Einzelhandel in NRW: Rabattaktionen starten trotz weggefallener Regeln
Obwohl der offizielle Sommerschlussverkauf längst Geschichte ist, locken Händler Ende Juli mit Preisnachlässen. Wechselhaftes Wetter und volle Lager erhöhen den Verkaufsdruck.
Prozente hin oder her – wat nützt dat, wenn de Büx am Ende doch kneift.
— Rocky, Chefkolumnist
Illustration: KI-generiert
Obwohl der gesetzlich geregelte Sommerschlussverkauf seit über zwei Jahrzehnten Geschichte ist, starten viele Einzelhändler in Nordrhein-Westfalen am letzten Montag im Juli wieder gemeinsame Rabattaktionen. Angesichts voller Lager durch wechselhaftes Sommerwetter hofft die Branche auf eine Belebung des schwächelnden Konsumklimas. Die Rabatte im Textilbereich bewegen sich dabei meist zwischen 20 und 50 Prozent. Der diesjährige Sommer verlief für den Handel wechselhaft: Auf eine kühlere Phase folgte Ende Juni eine intensive Hitzewelle, die jedoch die zuvor schwache Nachfrage nicht vollständig ausgleichen konnte. "Wir haben noch spürbare Restbestände der Frühjahrs- und Sommerware in den Lagern und auf den Flächen", sagt Carina Peretzke vom Handelsverband NRW, wie die Tagesschau berichtet. Wegen des verhaltenen Saisonverlaufs rechnet der Verband mit weiteren Preisnachlässen, insbesondere bei Restposten. Gefragte Größen und zeitlose Kleidung werden hingegen weniger stark reduziert.
Veränderte Produktion und neue EU-Vorgaben
Die Modebranche reagiert zunehmend mit einer gezielteren Produktion, um Überhänge zu vermeiden. Laut dem Modeverband Deutschland richten Hersteller ihre Mengen mittlerweile stärker an den konkreten Bestellungen der Händler aus. Zudem verändern kleinere, über das Jahr verteilte Kollektionen und zeitlose Basics, die dauerhaft angeboten werden, den klassischen Saisonwechsel. Zusätzlichen Druck erzeugt die EU-Ökodesign-Verordnung: Seit dem 19. Juli 2026 ist es großen Unternehmen mit mindestens 250 Beschäftigten oder mehr als 50 Millionen Euro Jahresumsatz grundsätzlich verboten, unverkaufte Kleidung, Schuhe und bestimmte Accessoires zu vernichten. Für mittelgroße Betriebe greift dieses Verbot ab 2030.
Schlussverkauf im Wandel der Zeit
Bis zu einer Gesetzesreform im Jahr 2004 war der Sommerschlussverkauf streng geregelt und auf zwölf Werktage ab dem letzten Montag im Juli begrenzt. Heute entscheiden die Händler selbst über den Zeitpunkt ihrer Rabatte. Die roten Plakate in den Schaufenstern markieren daher keinen gemeinsamen Start mehr. "Jetzt ist im Grunde der End- oder Höhepunkt dieser Reduzierungs- und Rabattphase", sagt Peretzke. Da nicht verkaufte Ware Kapital bindet und Platz für neue Kollektionen benötigt wird, bleibt der Druck zur Reduzierung hoch.Obwohl dauerhafte Rabattaktionen wie Online-Gutscheine oder der "Black Friday" die Kundschaft an ständige Sonderangebote gewöhnt haben, setzt der Handel weiterhin auf die gemeinsame Aktion im Sommer. "Es ist natürlich ein Kaufimpuls, es ist vor allem aber auch ein Frequenzimpuls", sagt Peretzke. Für Verbraucherinnen und Verbraucher bietet die Rabattphase Chancen auf Schnäppchen, allerdings lohnt sich stets der Vergleich der Endpreise.
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