Verfassungsschutz warnt vor Spionage in bayerischer Luft- und Raumfahrtforschung
Der bayerische Verfassungsschutz warnt vor gezielten Ausspähungsversuchen ausländischer Dienste. Besonders die Drohnentechnologie und Künstliche Intelligenz stehen im Fokus.
Die bayerische Raumfahrtforschung gehört wegen ihrer engen Vernetzung von Wissenschaft, Industrie und Start-ups zur absoluten europäischen Spitzenklasse. Wie das Landesamt für Verfassungsschutz dem „Handelsblatt“ laut einer Mitteilung vom Montag mitteilte, ist die Branche deshalb ein hochattraktives Ziel für Wirtschafts- und Wissenschaftsspionage. Nach Recherchen des „Handelsblatts“, wie Business-Politik berichtet, gibt es regelmäßige Treffen von Drohnenforschern der Technischen Universität München (TUM) mit Wissenschaftlern aus China und Russland auf der internationalen Luft- und Raumfahrtkonferenz Icasse. Auf dieser Konferenz, die vergangene Woche in Hongkong stattand, geht es unter anderem um Drohnen, autonome Flugsysteme, Satellitennavigation, Hyperschalltechnologien, Triebwerke und Künstliche Intelligenz.
Kritik an Kooperationen mit autoritären Staaten
Stellvertretender Grünen-Fraktionsvorsitzender Konstantin von Notz bezeichnete Forschungskooperationen im Drohnenbereich als „erschreckend blauäugig“. Es sei „sehr besorgniserregend, wenn sich Forscher deutscher Top-Universitäten zu diesem hochheiklen Themenfeld mit Vertretern autoritärer Staaten austauschen“, sagte stellvertretender Vorsitzender des Parlamentarischen Kontrollgremiums Konstantin von Notz dem „Handelsblatt“. Die Bundesregierung müsse „alles tun, was notwendig ist, um deutsche und europäische Sicherheitsinteressen gegen Informationsabflüsse in autoritäre Staaten zu schützen“.Unions-Fraktionsvize Norbert Röttgen (CDU) kritisierte die regelmäßigen Treffen deutscher Drohnenforscher mit Wissenschaftlern aus China und Russland scharf. „Angesichts des russischen Angriffskrieges gegen die Ukraine und der chinesischen Unterstützung Russlands halte ich es für grob fahrlässig, wenn deutsche Wissenschaftler zum Zweck des Wissenstransfers mit chinesischen und russischen Institutionen kooperieren“, sagte Röttgen der Zeitung. China und Russland würden schon längst nicht mehr zwischen Technologien unterscheiden, die auch militärisch oder ausschließlich zivil genutzt werden können. In beiden Ländern werde jede zivile Technologie auch auf ihren militärischen Nutzen geprüft und entsprechend verwendet. „Daher ist jeder Wissensaustausch auch eine Unterstützung der russischen und chinesischen Rüstungsindustrie“, so Röttgen weiter.