Nach tödlichen Zusammenstößen: Netanjahu ordnet Maßnahmen im Westjordanland an
Nach einem tödlichen Vorfall im Westjordanland hat der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu die Armee zu entschlossenen Maßnahmen angewiesen. Bei den Zusammenstößen kamen mehrere Menschen ums Leben.
Anweisungen des Ministerpräsidenten
Zu den Anweisungen Netanjahus gehört die Zerstörung des Hauses des Attentäters, der den morgendlichen Angriff verübt hat, sowie energische Einsätze in Dörfern, die als Zentren des Terrorismus gelten. Zudem soll die Armee in ganz Judäa und Samaria, der israelischen Bezeichnung für das Westjordanland, verstärkt werden. Netanjahu fügte hinzu, die Streitkräfte würden "die Legalisierung bestehender Farmen und die Gründung neuer Farmen beschleunigen".Nach Angaben des palästinensischen Gesundheitsministeriums töteten israelische Kräfte am Freitag im Westjordanland vier Palästinenser, während vier weitere verletzt wurden. Auch ein israelischer Mann kam ums Leben, wie Euronews berichtet. Der Vorfall ereignete sich nach Angaben des israelischen Rettungsdienstes Magen David Adom in der Nähe des Dorfes Tell.
Unterschiedliche Darstellungen des Vorfalls
Berichte israelischer und palästinensischer Medien deuten darauf hin, dass israelische Siedler aus Havat Gilad nach Tell kamen und dort auf Einwohner trafen. Die palästinensische Nachrichtenagentur WAFA berichtete, die israelische Gruppe habe den östlichen Teil des Dorfes angegriffen und ein Geschäft, zwei Wohnhäuser sowie landwirtschaftliche Flächen in Brand gesetzt. Die Armee erklärte hingegen, die Israelis seien in der Gegend wandern gewesen. Ein palästinensischer Bewohner habe einem am Ort eingetroffenen Sicherheitsbeamten die Waffe entwendet und auf die Israelis geschossen. Auf sozialen Medien kursierende Videos zeigen offenbar die chaotische Szene, in der bewaffnete Männer auf eine Gruppe von Palästinensern zugehen, bevor einer scheinbar entwaffnet wird und Schüsse fallen. Nach Angaben der Armee töteten ihre Soldaten den Mann, der die Waffe entwendet haben soll.Hintergrund und internationale Reaktionen
Israel hält das Westjordanland seit 1967 besetzt. Seit Beginn des Kriegs im Gazastreifen, der nach den Angriffen der islamistischen Hamas am siebten Oktober 2023 ausbrach, hat die Gewalt dort deutlich zugenommen. Nach einem Bericht des Büros des UN-Hochkommissars für Menschenrechte lebten im Oktober 2024 rund 737.000 israelische Siedler im Westjordanland, einschließlich Ostjerusalem. Die israelischen Siedlungen im Westjordanland gelten nach internationalem Recht als illegal.Die Europäische Union beschloss im Mai neue Sanktionen gegen israelische Siedler und begründete dies mit der Zunahme der Gewalt im Westjordanland. Gleichzeitig kündigte der Staatenbund weitere Strafmaßnahmen gegen führende Hamas-Führungspersönlichkeiten an. EU-Außenbeauftragte Kaja Kallas erklärte damals: "Es war höchste Zeit, von Blockade zu Ergebnissen zu kommen. Extremismus und Gewalt haben Konsequenzen." Nach Angaben des palästinensischen Gesundheitsministeriums wurden im Jahr 2026 im Westjordanland 87 Palästinenser getötet.