Wiener Börse im Höhenflug: Halbleiter-Zulieferer AT&S treibt Leitindex ATX an
Dank des enormen Kursanstiegs des Halbleiter-Zulieferers AT&S verzeichnet die Wiener Börse im Jahr 2026 Spitzenwerte in Europa. Das steirische Unternehmen profitiert stark vom weltweiten KI-Boom.
Ein Halbleiter-Zulieferer treibt den ATX an
Der österreichische Leitindex ATX hat seit Jahresbeginn laut Trading Economics um 21,3 % zugelegt. Kein großer Aktienmarkt der Eurozone hat besser abgeschnitten: In Italien stieg der FTSE-MIB um 16,1 %, in den Niederlanden legte der AEX um 15,5 % zu, und in Spanien gewann der IBEX 35 11,5 %. Der deutsche DAX verzeichnet lediglich ein Plus von 1,6 %, während der französische CAC 40 auf 2,3 % kommt. Auch der Euro Stoxx 50 bleibt mit einem Zuwachs von 8,2 % deutlich hinter der Performance des österreichischen Leitindex zurück, wie Euronews berichtet.
Im ATX, der traditionell von Banken, Industriekonzernen und zyklischen Unternehmen dominiert wird, sind nur 20 Standardwerte enthalten. Dass dieser Markt Indizes mit weitaus größeren Technologiesektoren übertrifft, liegt vor allem an der Austria Technologie & Systemtechnik AG (AT&S). Die Aktie des Unternehmens stieg seit dem ersten Handelstag des Jahres von 32,20 Euro Ende Dezember auf 174 Euro am Donnerstag – ein Zuwachs von 459 %. Die Börsenbewertung kletterte in gut einem halben Jahr von rund 1,25 Milliarden Euro auf etwa 7 Milliarden Euro. Damit schlägt AT&S bekannte Halbleiterhersteller wie Micron Technology, Intel, AMD und Marvell.
Spezialkomponenten für den globalen KI-Markt
Das Unternehmen ist auf sogenannte Integrated-Circuit-Substrate spezialisiert, die für moderne Hochleistungs-Chipgehäuse entscheidend sind. Diese Substrate dienen als hochkomplexe Plattformen, die den Chip mechanisch tragen und tausende mikroskopische Leiterbahnen für die Stromversorgung und den Datentransfer enthalten. AT&S ist der einzige größere europäische Hersteller in diesem Segment, während zu den wichtigsten Wettbewerbern japanische und taiwanische Konzerne wie Ibiden und Shinko Electric gehören. Nach Zahlen, die AT&S Anfang des Jahres Investoren vorlegte, soll der Weltmarkt für Substrate im Jahr 2025 um 18 % auf rund 11,1 Milliarden Dollar (9,7 Milliarden Euro) wachsen.
Starke Geschäftszahlen und neue Kooperationen
Im Geschäftsjahr 2025/26 erzielte AT&S einen Umsatz von 1,8 Milliarden Euro, was einem Plus von 21 % bei konstanten Wechselkursen entspricht. Ohne den Erlös aus dem Verkauf des Werks im südkoreanischen Ansan stieg das EBITDA um rund 50 % auf 418 Millionen Euro, während der freie Cashflow bei 236 Millionen Euro lag. „2025/26 war für AT&S ein starkes und wegweisendes Geschäftsjahr“, sagte Vorstandschef Michael Mertin, als das Unternehmen am 21. Mai die Jahreszahlen präsentierte.
Am 13. Juni gab AT&S Vereinbarungen mit AMD und einem weiteren großen Technologiekunden bekannt, bei dem es sich nach Reuters-Angaben um Intel handelt. Ziel ist der Ausbau der Kapazitäten an den Standorten Kulim in Malaysia und Chongqing in China. Die geplanten Investitionen von 1,5 bis 2 Milliarden Euro entsprechen in etwa der Börsenbewertung des Unternehmens zu Jahresbeginn.
Obwohl Finanzhäuser wie die Erste Group und die BAWAG weiterhin die wichtigsten Anlagevehikel des Landes dominieren, ist AT&S inzwischen die viertgrößte Einzelposition im iShares MSCI Austria ETF und steht für 5,9 % des Portfolios. Die außergewöhnliche Rally zeigt, wie ein einziges Unternehmen aus der KI-Lieferkette die Entwicklung eines gesamten nationalen Aktienmarkts maßgeblich beeinflussen kann.