Drei-Meere-Initiative gründet Wirtschaftsrat in Warschau
Die Drei-Meere-Initiative stärkt ihre wirtschaftliche Zusammenarbeit durch die offizielle Eröffnung des neuen Drei-Meere-Wirtschaftsrates in Warschau. Die Plattform soll die Infrastruktur und die wirtschaftlichen Beziehungen zwischen der Ostsee, der Adria und dem Schwarzen Meer ausbauen.
Die Idee einer Zusammenarbeit entlang der europäischen Nord-Süd-Achse entstand bereits vor dem Zweiten Weltkrieg, wurde jedoch erst im Jahr 2015 durch eine Initiative der damaligen Präsidenten Kroatiens und Polens, Kolinda Grabar-Kitarović und Andrzej Duda, wiederbelebt. Ein Jahr später fand in Dubrovnik das erste Gipfeltreffen der Drei-Meere-Initiative statt. Heute umfasst das Bündnis neben Polen und Kroatien 13 Länder: Österreich, Tschechien, Bulgarien, Estland, Griechenland, Litauen, Lettland, Rumänien, die Slowakei, Slowenien und Ungarn. Zudem gibt es zehn strategische Partner, darunter Deutschland, die Vereinigten Staaten, die Türkei und Japan, sowie die Europäische Kommission. Politischen Schutzschirm erhielt das Projekt insbesondere durch die Unterstützung der Trump-Regierung in deren erster Amtszeit.
Infrastruktur und wirtschaftliche Zusammenarbeit
Neben der politischen Dimension, die auf geteilten historischen Erfahrungen und ähnlichen Risikobewertungen beruht, steht der Ausbau der Infrastruktur im Fokus. Geplant ist die Entwicklung von Transportkorridoren auf Schiene und Straße zwischen dem Norden und Süden Europas. Auf dieser Grundlage hat der Drei-Meere-Wirtschaftsrat, der Three Seas Business Council (TSBC), seine Arbeit aufgenommen und am Freitag sein Büro in Warschau eröffnet. Initiiert wurde der Rat von ehemaligen Vorstandsvorsitzenden der polnischen staatlichen Entwicklungsbank, Beata Daszyńska-Muzyczka und Paweł Nierada."Kurz gesagt ist der TSBC eine unabhängige Geschäftsplattform, die einen Investitions- und Business-Hub für die Entwicklung von Projekten und Wirtschaftsbeziehungen in der Drei-Meere-Region schafft. Unser Ziel ist es, Unternehmen innerhalb der Drei-Meere-Region zu vernetzen – und sie mit Partnern aus strategischen und assoziierten Staaten zusammenzubringen", erläutert Daszyńska-Muzyczka im Gespräch mit Euronews.
Enormes Wachstumspotenzial und Kapitalbedarf
In den Ländern der Initiative leben rund 121 Millionen Menschen. Das Wirtschaftswachstum der Region ist doppelt so hoch wie das in Westeuropa. "Alle diese Staaten befinden sich auf einem guten Wachstumspfad und bieten zugleich attraktive Renditen auf das eingesetzte Kapital, um es im Bankjargon zu sagen", erklärt Daszyńska-Muzyczka. Ein Beispiel hierfür ist der von den TSBC-Gründern initiierte Drei-Meere-Fonds. "Der Fonds hat die Investitionsmöglichkeiten der Region aufgezeigt und Kapitalrenditen zwischen 14 und 17 Prozent erwirtschaftet", rechnet Daszyńska-Muzyczka vor.Trotz des Potenzials stehen die Staaten vor großen Herausforderungen. Experten schätzen die Infrastruktur-Lücke in den Bereichen Energie, Digitalisierung und Logistik auf rund 650 Milliarden Euro. Dennoch entspricht die Summe des Bruttoinlandsprodukts aller Mitgliedstaaten einer Volkswirtschaft auf Platz sieben weltweit. Die Mitgliedschaft im EU-Binnenmarkt begünstigt das Wachstum zusätzlich.
"Um dieses Potenzial vollständig zu nutzen, braucht es eine zentrale Anlaufstelle. Der TSBC übernimmt genau diese Funktion. Er bündelt Wissen, Erfahrung und Kompetenz zur Drei-Meere-Initiative und ihrem wirtschaftlichen Potenzial. Als Institution verknüpft er die Zusammenarbeit von Unternehmen, Investorinnen und Investoren, Thinktanks und politischen Entscheidungsträgern", fasst Daszyńska-Muzyczka zusammen. Bei der Eröffnung des Büros in Warschau waren neben Vertretern der Botschaften der USA und Japans auch hochrangige Politiker, Medien, Thinktanks sowie Polens Ex-Präsident Duda anwesend.