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Ernährungsexperten dämpfen Erwartungen an High-Protein-Produkte

Der Markt für eiweißreiche Lebensmittel boomt in Deutschland. Ernährungswissenschaftler betonen jedoch, dass eine Extraportion Protein für gesunde Menschen meist überflüssig und teuer ist.

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High Protein? Früher hieß das einfach Krabbenbrötchen. Schmeckt auch besser. — Rocky, Chefkolumnist
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Der Markt für proteinreiche Lebensmittel verzeichnet in Deutschland ein starkes Wachstum, getrieben vom Wunsch der Konsumenten nach einer gesunden Ernährung. Ernährungswissenschaftler weisen jedoch darauf hin, dass zusätzliche Proteinprodukte für die meisten Menschen keinen gesundheitlichen Nutzen haben und herkömmliche Lebensmittel völlig ausreichen. Zudem sind die beworbenen Spezialprodukte meist deutlich teurer als normale Lebensmittel.
Im vergangenen Jahr erschien der Ernährungsreport des Bundesministeriums für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat zum zehnten Mal. Er zeigt, dass für die Verbraucher neben dem Geschmack vor allem die Gesundheit eine zentrale Rolle bei der Lebensmittelwahl spielt. Laut einer Ipsos-Studie ist für 74 Prozent der Deutschen eine gute Ernährung der wichtigste Faktor, um gesund zu bleiben. Die Lebensmittelindustrie nutzt dieses Bedürfnis und bewirbt Protein zunehmend als Alleskönner, sodass mittlerweile in fast jeder Produktkategorie High-Protein-Produkte zu finden sind.

Kein gesundheitlicher Nutzen durch Extra-Protein

Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung stellte bereits 2021 fest, dass eine Extraportion Protein keinen gesundheitlichen Nutzen bringt. „Aus ernährungsphysiologischer Sicht sind High-Protein-Produkte überflüssig. Wer die Vielfalt herkömmlicher Lebensmittel nutzt, bekommt genug Protein und spart sich das Geld für die meist teureren Produkte“, erklärte damals Pressesprecherin der Deutschen Gesellschaft für Ernährung Antje Gahl. Auch heute bleibt sie skeptisch gegenüber den Versprechen der Hersteller. „In gewisser Hinsicht entsteht ja schon fast ein gesellschaftlicher Druck, wenn immer alle sagen, man muss mehr Protein essen“, erklärt sie im Interview, wie Euronews berichtet.

Wissenschaftliche Zweifel am Eiweiß-Hype

Die Nachfrage nach High-Protein-Produkten wuchs laut YouGov-Daten bis Mai 2026 um 39,1 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Besonders jüngere Generationen greifen zu diesen Produkten: Drei Viertel der Generation Z und rund drei von fünf Millennials kaufen gezielt proteinreiche Lebensmittel. Wie profitabel dieser Trend ist, zeigt die Unternehmensgruppe The Quality Group aus Elmshorn, die im ersten Halbjahr 2026 einen Umsatz von 850 Millionen Euro erzielte. Aus wissenschaftlicher Sicht ist dieser Hype jedoch unbegründet. Gahl betont: „Der Protein-Hype ist aus unserer Sicht völlig überbewertet, weil rein wissenschaftlich ist es nicht bewiesen, dass uns viel mehr Protein in irgendeiner Weise besondere Vorteile bringt. Wer sich ausgewogen ernährt, braucht auch keine Extraportion Protein“. Die Deutschen liegen mit ihrer täglichen Proteinzufuhr bereits deutlich über den Empfehlungen.

Mögliche Risiken bei Überversorgung

Eine dauerhafte Überschreitung von zwei Gramm Protein pro Kilogramm Körpergewicht kann die Nierenfunktion beeinflussen. Ernährungswissenschaftlerin Dorothee Volkert vom Institut für Biomedizin des Alterns der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg erklärt hierzu: „Eiweiß ist relativ unproblematisch für gesunde Menschen. Denn alles, was zu viel aufgenommen wird, wird in Form von Harnstoff über die Niere wieder ausgeschieden“. Im fortgeschrittenen Alter, wenn die Nierenfunktion ohnehin oft eingeschränkt ist, kann eine dauerhaft überhöhte Zufuhr jedoch zu Problemen führen. Zwar benötigen ältere Menschen mehr Eiweiß, um dem Muskelabbau entgegenzuwirken, doch Volkert dämpft übertriebene Erwartungen an High-Protein-Produkte ohne körperliche Aktivität. Zudem warnt Gahl, dass Anbieter den Proteingehalt oft auf die gesamte Packung statt auf eine Portion beziehen, und ein Marktcheck der Verbraucherzentrale zeigt, dass Proteinprodukte nicht automatisch gesünder sind.

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