Ein Monat nach dem schweren Erdbeben in Venezuela: Milliarden-Schäden und Tausende Opfer
Vier Wochen nach dem verheerenden Doppelerdbeben in Venezuela liegt eine erste Bilanz vor. Während die Zahl der Todesopfer steigt, wird über die tatsächliche Zahl der Vermissten gestritten.
Einen Monat nach dem schweren seismischen Doppelschlag im Norden Venezuelas ist das Ausmaß der Katastrophe weiterhin verheerend. Offiziellen Angaben zufolge forderte das Unglück in der Nacht zum 24. Juni mehr als 5.500 Todesopfer und hinterließ Schäden in Milliardenhöhe. Während die Rettungsarbeiten abgeschlossen sind, beginnt für das politisch instabile Land der langwierige Wiederaufbau. In der Nacht zum 24. Juni erschütterten zwei Erdbeben der Stärken 7,2 und 7,5 den Norden des Landes innerhalb von nur 39 Sekunden. Die Behörden sprachen von einem seltenen seismischen Doppelschlag, der sich zur schlimmsten Naturkatastrophe Venezuelas seit über einem Jahrhundert entwickelte. Wie Euronews berichtet, bewegen sich die Opferzahlen einen Monat nach dem Beben weiter nach oben, wenn auch langsamer als zu Beginn.
Steigende Opferzahlen und Unklarheit über Vermisste
Präsident der Nationalversammlung Jorge Rodríguez gab am vergangenen Freitag den jüngsten offiziellen Stand von 5.546 Todesopfern und 16.740 Verletzten bekannt. Während die Zahl der Verletzten seit Wochen nahezu unverändert bleibt, steigt die Zahl der Toten durch die fortschreitende Trümmerräumung und Identifizierung weiter an. Viele Opfer wurden zunächst unerkannt in Gräbern in La Guaira beigesetzt. Unklarheit herrscht über die Zahl der Vermissten: Seit dem 25. Juni meldeten die Behörden keine neuen Zahlen zu den damals registrierten 157 Vermissten. Die Bürgerinitiative „Desaparecidos del Terremoto de Venezuela“ führt hingegen ein eigenes Register mit rund 29.500 Personen, deren Verbleib unbekannt ist.
Milliardenschäden und obdachlose Familien
Neben den personellen Verlusten entstanden enorme wirtschaftliche Schäden. Ein Bericht der Weltbank bezifferte die direkten physischen Schäden in der vergangenen Woche auf rund 19,6 Milliarden US-Dollar. Davon entfallen 9,3 Milliarden Dollar auf zerstörte oder beschädigte Wohnungen, 5,2 Milliarden Dollar auf die öffentliche Infrastruktur wie Schulen und Krankenhäuser sowie fast 5 Milliarden Dollar auf gewerbliche Gebäude. Nach offiziellen Angaben wurden 856 Gebäude beschädigt, wovon 190 vollständig eingestürzt sind. Insgesamt 17.907 Familien sind wohnungslos, und 23.122 Menschen leben weiterhin in 107 provisorischen Lagern in Caracas und La Guaira. Bislang erhielten 128.324 Familien staatliche Unterstützung. Zudem erschweren 1.405 registrierte Nachbeben die Arbeiten an den geschwächten Gebäuden.
Politischer Übergang erschwert den Wiederaufbau
Der Alltag kehrt nur mühsam zurück. Die Stromversorgung in Teilen von La Guaira wurde zwar nach zwei Wochen wiederhergestellt, doch das ohnehin geschwächte Gesundheitssystem wird weiterhin durch mobile Kliniken von Ärzte ohne Grenzen unterstützt. Die Katastrophe trifft das Land in einer politisch sensiblen Phase des Übergangs nach der Festnahme des früheren Präsidenten Nicolás Maduro zu Jahresbeginn. Derzeit steht Delcy Rodríguez an der Spitze einer Übergangsregierung, die bislang keinen Termin für Neuwahlen festgelegt hat. Für das Tempo des Wiederaufbaus wird der Umgang mit internationaler Hilfe, etwa aus Israel, sowie die mit Unterstützung der USA angestrebte Entsperrung venezolanischer Vermögenswerte als entscheidend angesehen.
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