Umweltverbände in Portugal fordern hitzetaugliche Städte
Angesichts zunehmender Hitzewellen fordern zwölf portugiesische Umweltorganisationen in einem offenen Brief rasche Anpassungsmaßnahmen für den städtischen Raum. Sie stufen extreme Hitze als gesundheitliche Notlage ein und verlangen unter anderem mehr schattige Zufluchtsorte.
Europa leidet unter hohen Temperaturen und verzeichnete im Juni Rekorde. Bis Anfang Juli gab es in Portugal bereits sechs Hitzewellen. „Wir haben in diesem Jahr bereits sechs Hitzewellen erlebt, also genauso viele wie im gesamten Vorjahr. Und wir sind erst im Juli. Zudem sehen wir, dass die Intensität, also die Abweichung von den üblichen Temperaturen, größer wird“, sagt gegenüber Euronews, wie der Sender berichtet, Präsident der Umweltorganisation Zero Francisco Ferreira. Fachleute führen dies auf die Klimakrise zurück.
Forderung nach Anpassung und Gebäudesanierung
Für Umweltorganisationen braucht es dringend Lösungen. „Wir müssen zwangsläufig nicht nur über die Verringerung der Treibhausgasemissionen sprechen, also über die sogenannte Minderung, sondern ebenso über Anpassung“, betont Francisco Ferreira. „Es ist entscheidend, dass wir Städte bauen und weiterentwickeln, die darauf vorbereitet sind und über Anpassungsfähigkeit verfügen. Dafür braucht es vor allem einen genauen Blick auf die Gebäude. Viele stehen für Energiearmut: Im Winter bleiben sie nicht warm, im Sommer lassen sie sich nicht kühl halten.“
Der offene Brief wurde am Europäischen Tag der Opfer der globalen Klimakrise im Regierungssitz auf dem Campus XXI in Lissabon übergeben. Er richtet sich an den Premierminister, die Ministerien für Umwelt und Energie, Gesundheit sowie Infrastruktur und Wohnungsbau und den Nationalen Verband der portugiesischen Gemeinden. Neben Zero unterzeichneten elf weitere Organisationen wie Quercus, Geota, Greenpeace Portugal, WWF Portugal und das Portugiesische Netzwerk der Botschafterinnen und Botschafter des Europäischen Klimapakts. Bei einer Aktion hüllten sich Teilnehmende in Handtücher mit Schildern wie „Lissabon ist keine Sauna!“.
Konkrete Maßnahmen für den städtischen Raum
Die Organisationen verlangen konkrete Maßnahmen. „Das hängt mit der Art zusammen, wie unsere Städte geplant werden, und mit den Prioritäten, die dort gesetzt werden. Wir finden, dass es bislang zu wenig Rücksicht auf diese Bedingungen gibt“, so der Präsident der Organisation. Gefordert werden klimatische Zufluchtsorte wie Bibliotheken, Schwimmbäder oder Parks, schnellere energetische Gebäudesanierung und Kühlanlagen in Kitas und Pflegeheimen. Francisco Ferreira erklärt: „Wir brauchen tatsächlich verfügbare Ressourcen, Klimazufluchtsorte, also schattige Bereiche, Grünflächen und klimatisierte Räume. Das können ganz unterschiedliche Orte sein, von Dienstleistungsbetrieben und Geschäften bis hin zu öffentlichen Einrichtungen“.
Verzögerungen bei kommunalen Plänen
Kommunale Klimaanpassungspläne sind laut dem Brief entscheidend, doch es gibt Verzögerungen. „In Portugal sind Kommunen verpflichtet, Kommunale Klimaaktionspläne zu erstellen. Fertig sein sollten sie bis Februar 2024, und nun schreiben wir bereits 2026“, erinnert der Präsident von Zero. „Noch wichtiger als diese Pläne ist jedoch, dass wir endlich handeln. Der Sommer, den wir gerade erleben, und die Erfahrungen der vergangenen Jahre zeigen, dass wir immer dringender reagieren müssen, um die Krankheitslast zu senken.“
Als Gründe nennt er fehlendes Fachwissen und hohe Kosten. „Die Prioritäten der Gemeinden liegen oft anders, sie messen dieser Herausforderung wenig Bedeutung bei“, sagt er. „In manchen Kommunen, vor allem kleineren, fehlt es an Fachwissen. Solche Pläne zu erarbeiten ist anspruchsvoll – sowohl mit Blick auf Emissionsminderung als auch auf Klimaanpassung.“ Zudem ergänzt er: „Anpassungen, über die wir sprechen, sind häufig teuer. Später werden sie sich auszahlen, daran besteht kein Zweifel. Sie verbessern die Lebensqualität der Bewohnerinnen und Bewohner und aller, die sich in den Städten aufhalten. Doch es bleiben kostspielige Investitionen und damit für viele kommunale Entscheidungsträger schwer umzusetzen.“
In dem Schreiben heißt es: „Extreme Hitze ist längst kein fernes Risiko mehr. Sie bedroht die öffentliche Gesundheit, die Lebensqualität und die Sicherheit unserer Städte. Wir wissen auch, dass diese Gefahr nicht alle gleichermaßen trifft. Wer in Vierteln mit wenigen Grünflächen, stark versiegelten Straßen, dichtem Verkehr und kaum Schatten lebt, ist stärker ausgesetzt“. Laut IPMA stand Portugal an 59 Tagen der ersten sechs Monate unter Hitzewellenbedingungen. Das IPMA meldet: „Wir sehen einen zunehmenden Trend bei der maximalen Zahl der Tage mit Hitzewelle. Hervorzuheben ist das Jahr 2009 mit 93 Tagen, gefolgt von 2017 mit 83 Tagen und 2023 mit 80 Tagen.“