Sorge in Italien: Kraftstoffpreise steigen drastisch
In Italien steigen die Preise für Benzin und Diesel massiv an. Während Verbraucherschützer vor enormen Mehrbelastungen warnen, fordert die Opposition schnelles Handeln von der Regierung.
Bei den Preisen fahr ich lieber mit dem Fahrrad. Schont auch den Deich.
— Rocky, Chefkolumnist
Illustration: KI-generiert
In Italien sorgen drastisch steigende Preise für Benzin und Diesel für wachsende Besorgnis bei Verbrauchern und Politikern. Während an einzelnen Tankstellen bereits Preise von über 2,60 Euro pro Liter registriert wurden, warnt die Opposition vor einer neuen Wirtschaftskrise. Die Regierung unter Ministerpräsidentin Giorgia Meloni prüft nun steuerliche Entlastungen, um dem Preisschock entgegenzuwirken. Seit dem 3. Juli steigen die Kraftstoffpreise in Italien kontinuierlich an. An diesem Tag lief der staatliche Rabatt auf die Verbrauchsteuern aus, der ursprünglich nach dem Ausbruch des Krieges zwischen den USA und dem Iran zur Bewältigung der Preisnotlage eingeführt worden war. Wie Euronews berichtet, meldete eine Tankstelle im Zentrum von Mailand am Samstag einen Benzinpreis von 2,6 Euro pro Liter. Laut Daten der Beobachtungsstelle für Kraftstoffpreise lag der durchschnittliche Selbstbedienungspreis im landesweiten Straßennetz zuletzt bei 1,981 Euro pro Liter Benzin und 2,184 Euro pro Liter Diesel. Auf den Autobahnen betrug der durchschnittliche Selbstbedienungspreis 2,071 Euro für Benzin und 2,255 Euro für Diesel. Lokale Quellen registrierten auf Strecken wie der A21 Turin–Piacenza, der A4 Venedig–Triest, der Brenner-Autobahn A22 sowie auf den Strecken Mailand–Brescia und Messina–Palermo sogar Dieselpreise von über 2,7 Euro und Benzinpreise von 2,5 Euro pro Liter. In Rom verlangten mehrere Tankstellen bis zu 2,3 Euro pro Liter Benzin.
Verbraucherschützer schlagen Alarm
Angesichts dieser Entwicklung warnen Verbraucherverbände vor massiven finanziellen Belastungen für die Bürger. Nach Berechnungen der Organisation Codacons werden die Kraftstoffausgaben der Italiener die Summe von 10,8 Milliarden Euro erreichen, was fast zwei Milliarden Euro mehr als im Jahr 2025 entspricht. „Der Vergleich mit dem vergangenen Jahr ist unerbittlich: Bei unverändertem Verbrauch und unter Berücksichtigung des durchschnittlichen Monatspreises für Kraftstoffe im Juli 2025 werden die Italiener bis Monatsende die stolze Summe von 841 Millionen Euro mehr allein für Benzin und Diesel ausgeben als im gleichen Zeitraum 2025“, erklärte die Organisation in einer am Samstag veröffentlichten Mitteilung. Zudem berechnete das Forschungsbüro der Cgia von Mestre, dass Haushalte und Unternehmen im Jahr 2026 fast 29 Milliarden Euro an zusätzlichen Kosten für Strom, Gas und Kraftstoffe tragen müssen. Benzin und Diesel verzeichnen dabei mit Mehrausgaben von 13,6 Milliarden Euro den größten Anstieg, was einem Plus von 20,4 Prozent gegenüber 2025 entspricht.
Regierung prüft flexible Verbrauchsteuern
Um die Belastung zu senken, zieht das Kabinett die Einführung flexibler Verbrauchsteuern in Betracht. Minister für Unternehmen und Made in Italy Adolfo Urso erklärte in einem Interview mit dem "Corriere della Sera": „Um dieses System zu aktivieren, müssen wir jedoch zunächst die Berechnungen des Wirtschafts- und Finanzministeriums zum zusätzlichen Mehrwertsteueraufkommen des Monats abwarten, die erst in der kommenden Woche vorliegen und den Umfang einer möglichen Senkung bestimmen werden“. Urso fügte hinzu: „Mit den zusätzlichen Mehrwertsteuereinnahmen lässt sich die Senkung der Verbrauchsteuer finanzieren, während für andere mögliche Maßnahmen zusätzliche Deckungsmittel gefunden werden müssten“. Der Minister verteidigte zudem die staatlichen Maßnahmen gegen Spekulationen und betonte, dass das italienische Preisüberwachungsmodell international als Vorbild diene.
Scharfe Kritik der Opposition
Die Opposition fordert hingegen sofortige und weitreichendere Schritte. Vorsitzende der Demokratischen Partei Elly Schlein kritisierte die Regierung deutlich: „Jetzt sollte Meloni zumindest unseren Vorschlag zu flexiblen Verbrauchsteuern annehmen, der eine sofortige Senkung der Preise für Benzin und Diesel ermöglicht würde. Wer einst sogar versprach, die Verbrauchsteuern abzuschaffen, wie kann er sich heute gegen diese Maßnahme stellen?“. Auch Parteichef der Fünf-Sterne-Bewegung Giuseppe Conte fand in den sozialen Netzwerken deutliche Worte: „Hier brauchen wir ernsthafte Maßnahmen, und es ist höchste Zeit zu handeln und zu investieren, um Familien und Unternehmen zu schützen: Wann holen wir uns die Gewinne aus Überprofiten der Banken, der Energiekonzerne und der Waffenindustrie? Wann greifen wir auf die Zusatzeinnahmen des Staates durch die verschiedenen Preissteigerungen und die absurden Ausgaben für Wiederbewaffnung zurück? Wann ziehen wir nach Europa, um massive Investitionen in eine Strategie zur industriellen und energetischen Wiederbelebung einzufordern, wie wir es in der Pandemie mit dem Pnrr getan haben? Das Land muss wieder auf die Beine kommen und den Bürgern Luft zum Atmen geben. Schluss mit dem Nichtstun“.
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