Altersbezüge im Jahr 2025: Mehrheit der Rentnerinnen erhält gesetzliche Rente unter der Armutsgrenze
Eine Regierungsantwort auf eine Anfrage der Linksfraktion zeigt, dass über 60 Prozent der Rentnerinnen in Deutschland Bezüge unterhalb der Armutsgrenze erhalten. Auch eine lange Einzahldauer schützt Frauen nur bedingt vor Altersarmut.
Bei den Frauen lag der Anteil der gesetzlichen Altersbezüge unter der Armutsgrenze konkret bei 60,9 Prozent, während er bei den Männern 27,8 Prozent betrug. Als Armutsgrenze wurde ein Wert von 1446 Euro zugrunde gelegt, was 60 Prozent des mittleren sogenannten Nettoäquivalenzeinkommens der Gesamtbevölkerung entspricht. Selbst eine lange Einzahldauer in die gesetzliche Rente bietet keinen sicheren Schutz vor Altersarmut: Bei Rentnerinnen mit mindestens 45 Versicherungsjahren blieben die gesetzlichen Rentenbezüge zu 52,4 Prozent unter der Armutsgrenze, bei Männern waren es 23,6 Prozent.
Tatsächliche Armutsgefährdung und Rentenhöhen
Die tatsächliche Armutsgefährdung der Betroffenen ist jedoch geringer, da viele Rentnerinnen und Rentner über zusätzliche Einkünfte verfügen und zudem das gemeinsame Haushaltseinkommen zu berücksichtigen ist. Nach Angaben des Bundesarbeitsministeriums galten im Jahr 2025 insgesamt 19,5 Prozent aller Menschen in Deutschland ab 65 Jahren als armutsgefährdet. Unter den Frauen lag dieser Wert bei 21,3 Prozent, bei den Männern bei 17,3 Prozent.Der durchschnittliche Rentenzahlbetrag aus der gesetzlichen Altersrente betrug im vergangenen Jahr bei männlichen Neurentnern 1415 Euro, während Frauen im Durchschnitt lediglich 1039 Euro erhielten. Unter Berücksichtigung aller Rentnerinnen und Rentner – einschließlich derer mit früherem Renteneintritt – lagen die Beträge bei Männern bei durchschnittlich 1531 Euro und bei Frauen bei 1025 Euro. In Ostdeutschland fallen die Werte für Frauen im Vergleich zu Westdeutschland jeweils deutlich höher aus.
Kritik der Linken-Sozialpolitikerin
Linken-Sozialpolitikerin Sarah Vollath äußerte sich gegenüber der Nachrichtenagentur AFP, der die Antwort der Bundesregierung am Mittwoch in Berlin vorlag, kritisch zu den übermittelten Daten. "Altersarmut ist schon lange kein Randphänomen mehr. Die Renten sind seit Jahren viel zu niedrig", sagte Vollath AFP. Dies sei ein "echter Skandal", gerade in so einem reichen Land wie Deutschland.Vollath befürchtet, dass sich die Lage noch verschärfen dürfte, wenn die Empfehlungen der von der Regierung eingesetzten Rentenkommission umgesetzt werden. Die Politikerin verwies besonders auf die geplante Abschaffung der abschlagsfreien Rente nach 45 Versicherungsjahren. Dies treffe "genau die Menschen, die schon jetzt mit viel zu niedrigen Renten auskommen müssen". Wenn sie bald noch Abschläge in Kauf nehmen müssten, würden ihre Renten noch weiter sinken. "Damit schickt die Regierung bald noch mehr Menschen mit Ansage in die Altersarmut", warnte Vollath.
Zudem wies Linken-Politikerin Vollath darauf hin, dass eine immer größere Zahl von Rentnerinnen und Rentnern zusätzlich auf Sozialleistungen wie Grundsicherung oder Wohngeld angewiesen sei. Hier solle aber nun ebenfalls gekürzt werden. Vollath verwies dagegen auf die Linken-Forderung nach einer "solidarischen Mindestrente, die Rentner:innen wirksam vor Altersarmut schützt". Damit werde auch die Lebensleistung von all denen anerkannt, "die jahrzehntelang viel zu niedrige Löhnen für ihre harte Arbeit bekommen haben oder unbezahlt gesellschaftlich unverzichtbare Aufgaben, wie die Pflege von Angehörigen und die Erziehung der Kinder, übernommen haben".