Niedrigwasser im Rhein bremst Schifffahrt und Kraftwerke aus
Der Rhein führt ungewöhnlich früh im Jahr extremes Niedrigwasser. Dies führt zu massiven Ladungseinschränkungen für Schiffe, drosselt die Stromerzeugung und bedroht die Ökosysteme.
Niedrigwasser? Bi uns an de Küst heet dat einfach Ebbe.
— Rocky, Chefkolumnist
Illustration: KI-generiert
Der Rhein führt derzeit extremes Niedrigwasser, was weitreichende Folgen für die Schifffahrt, die Energieversorgung und die Umwelt hat. Am Kraftwerk Iffezheim kann wegen der geringen Wassermengen bereits seit Mai kein Volllastbetrieb mehr gefahren werden, während Binnenschiffe ihre Frachtkapazitäten drastisch reduzieren müssen. Zudem belasten die steigenden Wassertemperaturen die Ökosysteme und gefährden die Kühlung von Industrieanlagen entlang des Flusses. In den vergangenen Tagen flossen bei Karlsruhe nur noch zwischen 450 und 500 Kubikmeter Wasser pro Sekunde den Rhein hinunter – fast die Hälfte weniger als noch zehn Tage zuvor. Wie die Tagesschau berichtet, staut ein großes Wehr den Fluss einige Kilometer aufwärts in Iffezheim bei Rastatt zur Energiegewinnung auf. Mit fünf Turbinen wird dort Strom für mehr als 500.000 Haushalte produziert. Neben dem Kraftwerk befinden sich zwei Schleusenkammern für Schiffe sowie eine Fischtreppe. Kraftwerksbetreiber EnBW erklärt, dass das Kraftwerk wegen des niedrigen Wasserstands bereits seit Mai dieses Jahres nicht mehr unter Volllast betrieben werden kann, was sonst erst mehrere Wochen später im Jahr der Fall ist. Laut Landesanstalt Umwelt Baden-Württemberg sind solch niedrige Wasserstände zu dieser Jahreszeit in ihren bisherigen Daten noch nicht aufgetreten.
Einschränkungen für die Binnenschifffahrt
Der Pegelstand ist eine entscheidende Grundlage für die Schifffahrt, da er die zulässige Ladung bestimmt. Zu schwer beladene Schiffe drohen auf Grund zu laufen. Nach Angaben der Deutschen Transport-Genossenschaft Binnenschifffahrt können Schiffe wegen des Niedrigwassers teilweise nur mit einem Drittel ihrer regulären Frachtkapazität beladen werden, weshalb für dieselbe Ladungsmenge mehr Fahrten erforderlich sind. Zudem verengt sich die Fahrrinne, was von den Binnenschiffern extreme Vorsicht verlangt, um nicht das Ufer zu berühren. TG-Vorstand Roberto Spranzi sagt, er habe so etwas noch nicht erlebt. Die Folge dieser Einschränkungen sind steigende Kosten für Unternehmen und Endverbraucher.
Ökologische Folgen und Erwärmung der Gewässer
Das Niedrigwasser beeinträchtigt auch die Wasserqualität, da sich flache Flüsse schneller aufheizen, was die Sauerstoffsättigung sinken lässt und die Flussbewohner gefährdet. An Wehren wird daher bei zu geringem Sauerstoffgehalt Wasser die Staumauer hinabgelassen, um Sauerstoff einzutragen. Während abwechslungsreiche Flussstrukturen und Uferbäume Schutz bieten, heizen sich breite, begradigte Flüsse wie der Rhein besonders schnell auf. Umweltschutzorganisationen sehen im Klimawandel den Hauptgrund für die länger anhaltenden Niedrigwasserperioden. NABU-Fachbeauftragter für Fließgewässer Finn Zenker sagt: "Die Niedrigwasserperiode, die wir haben, trägt die Handschrift des Klimawandels. Die Extreme werden immer häufiger, und dadurch wird es immer belastender für die Gewässer und deren Artengemeinschaften, die da drin vorkommen."
Konflikte zwischen Wirtschaft und Naturschutz
Obwohl begradigte Flüsse für die Schifffahrt und die Energiegewinnung praktisch sind, schädigen aufgestaute Abschnitte wie in Iffezheim die natürliche Strömung und blockieren Lebewesen. Zudem sind viele Unternehmen entlang des Rheins für Kühlzwecke auf das Flusswasser angewiesen. Je flacher und wärmer das Gewässer wird, desto weniger Wasser darf entnommen werden. In Karlsruhe betrifft dies ein Kohlekraftwerk: Steigt die Wassertemperatur des Rheins auf über 28 Grad Celsius bei gleichzeitig zu niedrigem Pegel, darf kein Kühlwasser mehr entnommen werden, sodass der Betrieb nur noch über eine Ausnahmegenehmigung gesichert werden kann.
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