Brandrisiko bei Solaranlagen im Fokus: Wie sicher ist Photovoltaik auf dem Dach?
Nach Bränden an öffentlichen Gebäuden in England rückt das Brandrisiko von Solaranlagen in den Fokus. Experten und Statistiken zeigen jedoch, dass das Risiko bei fachgerechter Installation und Wartung äußerst gering bleibt.
Nach einem schweren Brand in einem englischen Krankenhaus stehen Solarmodule als mutmaßliche Ursache im Fokus der Aufmerksamkeit. Obwohl solche Vorfälle Besorgnis erregen, weisen statistische Daten darauf hin, dass das tatsächliche Brandrisiko von Photovoltaikanlagen äußerst gering ist. Experten betonen, dass vor allem Installationsfehler und mangelhafte Komponenten Gefahrenquellen darstellen. Am 8. Juli stand die Springwood-Station im Malton Hospital in North Yorkshire in England in Flammen. Die örtliche Feuerwehr berichtete, dass das Gebäude bei ihrem Eintreffen vollständig vom Feuer erfasst war. Alle fünfzehn Patientinnen und Patienten konnten die Station rechtzeitig verlassen, sodass es keine Verletzten gab. Ein ausführlicher Untersuchungsbericht zu dem Brand, bei dem Solarmodule als wahrscheinliche Ursache gelten, soll in den kommenden Wochen vorliegen. Dieser Vorfall reiht sich in drei ähnliche Brände an Grundschulen in England in den vergangenen zwölf Monaten ein, wie Euronews berichtet. Dort machten die Behörden jeweils die Solarmodule verantwortlich, woraufhin rund 80 Schulen in der Grafschaft Suffolk ihre Solaranlagen aus Vorsicht abschalteten. Der Bezirksrat betont jedoch, dass die Brände an den Grundschulen vermutlich jeweils unterschiedliche Ursachen hatten und nicht auf einen generellen Defekt der Module zurückgehen.
Geringes statistisches Risiko im europäischen Vergleich
Trotz der jüngsten Vorfälle bleibt das Risiko je Anlage laut vorliegenden Daten sehr gering. Nach Angaben von Eurostat stammten im Jahr 2024 47,5 Prozent des Stromverbrauchs in der EU aus erneuerbaren Energien, wovon 23,4 Prozent auf Solarstrom aus Photovoltaik entfielen. Zahlen des niederländischen Forschungsinstituts TNO zeigen, dass zwischen 2015 und 2018 nur 27 Brände in Gebäuden mit Photovoltaikanlagen registriert wurden, wovon 23 Fälle Wohnhäuser betrafen. Angesichts von 170.000 im Jahr 2018 neu installierten PV-Anlagen auf Wohngebäuden in den Niederlanden lag der Anteil der betroffenen Häuser bei weniger als 0,014 Prozent. Das deutsche Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme (ISE) kam für die Jahre 1993 bis 2013 zu dem Ergebnis, dass 0,006 Prozent der PV-Anlagen einen Brand mit größeren Schäden ausgelöst haben. Von insgesamt 1,3 Millionen Solarstromanlagen in Deutschland waren im Jahr 2013 350 in Brände verwickelt, wobei in 120 Fällen die Anlage selbst als eigentliche Brandursache galt. Eine im vergangenen Monat in der Fachzeitschrift Science Direct veröffentlichte Studie wertete nationale Statistiken aus vier europäischen Ländern aus. Demnach liegt die Zahl der Vorfälle pro 100.000 Installationen im Vereinigten Königreich, in Italien und Schweden bei etwa 5 bis 22, in Slowenien bei 75. „Diese Unterschiede hängen wahrscheinlich mit den jeweils unterschiedlichen Methoden der Datenerhebung und den Einschlusskriterien in den einzelnen Ländern zusammen“, heißt es in dem Bericht. Die Forschenden stellten fest, dass rund 68 Prozent der Brände auf die PV-Anlage selbst begrenzt blieben. 24 Prozent beschädigten angrenzende Flächen wie das Dach, in fahr fünf Prozent der Fälle breitete sich das Feuer deutlich aus, und eine vollständige Zerstörung des Gebäudes trat nur in drei Prozent der registrierten Brände auf.
Ursachen und strenge Sicherheitsvorgaben
Nach Angaben der Europäischen Kommission treten Brände durch Solarmodule „deutlich seltener“ auf als bei vielen üblichen Haushaltsgeräten. „Wenn es zu Problemen kommt, stehen sie meist im Zusammenhang mit mangelhafter Installation oder fehlerhaften Komponenten, nicht mit der Solartechnik an sich“, ergänzt die Kommission. In ganz Europa gelten strenge Sicherheitsvorgaben für Solaranlagen. Alle Module müssen anspruchsvolle technische Anforderungen erfüllen. „Damit Systeme fachgerecht installiert werden, müssen die EU-Staaten gemäß der Erneuerbaren-Richtlinie Zertifizierungsprogramme oder gleichwertige Regelungen für Installateurinnen und Installateure sowie Planende von Photovoltaikanlagen vorhalten“, so die Kommission. „Diese Programme umfassen Schulungen und öffentlich einsehbare Listen zertifizierter Fachbetriebe.“
Maßnahmen zur Senkung des Brandrisikos
Jedes System, das Sonnenenergie einfängt, bringt ein gewisses Brandrisiko mit sich, was besonders für ältere, schlecht gewartete Installationen gilt. Um das Risiko zu reduzieren, sollten Eigentümerinnen und Eigentümer ausschließlich zertifizierte Fachbetriebe beauftragen und keine Eigenmontage auf dem Dach versuchen. An der Wand montierte Wechselrichter sollten fest auf nicht brennbaren Flächen befestigt werden und Abstand zu lagernden Materialien oder herumliegenden Gegenständen haben. Zudem werden regelmäßige Kontrollen durch Fachleute empfohlen, die die Anlage alle paar Jahre prüfen und warten. Nach extremen Wetterereignissen wie starken Stürmen empfiehlt sich eine zusätzliche Sichtprüfung, um sicherzugehen, dass sich keine Teile gelockert oder verschoben haben.
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