Strenge Auflagen zur Wassernutzung in Brandenburg und weiteren Städten
Angesichts sinkender Grundwasserspiegel und anhaltender Trockenheit schränken Kommunen wie Brandenburg an der Havel das Gießen und Abpumpen von Wasser drastisch ein. Kleingärtner und Städte müssen sich an die veränderten Bedingungen anpassen.
In Brandenburg an der Havel spüren Kleingärtner den Klimawandel. Rentnerin Jutta Jachmann baut dort mit ihrem Mann Bernd Jachmann im Verein „Sommerfreude 2“ Obst und Gemüse an. „Wir haben auf dieser Strecke da hinten Johannisbeeren, Stachelbeeren und so weiter.“, erzählt die Kleingärtnerin. „Die Ernte war weniger“, berichtet sie, da die Pflanzen zu wenig Wasser bekamen. Seit der vergangenen Woche dürfen die Kleingärtner nur zwischen 18 und 8 Uhr gießen. „Es macht ja auch Sinn“, sagt Bernd Jachmann, „Am Tage verbrennt ja gleich alles.“
Auch Nachbarn kämpfen mit Temperaturen bis 40 Grad. „Der Mensch freut sich, ist zur Abkühlung“, erklärt Frank Teichelmann bezüglich ihres Whirlpools, den sie einmal pro Saison füllen. Die Stadt rationiert das Wasser bis Ende August rigoros. „Ich habe schon Verständnis dafür“, sagt Teichelmann. Das Problem mit Wasser existiere weltweit: „Bei manchen ist es noch schlimmer.“ Seine Frau Ingrid Teichelmann stimmt zu: „Die Wassermenge wird ja immer weniger überall in den Seen.“
Sinkende Pegelstände und behördliche Verbote
Wie die Tagesschau berichtet, sinkt der Grundwasserspiegel und selbst die Havel führt momentan weniger Wasser. Bürgermeister Michael Müller zeigt auf Spundwände an der Havel: „Man sieht einfach wirklich an der Stelle, wie das Wasser schon heruntergegangen ist“, sagt Müller. „Das ist ein gutes Bild für diejenigen, die sagen: 'Mensch, es ist doch alles grün.'“ Die Stadt Brandenburg an der Havel hat Eigentümern und Anliegern bis 31. August verboten, Wasser aus oberirdischen Gewässern wie Flüssen, Seen, Teichen und Gräben abzupumpen oder abzuleiten. Private Grün- und Gartenflächen dürfen nur zwischen 18 und 8 Uhr bewässert werden.Auch andere Städte und Landkreise haben über den Sommer verboten, Wasser für bestimmte Zwecke zu nutzen. In München dürfen Privatleute weder Pools füllen, Rasen sprengen noch Wasser aus Seen und Flüssen abpumpen; bei Verstößen droht ein Bußgeld von bis zu 50.000 Euro. Das gilt auch in Potsdam für Bürger, die Wasser bis zum 1. Oktober 2026 aus Seen, Flüssen und Gräben holen. „Hintergrund sind die anhaltend niedrigen Wasserstände in den Gewässern infolge langanhaltender Trockenheit“, erklärt die Stadt Potsdam, „Die Wasserdefizite können in den Wintermonaten nicht mehr vollständig ausgeglichen werden.“ Zudem verschärfe der Klimawandel die Situation, weil Temperaturen und Verdunstung steigen.
Bürgermeister Michael Müller, der an der Havel weiße Sneaker trägt, lässt die Wasserstände regelmäßig messen. „Ich stehe ja jetzt hier, wo normalerweise eigentlich Wasser ist, und Gummistiefel habe ich nicht an.“, sagt der Bürgermeister. „Auch wenn die Bäume hier alle sehr grün sind, ist der Blick trügerisch“, sagt Müller, „Man sieht es in vielen Bereichen, dass auch Bäume schon vertrocknen.“
Ausnahmen für die Stadtbäume
Damit die Eschen vor dem Rathaus die Hitze überleben, dürfen Landschaftsgärtner sie im Sommer ausnahmsweise auch tagsüber versorgen. „Die leiden schon sehr“, erklärt Landschaftsgärtnerin Andrea Kahn. „Manche Bäume muss man jede Woche wässern, damit die das überhaupt aushalten, weil einfach ganz unten im Boden teilweise keine Feuchtigkeit mehr da ist.“ Bis zu 130 Liter spritzt sie in Säcke um die Bäume, damit das Wasser über Drainagen zu den Wurzeln vordringt. Bäume und weniger versiegelte Flächen sorgten für ein angenehmeres Stadtklima, ergänzt der Bürgermeister.Sorge vor extremen Temperaturen
Auch die Kleingärtner merken, dass der Sommer sich wandelt. „Es ist unheimlich“, erzählt Ingrid Teichelmann, „Also früher hatten wir immer so 25, 26 Grad bis 27 und jetzt ist es ja schon über 30, manchmal 40 Grad.“ Ihr Mann Frank Teichelmann sieht das ähnlich. „Wärmer sollte es nicht mehr werden“, meint er und weist auf Hitzetote in Frankreich hin: „Dann haben wir hier Probleme.“Ihre Nachbarn passen sich an. Salat, Schlangengurken und Tomaten halten der Hitze im Garten nicht stand – selbst im Gewächshaus. „Es funktioniert nicht, weil der Klimawandel sich geändert hat und das eigentlich viel zu heiß ist“, sagt Jutta Jachmann. „Wenn heiß, dann ist es richtig heiß. Dann ist es wie durchgekocht. Und wer das liebt, ist der Wein.“ Ihre Weinreben sind widerstandsfähiger gegen die Trockenheit. „Das geht jetzt richtig gut los. Hier ist überall immer welcher zwischen“, erzählt die Kleingärtnerin, während sie durch ihre Weinreben schaut. „Aber das ist jetzt das erste Jahr. Na, mal schauen, wie das wird.“