Gesundheitsrisiko Waldbrandrauch: Wie sich Bürger vor Schadstoffen schützen können
Waldbrände in Europa verschlechtern die Luftqualität über weite Distanzen hinweg. Experten erklären, wie sich die Bevölkerung effektiv vor den giftigen Partikeln schützen kann.
Seit Jahresbeginn haben Messsysteme in Europa 1.083 Brände erfasst, die mehr als 7,01 Millionen Tonnen CO₂ freigesetzt haben. In diesem Sommer wüteten Waldbrände in Frankreich, Deutschland, Griechenland, Spanien und Portugal. West- und Mitteleuropa erleben derzeit eine extrem hohe Brandgefahr. Betroffen sind jedoch nicht nur diese Regionen, da der Rauch die Luftqualität noch in Hunderten Kilometern Entfernung verschlechtert und bis in Nachbarstädte jenseits der Grenzen zieht, wie Euronews berichtet.
Gefahren durch den Rauch
Der Rauch von Waldbränden besteht aus einem Gemisch gefährlicher Luftschadstoffe wie PM2,5, NO2, Ozon, aromatischen Kohlenwasserstoffen und Blei. Stehen zudem Häuser oder Gebäude in Flammen, gelangen giftige Stoffe aus Elektronik, Möbeln, Kunststoffen und Farben in die Luft. „Nachdem Sie die Partikel eingeatmet haben, lösen sie Entzündungen und oxidativen Stress aus. Sie können in den Blutkreislauf gelangen und sich im ganzen Körper ausbreiten, wo sie andere Organsysteme beeinträchtigen“, schrieb Colleen Reid von der University of Colorado Boulder in The Conversation.
Erkennung von Luftbelastungen
Belastete Luft ist nicht immer sichtbar oder riechbar. Informationen zur aktuellen Luftqualität bieten die Karte der Europäischen Umweltagentur sowie das Copernicus-Erdbeobachtungsprogramm mit täglichen Updates und Vier-Tage-Vorhersagen. Auch Smartphone-Wetter-Apps zeigen diese Daten oft an. Für Innenräume empfiehlt Leiter des Healthy Buildings Program der Harvard University Joseph Allen den Kauf eines Messgeräts. „Solche kostengünstigen Messgeräte für die Raumluft findet man heute fast überall online. Sie sind inzwischen nicht mehr besonders teuer“, sagte er der Nachrichtenagentur Associated Press.
Schutzmaßnahmen für drinnen und draußen
Bei gesundheitsschädlichen Rauchwerten rät Reid zu Vorsichtsmaßnahmen: „Erreicht Rauch aus Waldbränden gesundheitsschädliche Werte, bleiben Sie möglichst drinnen, und halten Sie Türen und Fenster geschlossen, damit der Rauch nicht eindringen kann“. Im Freien bieten gut sitzende Masken vom Typ N95, KN95 oder KF94 Schutz. „Eine N95-Maske entfernt rund 90 bis 95 Prozent der Partikel“, erklärte Wissenschaftlerin am Center for Climate and Health der Boston University Jennifer Stowell. Sie fügte hinzu: „Wenn Sie Zugang zu einer Maske mit einer Atemschutz-Aufsatz haben, ist das der beste Schutz.“
Für den Schutz in den eigenen vier Wänden sollten Fenster geschlossen und Klimaanlagen auf Umluftbetrieb gestellt werden. Ein Austausch des Standardfilters durch einen MERV-13-Filter kann helfen. Zudem rät Stowell: „Wenn Sie Zugang zu einem Luftreiniger haben, auch wenn es nur ein Gerät für einen einzelnen Raum ist, lassen Sie ihn möglichst durchgehend laufen und stellen Sie ihn in den Raum, in dem Sie die meiste Zeit verbringen“, wie sie gegenüber AP äußerte.