Ermittlungen gegen Sea-Watch-Kapitän nach Frontex-Video
Nach einem Rettungseinsatz im Mittelmeer ermitteln die italienischen Behörden gegen den Kapitän der „Sea-Watch 5“. Ein Frontex-Video soll eine Übergabe von Migranten durch mutmaßliche Schleuser zeigen.
Ein von der europäischen Grenzschutzbehörde Frontex aufgenommenes Video sorgt für Ermittlungen der italienischen Behörden gegen den Kapitän des Rettungsschiffs „Sea-Watch 5“. Dem niederländischen Kapitän wird Beihilfe zur unerlaubten Einreise vorgeworfen, nachdem die Seenotretter im Mittelmeer 90 Migranten von einem Schleuserboot übernommen hatten. Während Medien über eine mögliche Kooperation mit Schleusern spekulieren, weist die Organisation Sea-Watch die Vorwürfe entschieden zurück. Das 30-minütige Video wurde offenbar bereits am 11. Mai von Frontex aufgenommen, wie Euronews berichtet. Frontex bestätigte einen Helikoptereinsatz an diesem Tag in dem Gebiet. Am 15. Mai lief das Schiff „Sea-Watch 5“ schließlich mit 166 geretteten Migranten in den Hafen von Brindisi ein. Die italienischen Behörden ermitteln inzwischen gegen den niederländischen Kapitän des Schiffs wegen „Beihilfe zur unerlaubten Einreise“. Bei einer Verurteilung drohen ihm bis zu 20 Jahre Haft. Das Video soll aus den Ermittlungsakten der Staatsanwaltschaft im süditalienischen Brindisi stammen. Es zeigt, wie die Seenotrettung „Sea-Watch“ im Mittelmeer 90 Migranten, vor allem aus Bangladesch, von einem Schleuserboot an Bord eines Schlauchbootes nimmt. Übergeben werden sie von fünf vermummten mutmaßlichen Schleusern, die bewaffnet gewesen sein sollen, so Sea-Watch.
Unterschiedliche Darstellungen des Vorfalls
Mehrere Medien wie die Bild-Zeitung sprechen von einer möglichen Zusammenarbeit zwischen Sea-Watch und Schleusern: „Arbeiten deutsche Seenotretter mit der Schleuser-Mafia zusammen?“, titelt die Zeitung. „Stehen humanitäre Helfer in Verbindung mit Schleusern, die Migranten über das Mittelmeer bringen?“, schreibt die konservative französische Tageszeitung „Le Figaro“. Laut einem Bericht des „Le Figaro“ soll die „Sea-Watch 5“ nördlich von Libyen auf das von dort kommende Schleuserboot gewartet haben. Dort angekommen, hätte die Besatzung des Rettungsschiffs den Schleusern zugewunken.
Vorwurf der Verleumdung
Sea-Watch widerspricht dieser Darstellung, so die NGO zum linken deutschen Medium „nd“. Die Besatzung hätte das sich in Seenot befindliche Schleuserboot am Horizont entdeckt und anschließend Rettungsteams entsandt, die die Lage einschätzen sollten. Zunächst habe die Crew nicht erkannt, dass sich mögliche Schleuser an Bord befunden hätten. Einige der aufgenommenen Migranten seien bewusstlos oder stark geschwächt gewesen, wie die NGO in einer Pressemitteilung schreibt. Die bewaffneten mutmaßlichen Schleuser seien eine mögliche Gefahr für Besatzung und Migranten gewesen.„Jeder weitere Schritt der Sea-Watch-Besatzung diente dazu, diese äußerst gefährliche Situation zu deeskalieren, um Leben zu retten. Wie bei jedem solchen Vorfall wurden die Behörden über alle Schritte informiert; Begegnungen mit maskierten, bewaffneten Männern wurden bereits zuvor von Sea-Watch und anderen NGOs dokumentiert.“ Sea-Watch selbst spricht von einer „Verleumdungskampagne“ durch „extreme Rechte“ sowie von „Falschbehauptungen“. Nach Ende der Videoaufnahme habe ein Boot der libyschen Küstenwache das Rettungsschiff beschossen. Die libysche Küstenwache wird seit 2016 von der EU unterstützt. Ihre Hauptaufgabe ist es, Flüchtlinge und Migranten auf dem Mittelmeer zurück nach Libyen zu bringen.
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