Ukraine greift Schiffe im Kaspischen Meer an – Iran protestiert scharf
Nach einem erstmaligen ukrainischen Angriff auf mutmaßliche Nachschubschiffe im Kaspischen Meer hat der Iran scharf protestiert. Kiew wirft Russland zudem vor, Teheran mit Satellitendaten für Angriffe auf US-Stützpunkte unterstützt zu haben.
Die Ukraine hat nach eigenen Angaben erstmals Schiffe im Kaspischen Meer angegriffen, die für den Transport militärischer Güter zwischen Russland und dem Iran genutzt worden sein sollen. Bei dem Angriff auf einen iranischen Frachter wurde ein Besatzungsmitglied getötet und mehrere weitere verletzt. Teheran reagierte mit scharfen diplomatischen Protesten und forderte internationale Konsequenzen. Als Reaktion auf den Angriff bestellte das iranische Außenministerium am Samstag den geschäftsführenden ukrainischen Vertreter in Teheran ein und legte formell Protest ein, wie Euronews berichtet. Nach Angaben der Nachrichtenagentur IRNA betonte der Iran bei dem Treffen, "die Islamische Republik werde ihre Sicherheit und ihre nationalen Interessen entschlossen verteidigen und Angriffe auf Leben und Eigentum ihrer Bürger nicht unbeantwortet lassen". Außenminister Abbas Araghtschi verurteilte den Angriff zudem in einem Telefonat mit EU-Außenbeauftragte Kaja Kallas und forderte eine Reaktion des UN-Sicherheitsrats, der Europäischen Union und der internationalen Gemeinschaft. Das Gespräch fand nur zwei Tage nach neuen EU-Sanktionen statt, bei denen die Europäische Union mehrere iranische Richter wegen schwerer Menschenrechtsverletzungen auf ihre Sanktionsliste gesetzt hatte.
Forderungen nach Vergeltung im Iran
Unterdessen wächst im Iran der Druck auf die Regierung. In sozialen Netzwerken werfen zahlreiche Nutzer dem Außenministerium eine zu zurückhaltende Reaktion vor und fordern eine harte Antwort unter Verweis auf das iranische Raketenarsenal. Früherer iranischer Parlamentsabgeordneter Nezameddin Mousavi erklärte, die Antwort auf den Angriff im Kaspischen Meer müsse „im Schwarzen Meer erfolgen“. Zugleich regte er an, die bislang selbst gesetzte Reichweitenbegrenzung von 2.000 Kilometern für iranische ballistische Raketen zu überdenken. Offizielle militärische Drohungen sprach die iranische Führung bislang jedoch nicht aus.
Selenskyj wirft Russland Spionagehilfe vor
Zeitgleich verschärfte ukrainischer Präsident Wolodymyr Selenskyj den Ton gegenüber Moskau. In einem Beitrag auf X behauptete er, Russland habe dem Iran Satellitenaufnahmen zur Verfügung gestellt, die bei Angriffen auf US-Militärstützpunkte im Nahen Osten genutzt worden seien. Nach seinen Angaben hätten russische Satelliten Anfang Juli wiederholt US-Stützpunkte und militärische Einrichtungen in Bahrain, Jordanien und Kuwait beobachtet. Zwischen den Aufnahmen und den späteren iranischen Angriffen bestehe eine „klare Korrelation“, schrieb Selenskyj. Belege für diese Vorwürfe legte die Ukraine bislang nicht vor, und Moskau hat sich dazu bisher nicht geäußert.
Widerspruch zu Aussagen von Trump
Die Aussagen Selenskyjs stehen im Gegensatz zu Äußerungen von US-Präsident Donald Trump. Dieser erklärte zuletzt, sowohl Russlands Präsident Wladimir Putin als auch Chinas Staatschef Xi Jinping hätten ihm zugesichert, keine Waffen an den Iran zu liefern. Während Trump damit die militärische Unterstützung Teherans herunterspielte, wirft Selenskyj Russland nun zumindest geheimdienstliche Hilfe vor. Die jüngsten Entwicklungen zeigen, dass sich der Ukraine-Krieg und die Spannungen im Nahen Osten zunehmend überschneiden. Die Führungen in Moskau und Peking haben bislang nicht offiziell auf die Vorwürfe des ukrainischen Präsidenten reagiert.
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