. Die Summe hängt von den Richtwerten ab: Die Forstagentur von Navarra kalkuliert mit 10.000 Euro pro Hektar, Asemfo geht von etwa 19.000 Euro pro Hektar aus. Beide Ansätze erfassen allerdings nur die durchschnittlichen Kosten der Löscharbeiten, während die Restaurierung der verbrannten Flächen außen vor bleibt.
Hohe Kosten für Löscharbeiten und Wiederherstellung
Nach dem jüngsten Zwischenbericht des Ministeriums für den Ökologischen Wandel beträgt die seit Jahresbeginn in Spanien von Bränden betroffene Waldfläche bereits 172.396 Hektar. Das ist fast die Hälfte der Gesamtfläche, die im Jahr 2025 im Land abgebrannt ist. Die Kosten allein für die bisherigen Brände könnten sich damit auf 1.723 bis 3.275 Millionen Euro summieren. Diese Berechnung erfasst ausschließlich die Löscharbeiten. Dekanin des Colegio Oficial de Ingenieros Técnicos Forestales (COITF) Ana Belén Noriega betonte gegenüber „Infobae“, die Wiederherstellung der betroffenen Landschaften „ist in der Regel teurer als das Löschen selbst“. Zur Einordnung: Das Europäische Parlament hat in diesem Monat eine Nothilfe für Spanien in Höhe von 120,55 Millionen Euro bewilligt, um Schäden durch Dürren, Hitzewellen und Waldbrände auszugleichen.
Die Bedeutung von Präventionsmaßnahmen
Nach Schätzungen von Asemfo auf Basis der Daten des Ministeriums für den Ökologischen Wandel fließt ein großer Teil der öffentlichen Mittel in die akute Brandbekämpfung und deutlich weniger in vorbeugende Maßnahmen. Präsident von Asemfo Miguel Ángel Duralde erläuterte gegenüber dem Sender „Ser“: „Wahrscheinlich liegen wir wieder bei ähnlichen Summen wie in den Vorjahren, insgesamt bei etwa 1.200 bis 1.300 Millionen Euro. Rund 400 Millionen davon gehen in die Brandbekämpfung“. Etwa 800 Millionen Euro blieben demnach für Präventionsmaßnahmen. Duralde beklagt enorme Verluste und betont: „Waldbrände werden im Winter gelöscht.“ Er plädiert für deutlich höhere Investitionen in die Prävention, da jeder in Vorsorge investierte Euro rund hundert Euro bei späteren Löscharbeiten spare. „Die Landschaft wird sich massiv verändern, die Qualität und Menge des Wassers, die Biodiversität, die wir verlieren, die Ressourcen an Holz, Pilzen oder Harzen, der beschädigte Boden, der sich nur langsam regeneriert und dann ein Ökosystem wie das bisherige tragen kann ... das Verhältnis liegt bei eins zu hundert“, fasste er zusammen. Der Experte hält jährliche Investitionen von rund 3.000 Millionen Euro für Waldmanagement für notwendig, da Waldflächen etwas mehr als die Hälfte der Staatsfläche ausmachen. Das Geld solle „nicht für den Kauf von Flugzeugen (...) , sondern für Waldmanagement“ eingesetzt werden. „So würden wir nach und nach spürbare Veränderungen feststellen, die sich auf die Entwicklung der Brände auswirken“, erklärte er.
Auswirkungen auf Tourismus und Landwirtschaft
Waldbrände verursachen nicht nur ökologische Schäden, sondern treffen auch die Wirtschaft. Eine Studie aus dem Jahr 2023, veröffentlicht in der Fachzeitschrift „Journal of Environmental Economics and Management“, kommt zu dem Ergebnis, dass vom Großfeuer betroffene Regionen im Süden Europas ihr jährliches BIP-Wachstum um 0,11 bis 0,18 % reduzieren. In besonders schweren Jahren kann der kumulierte Rückgang 3,3 bis 4,8 % erreichen. Die Studie identifiziert zudem einen direkten Effekt auf die Beschäftigung im Tourismus, wo Tätigkeiten rund um Transport, Beherbergung und Gastronomie ein um 0,09 bis 0,15 % geringeres jährliches Wachstum verzeichnen. Dies entspricht einer geschätzten Einbuße von 5.700 bis 9.600 Arbeitsplätzen pro Saison im Süden Europas. Vor diesem Hintergrund hat das Arbeitsministerium ein Paket außerordentlicher Maßnahmen vorbereitet, bei dem der Staat die kompletten Lohnkosten übernimmt, um Arbeitnehmer und Unternehmen zu schützen. Direkt betroffen ist auch der Agrarsektor. Innenminister Fernando Grande-Marlaska ordnete an diesem Montag an, alle Erntearbeiten mit schwerem Gerät in der Autonomen Gemeinschaft Madrid sowie in den Provinzen Ávila und Toledo auszusetzen, solange der Notstand anhält. Zudem sind durch die Flammen Tausende Stück Vieh verendet oder von der Außenwelt abgeschnitten. Die Region Madrid hat beschlossen, den betroffenen Betrieben in der westlichen Sierra finanzielle Unterstützung zu gewähren.
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