Polens Staatsschulden steigen im EU-Vergleich rasant an
Die Verschuldung des polnischen Staatsschatzes hat im Mai die Marke von 2,13 Billionen Zloty überschritten. Damit gehört das Land beim Schuldenwachstum derzeit zur Spitze in der Europäischen Union.
Viel Zloty, viel Schulden. Hauptsache, der Kutter säuft am Ende nicht ab.
— Rocky, Chefkolumnist
Illustration: KI-generiert
Polens Staatsschulden wachsen in einem hohen Tempo und haben Ende Mai die Marke von 2,13 Billionen Zloty überschritten. Trotz dieses starken Zuwachses liegt die Schuldenquote des Landes weiterhin deutlich unter dem Durchschnitt der Europäischen Union. Haupttreiber dieser Entwicklung sind die beispiellosen Kreditbedürfnisse des Staatshaushalts zur Finanzierung des Defizits. Wie Euronews berichtet, stiegen die Schulden des Staatsschatzes seit Jahresbeginn um fast 184 Milliarden Zloty (42,47 Milliarden Euro). Vorläufige Schätzungen des Finanzministeriums zeigen, dass der Schuldenstand im Juni um weitere 53,7 Milliarden Zloty (12,4 Milliarden Euro) kletterte und inzwischen fast 2,19 Billionen Zloty (505 Millionen Euro) erreicht.
Polen bei Schuldenwachstum im EU-Spitzenfeld
Aus Eurostat-Daten zum Ende des ersten Quartals geht hervor, dass die Schuldenquote des Sektors Staat und Kommunen in Polen binnen eines Jahres um vier Komma einen halben Prozentpunkt (vier Komma fünf Prozentpunkte) gestiegen ist. Das ist der dritthöchste Wert in der Europäischen Union. Stärker erhöhten sich die Quoten nur in Finnland, um fünf Komma fünf Prozentpunkte, und in Bulgarien, um vier Komma acht Prozentpunkte.
Trotzdem liegt Polens Schuldenstand klar unter dem EU-Durchschnitt. Ende des ersten Quartals 2026 belief sich die Staatsschuldenquote auf 61,6 Prozent des BIP; im EU-Schnitt waren es rund 82,9 Prozent. Zum Vergleich: Griechenland kommt auf mehr als 143,5 Prozent des BIP, Italien auf etwa 138,9 Prozent, Frankreich auf über 117,6 Prozent. Der nach Eurostat-Definition gemessene öffentliche Schuldenstand Polens hat damit die Marke von 60 Prozent überschritten. Nach der polnischen Verfassung müsste die Regierung in einem solchen Fall eigentlich deutlich sparen.
Details zur Verschuldung des Staatsschatzes
Noch aussagekräftiger sind die Zahlen des Finanzministeriums zum Schuldenstand des Staatsschatzes. Er entspricht nicht exakt der EU-Definition der öffentlichen Schulden, bildet aber den wichtigsten Teil davon. Ende Mai 2026 belief sich die Verschuldung des Staatsschatzes auf 2,135 Billionen Zloty (492 Milliarden Euro). Allein im Mai stieg sie um 46,8 Milliarden Zloty (10,8 Milliarden Euro). Seit Jahresbeginn nahm sie um 183,7 Milliarden (42,4 Milliarden Euro) Zloty zu, das entspricht einem Plus von neun Komma vier Prozent.
Nach vorläufigen Schätzungen des Finanzressorts erreichte der Schuldenstand Ende Juni bereits rund 2,189 Billionen Zloty (505,28 Milliarden Euro). Das bedeutet einen weiteren monatlichen Anstieg von mehr als 53 Milliarden Zloty (12,23 Milliarden Euro). Der wichtigste Treiber waren die Kreditbedürfnisse des Staatshaushalts. Sie ergeben sich aus dem hohen Defizit und aus dem Aufbau zusätzlicher Mittel auf den Haushaltskonten. Das Volumen der diesjährigen Anleiheemissionen ist beispiellos. Das Finanzministerium will 2026 rund 138,6 Milliarden Zloty (31,99 Milliarden Euro) an neuer Nettofinanzierung einwerben. Das wäre der höchste Wert in der Geschichte der polnischen Staatsfinanzen. Der enorme Finanzbedarf folgt vor allem aus dem Rekorddefizit im Staatshaushalt und aus der Notwendigkeit, frühere Anleihen zu refinanzieren. Viele Emissionen erfolgen mit Vorlauf, um die Zahlungsfähigkeit des Staates zu sichern und das Risiko eines möglichen Stresses an den Finanzmärkten zu begrenzen.
Inländische Gläubiger dominieren die Schuldenstruktur
Die Struktur der Schulden zeigt, dass Polen sich vor allem im Inland finanziert. Ende Mai entfielen rund 80 Prozent der Schulden des Staatsschatzes auf inländische Verbindlichkeiten. Knapp 20 Prozent waren Auslandsschulden. Größte Gläubiger bleiben die heimischen Banken und der inländische Nichtbankensektor. Knapp 29 Prozent der Schulden liegen jedoch in den Händen ausländischer Investoren. Das Finanzministerium betont, dass der Anteil der Schulden in Fremdwährungen unter 20 Prozent bleibt und damit deutlich unter dem strategischen Limit von 25 Prozent liegt. Diese Struktur mindert das Risiko von Wechselkursschwankungen.
Ein steigender Schuldenstand signalisiert nicht automatisch eine Verschlechterung der öffentlichen Finanzen. Entscheidend sind das Wirtschaftswachstum, die Höhe des Defizits und die Kosten des Schuldendienstes. Derzeit liegt Polen beim Schuldenstand noch unter dem EU-Durchschnitt. Gleichzeitig zählt das Land beim Schuldenzuwachs zu den Spitzenreitern der Union. Ökonomen warnen: Bleibt das Defizit länger hoch und verliert die Wirtschaft an Dynamik, schrumpft der Spielraum für zusätzliche Staatsausgaben Schritt für Schritt.
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