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Kandidaten für Guterres-Nachfolge kritisieren Zustand der Vereinten Nationen

Bei der Debatte um die Nachfolge von UN-Generalsekretär António Guterres äußerten die Bewerber deutliche Kritik an der aktuellen Rolle der UN. Während einige Kandidaten mit Vermittlungserfolgen warben, bleibt die Entscheidung letztlich bei den Vetomächten.

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Viel Schnack um den Chefposten. Am Ende bestimmen doch wieder die großen Fische. — Rocky, Chefkolumnist
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Die Kandidatinnen und Kandidaten für die Nachfolge des amtierenden UN-Generalsekretärs haben bei einer Debatte in der Generalversammlung den aktuellen Zustand der Vereinten Nationen kritisiert. Mehrere Bewerber warben mit eigenen diplomatischen Erfolgen und forderten eine stärkere Rolle der Organisation in globalen Konflikten. Die endgültige Entscheidung liegt jedoch bei den Mitgliedsstaaten des UN-Sicherheitsrats, insbesondere den Vetomächten.
Der große Verlierer der Debatte war im Saal der Generalversammlung gar nicht anwesend. Amtierender UN-Generalsekretär António Guterres wurde zwar namentlich nicht erwähnt, doch alle Kandidaten für seine Nachfolge kamen zu einem ähnlich ernüchternden Urteil: Die Vereinten Nationen stehen derzeit im Abseits. Auf den Punkt brachte es Direktor der Internationalen Atomenergie-Organisation IAEA Rafael Grossi: "Die Vereinten Nationen sind an der Lösung der schwerwiegendsten Konflikte, die wir erleben, nicht beteiligt." Wobei Guterres wahrscheinlich entgegnet hätte, dass dies nicht seine Schuld sei, sondern die der Vetomächte im UN-Sicherheitsrat, die sich bei den wichtigsten Kriegen und Konflikten oft gegenseitig blockieren. Dass ein Generalsekretär oft mehr "Sekretär" als "General" ist, wollte Grossi nicht gelten lassen. Der 65-Jährige sagte, in seinem jetzigen Amt als IAEA-Chef habe er mehrfach erfolgreich Russland und die Ukraine zusammengebracht: "Wir haben bis jetzt sechs Feuerpausen vermittelt, um unverzichtbare Reparaturen am Atomkraftwerk Saporischschja durchzuführen, die einen großen Unfall verhindert haben."

Erfolgreiche Vermittlungen im Fokus

Unter den vier Kandidatinnen hinterließ Rebeca Grynspan den besten Eindruck, wie die Tagesschau berichtet. Ehemalige Vizepräsidentin von Costa Rica Grynspan ist Wirtschaftsexpertin und Generalsekretärin der UN-Konferenz für Handel und Entwicklung. Auch sie habe erfolgreich zwischen Russland und die Ukraine vermittelt, betonte Grynspan. Vor vier Jahren erreichte sie das Getreideabkommen, das eine weltweite Hungerkrise verhinderte. Als UN-Generalsekretärin werde sie sich für Frieden durch gemeinsamen Handel einsetzen und gegen Zölle und Protektionismus. Nach ihrer ersten fünfjährigen Amtszeit solle niemand mehr fragen: "Wo ist die UN?" Stattdessen wünsche sie eine UN, die "wieder mit am Tisch sitzt".Die Fragen der beiden Moderatoren und der im Saal anwesenden UN-Botschafter waren breit gestreut: Was ist zu tun, wenn eine Vetomacht blockiert? Was ist in den ersten 100 Tagen in Angriff zu nehmen? Wie kann die UN reformiert und effizienter gemacht machen?

Chancen der übrigen Bewerber

Eher blass und zu umständlich in ihren Antworten blieb die bekannteste Bewerberin: frühere Präsidentin von Chile Michelle Bachelet. Ihre Kandidatur gilt schon jetzt als aussichtslos, weil ihr Einsatz für Frauenrechte der Trump-Regierung missfällt. Auch frühere Außenministerin von Ecuador María Fernanda Espinosa und früherer Präsident von Senegal Macky Sall konnten nicht überzeugen. Bei den anwesenden UN-Mitarbeitern im Saal kam die jüngste Kandidatin am besten an: 52-jährige UN-Botschafterin aus Guyana Carolyn Rodrigues-Birkett.Am Ende ausschlaggebend sind jedoch die 15 Mitgliedsstaaten im UN-Sicherheitsrat. Erforderlich sind dort mindestens neun Ja-Stimmen. Und wichtiger noch: Keine der fünf Vetomächte darf Nein sagen. Gut möglich, dass am Ende die USA, China und Russland die Guterres-Nachfolge doch wieder unter sich ausmachen. Ebenfalls möglich ist, dass der Wunsch von Präsidentin der UN-Generalversammlung Annalena Baerbock nach der ersten Frau an der Spitze der Vereinten Nationen wieder nicht in Erfüllung geht.

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