Erwartete Erwerbsdauer in der EU steigt deutlich an
Die erwartete Lebensarbeitszeit in der Europäischen Union nimmt weiter zu, wobei erhebliche Unterschiede zwischen den Mitgliedstaaten bestehen. Viele Länder reagieren mit Reformen des Renteneintrittsalters auf den demografischen Wandel.
44 Jahre arbeiten? Da ist der Tee ja dreimal kalt geworden.
— Rocky, Chefkolumnist
Illustration: KI-generiert
In der Europäischen Union nimmt die erwartete Dauer des Erwerbslebens kontinuierlich zu, während viele Mitgliedstaaten das Rentenalter anheben. Nach aktuellen Daten liegt die durchschnittliche erwartete Erwerbsdauer bei 37,5 Jahren, wobei erhebliche Unterschiede zwischen den einzelnen Ländern sowie zwischen Männern und Frauen bestehen. Um den demografischen Herausforderungen zu begegnen, greifen zahlreiche Regierungen zu teils umstrittenen Reformen. Das Thema Rentenreform sorgt europaweit seit Jahren für politische Diskussionen und Proteste. In Frankreich kam es im Jahr 2023 zu landesweiten Massenprotesten und Streiks, nachdem Premierministerin Élisabeth Borne das Rentenalter von 62 auf 64 Jahre anheben wollte. Obwohl die Reform das Parlament passierte, beschloss die Nationalversammlung im Jahr 2025, die Umsetzung bis 2028 auszusetzen, um einen weiteren Regierungszusammenbruch nach der nächsten Präsidentschaftswahl zu verhindern.
Reformen in Rumänien und Dänemark
Auch andere europäische Staaten passen ihre Systeme an. In Rumänien erhöht die Regierung das Rentenalter für Frauen bis 2035 schrittweise von 63 auf 65 Jahre, um es an das der Männer anzupassen. Zudem steigt das Renteneintrittsalter für Richterinnen, Richter sowie Staatsanwältinnen und Staatsanwälte schrittweise auf 65 Jahre; diese Berufsgruppen können derzeit je nach Dienstzeit noch Ende vierzig in den Ruhestand gehen. Das dänische Parlament hat wiederum ein Gesetz verabschiedet, das die staatliche Altersrente bis 2040 auf 70 Jahre anhebt, um die Rente an die steigende Lebenserwartung zu koppeln. Damit gehört Dänemark zu den Ländern mit dem höchsten Renteneintrittsalter in Europa.
Große Unterschiede bei der Erwerbsdauer
Parallel zu den Reformen verlängert sich die erwartete Erwerbstätigkeit in der gesamten EU. Wie Euronews berichtet, lag die erwartete durchschnittliche Erwerbsdauer für Menschen ab 15 Jahren in der EU im Jahr 2025 bei 37,5 Jahren, verglichen mit 37,2 Jahren im Jahr 2024 und 35,2 Jahren im Jahr 2016. Diese von Eurostat erhobene Kennzahl schätzt die voraussichtliche Zeit am Arbeitsmarkt unter aktuellen Bedingungen, sagt jedoch nichts über das tatsächliche Rentenalter aus. Zwischen den Ländern zeigt sich ein deutliches Nord-Süd-Gefälle: Während in den Niederlanden eine Erwerbsdauer von mindestens 40 Jahren erwartet wird, liegt der Wert in Rumänien bei lediglich 32,7 Jahren. Deutschland verzeichnet eine erwartete Dauer von 40,2 Jahren.
Geschlechtsspezifische Unterschiede
Zudem besteht ein geschlechtsspezifisches Gefälle, da Männer in der EU im Schnitt 39,5 Jahre arbeiten, Frauen hingegen 35,4 Jahre. Die längste Erwerbsdauer wird für Männer in den Niederlanden mit 45,9 Jahren prognostiziert, während Frauen in Schweden mit 42,3 Jahren am längsten arbeiten. Eurostat betont, dass diese Zahlen beobachtete Muster der Erwerbsbeteiligung beschreiben und keine politischen Zielvorgaben darstellen. Angesichts steigender Lebenserwartung und sinkender Geburtenzahlen setzen viele Regierungen auf Maßnahmen wie höhere Rentenbeiträge und strengere Regeln für die Frühverrentung.
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