Falschmeldung im Euronews-Design: Gefälschtes Video behauptet Ermittlungen gegen Selenskyjs Eltern
Ein im Internet kursierendes Video verbreitet gefälschte Vorwürfe über angebliche Millionen-Ermittlungen gegen die Eltern des ukrainischen Präsidenten. Die Spur führt zu einer russischen Desinformationskampagne.
Im Internet wird eben viel geschnackt, wenn der Tag lang ist.
— Rocky, Chefkolumnist
Illustration: KI-generiert
Ein im Internet verbreitetes Video, das im Design des Senders Euronews gestaltet ist, stellt falsche Behauptungen über angebliche Korruptionsermittlungen gegen die Eltern des ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj auf. Das Video ist komplett gefälscht und die darin erzählte Geschichte frei erfunden. Das ukrainische Zentrum zur Bekämpfung von Desinformation weist die Vorwürfe entschieden zurück und ordnet den Clip einer russischen Desinformationskampagne zu. In dem gefälschten Clip wird behauptet, das Nationale Antikorruptionsbüro der Ukraine (NABU) ermittle gegen die Eltern von Präsident Wolodymyr Selenskyj, weil im Jahr 2025 angeblich elf Millionen Dollar (9,6 Millionen Euro) unrechtmäßig auf ihrem Bankkonto aufgetaucht seien. Das Video nutzt das Design von „Europe Today“, der morgendlichen Livesendung von Euronews, um über diese vermeintlichen Ermittlungen zu berichten. Demnach hätten Selenskyjs Eltern das Geld als Geschenk bezeichnet – einige Beiträge behaupten, es handle sich um ein Geschenk aus Steuergeldern europäischer Bürger. Zudem wird in dem Video behauptet, die beiden seien festgenommen und kurz darauf nach Druck aus Selenskyjs Büro wieder freigelassen worden.
Fälschung durch KI-Stimme und erfundene Quellen
Tatsächlich hat Euronews dieses Video nicht produziert, wie Euronews berichtet. Die Sprecherstimme stammt eindeutig aus einer künstlichen Intelligenz (KI), und auf der Euronews-Website findet sich kein Hinweis auf eine solche Meldung. Im Clip wird zudem ein Artikel des Nachrichtenportals Ukrainska Pravda genannt, der die angeblichen Ermittlungen beschreiben soll. Einen solchen Text gibt es jedoch nicht, er ist erfunden und nirgends online zu finden.Das ukrainische Zentrum zur Bekämpfung von Desinformation, das dem Nationalen Sicherheits- und Verteidigungsrat der Ukraine untersteht, hat die Behauptungen des Videos entschieden zurückgewiesen. Die Behörde erklärte, die Geschichte sei vollständig konstruiert und gehe auf die russische Desinformationskampagne „Matrjoschka“ zurück. Diese Kampagne erstellt gezielt Falschmeldungen, die wie Berichte seriöser Medien aussehen, um ihnen einen Anschein von Glaubwürdigkeit zu verleihen.
Zielgerichtete Diskreditierung der Ukraine
„Die russische Propaganda hat wiederholt ähnliche Fälschungen über den ‚riesigen Reichtum‘ oder ‚teure Anschaffungen‘ der Familie Selenskyj verbreitet. Sie wurden massenhaft in sozialen Netzwerken geteilt, auch im englischsprachigen Teil, um die Ukraine auf der internationalen Bühne zu diskreditieren“, erklärte die Behörde in einer Stellungnahme. Weiter hieß es, die Kampagne solle das Vertrauen der Verbündeten der Ukraine untergraben. Diese unterstützen Kyjiw weiterhin und geraten angesichts von Moskaus großangelegter Invasion, die inzwischen im fünften Jahr läuft, verstärkt ins Visier prorussischer Propaganda.Das Faktencheck-Team von Euronews, The Cube, hat bereits mehrfach gefälschte Videos und Artikel entlarvt, die im Rahmen der Kampagne „Matrjoschka“ verbreitet wurden. So behauptete etwa ein gefälschter BBC-Bericht, Selenskyj habe in seinem Büro ein gestohlenes Gemälde hängen. In einer weiteren Aktion verbreiteten die Urheber eine Reihe von Deepfakes mit Hollywood-Schauspielern, die Druck auf Europa ausüben sollten, einen Friedensplan zu russischen Bedingungen zu akzeptieren.Auch Berichte über den angeblich riesigen und oft illegalen Reichtum Selenskyjs wurden bereits geprüft. So hat The Cube falsche Vorwürfe widerlegt, ein NABU-Mitarbeiter sei aus der Behörde ausgeschieden, um ein angeblich riesiges Immobilienimperium des ukrainischen Präsidenten offenzulegen. Ebenfalls unbegründet ist die Behauptung, seine Frau Olena Selenska habe Millionen an Steuergeldern verwendet, um einen Sportwagen zu kaufen.
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