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Serienfertigung gegen Wohnungsnot: Kann der 3D-Druck den Bau beschleunigen?

Angesichts des historischen Mangels an Wohnraum setzen Bauunternehmen zunehmend auf Gebäude aus dem 3D-Drucker. Erste serielle Projekte in Deutschland und Frankreich zeigen das Potenzial der Technologie.

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Häuser aus dem Drucker? Solange mein Fischbrötchen frisch bleibt, soll mir das recht sein. — Rocky, Chefkolumnist
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Angesichts des massiven Wohnungsmangels in Deutschland setzen immer mehr Unternehmen auf den 3D-Druck von Gebäuden als serielle Lösung. Neue Projekte in Heidelberg und im französischen Bezannes zeigen, dass die Technologie das Potenzial hat, den Wohnungsbau deutlich zu beschleunigen und Kosten zu senken. Experten sehen in standardisierten Konzepten und materialsparenden Bauweisen den Schlüssel für eine breite Anwendung.
Die Zahlen zur Wohnungsnot sind alarmierend. Laut dem "Sozialen Wohn-Monitor 2026" fehlten Ende 2024 in Deutschland rund 1,4 Millionen Wohnungen, was ein Allzeithoch darstellt. Besonders junge Menschen, Senioren und Menschen mit Behinderung drohen aus den Städten verdrängt zu werden. Gleichzeitig bremst die Baukonjunktur deutlich ab: Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes wurden im Jahr 2024 nur rund 251.900 Wohnungen fertiggestellt, was einem Rückgang von 14,4 Prozent im Vergleich zum Vorjahr entspricht. Fachkräftemangel, explodierende Baukosten und komplizierte Genehmigungsverfahren erschweren die Lage zusätzlich.

Vom ersten Einfamilienhaus zum seriellen Wohnungsbau

Als Pionierprojekt gilt das erste komplett 3D-gedruckte Wohnhaus Deutschlands im nordrhein-westfälischen Beckum, das zwischen 2020 und 2021 entstand. Das Team um Architekt Alexander Hoffmann vom Planungsbüro Mense-Korte (heute Korte Hoffmann) errichtete in 100 Stunden reiner Druckzeit ein zweigeschossiges Einfamilienhaus mit rund 160 Quadratmetern Wohnfläche. Die Gesamtfertigstellung dauerte rund acht Monate. An die Anfänge, die nicht immer leicht waren, erinnert sich Hoffmann, wie Euronews berichtet: "Die Entwicklung ist nicht so steil nach oben gegangen, wie wir uns das erhofft haben." Nach dem Wohnhaus in Beckum folgte 2023 das "Wavehouse" in Heidelberg, ein Serverhotel mit wellenförmiger Fassade, das als technische Machbarkeitsstudie diente.
Um dem Mangel an bezahlbarem Wohnraum zu begegnen, entstand schließlich das Konzept "DREIHAUS" – das erste serielle, dreigeschossige Wohngebäude aus dem 3D-Drucker. In Heidelberg druckt der Anbieter für 3D-Drucklösungen PERI 3D Construction gemeinsam mit Korte-Hoffmann und weiteren Beteiligten drei Mehrfamilienhäuser mit insgesamt 21 Wohneinheiten für gewerbliches Wohnen. Das Projekt soll 30 Prozent schneller und 10 Prozent günstiger als ein klassischer Rohbau sein, bei einer Druckzeit von nur 14 bis 26 Tagen pro Haus. Geschäftsführer von PERI 3D Construction Dr. Fabian Meyer-Brötz betont: "Im Fokus steht nicht mehr nur die 3D-Drucktechnologie selbst, sondern ein vollständig durchgeplantes, standardisiertes und reproduzierbares Gebäudekonzept." Allerdings bleibe Bauen stets lokal, da beispielsweise ein Sanitärbetrieb in Heidelberg andere Ansprüche an Badezimmer habe als ein Betrieb in 200 Kilometern Entfernung.

Erfolge in Frankreich und Materialersparnis

Auch im Ausland gewinnt die Technologie an Fahrt. Im nordfranzösischen Bezannes bei Reims wurde im April 2026 mit "ViliaSprint²" das bislang größte 3D-gedruckte Mehrfamilienhaus Europas eingeweiht. Der dreigeschossige Bau bietet zwölf Sozialwohnungen auf rund 800 Quadratmetern Wohnfläche. Es ist das erste Gebäude in Frankreich, bei dem die tragende Struktur und alle Wände direkt vor Ort gedruckt wurden. Die Druckphase dauerte 34 statt der geplanten 50 Tage, und die Baustelle wurde in 12 statt 15 Monaten fertiggestellt. Zudem waren weniger Fachkräfte erforderlich. Ein Nachfolgeprojekt mit rund 40 Wohnungen und zwei gleichzeitig eingesetzten Druckern ist bereits in Planung.
Neben dem geringeren Personalbedarf bietet das Verfahren erhebliche Materialeinsparungen. Bauingenieur Prof. Dr. Harald Kloft, Professor an der Technischen Universität Braunschweig und Leiter des Instituts für Tragwerksentwurf sowie Sprecher des DFG-Sonderforschungsbereiches TRR 277 Additive Fertigung im Bauwesen, erklärt: "Man spart bis zu 50 Prozent Material". Da die Maschine nur einzelne Bahnen druckt, entstehen Hohlräume, die für Haustechnik oder Dämmung genutzt werden können. Zudem ermöglichen geschwungene Formen statische Vorteile. Eine gekrümmte Wand mit einer Stärke von 15 Zentimetern kann so stabil sein wie eine gerade Wand von 40 Zentimetern. "Das ist nicht nur Design, sondern im Grunde Leichtbauprinzip", so Kloft. Bei der CO2-Bilanz wird es jedoch komplizierter, da die Nachhaltigkeit eine Preisfrage bleibt.

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