Verbände beklagen systematische Benachteiligung von geflüchteten Kindern
Die Organisationen Save the Children und der Paritätische Gesamtverband kritisieren erhebliche Einschränkungen für geflüchtete Kinder in Deutschland. Eine Befragung zeigt deutliche Mängel bei der Gesundheitsvorsorge und der Ernährung auf.
Die Kinderrechtsorganisation Save the Children und der Paritätische Gesamtverband kritisieren massive Nachteile für rund 100.000 geflüchtete Kinder in Deutschland. Betroffen sind Kinder, die lediglich Ansprüche nach dem Asylbewerberleistungsgesetz haben und dadurch Einschränkungen bei Gesundheit, Ernährung und gesellschaftlicher Teilhabe erfahren. Dies geht aus einer Befragung von Fachkräften aus sozialen Einrichtungen hervor, wie Business-Politik berichtet. In einer Befragung der Verbände unter Fachkräften von Beratungsstellen oder anderen sozialen Einrichtungen gaben 74 Prozent der daran Beteiligten an, sie hielten die Gesundheitsvorsorge der betroffenen Kinder für unzureichend. Mehr als 70 Prozent sagten, eine gesunde Ernährung der Kinder sei mit den zur Verfügung stehenden Mitteln nicht möglich. Als "nicht alltagstauglich und stigmatisierend" wurde auch die sogenannte Bezahlkarte für Asylbewerberinnen und -bewerber eingestuft. Ansprüche nach dem Asylbewerberleistungsgesetz sind deutlich niedriger als die Sätze der Grundsicherung. Besonders benachteiligt sind laut den Angaben der Verbände besonders vulnerable Gruppen, darunter Neugeborene, Kinder mit Behinderungen oder chronischen Erkrankungen, psychisch belastete Kinder und jene, die in abgelegenen Unterkünften leben.
Kritik an systematischer Benachteiligung
„Die Erfahrungen aus der Praxis zeigen eindeutig: Geflüchtete Kinder werden in Deutschland systematisch benachteiligt“, kritisierte Geschäftsführer von Save the Children Deutschland Florian Westphal. „Deutschland ist eines der reichsten Länder der Welt und lässt zu, dass sogar Neugeborene monatelang ohne Gesundheitsversorgung sind“, erklärte er. „Das ist skandalös.“ Es dürfe nicht sein, dass Kinder aufgrund ihres Aufenthaltsstatus von Selbstverständlichem ausgeschlossen würden, hob Westphal hervor. Alle Kinder in Deutschland müssten „dieselben Rechte und denselben Schutz erhalten“.
Folgen der Bezahlkarte und bürokratische Hürden
Hauptgeschäftsführer des Paritätischen Joachim Rock nannte die Ergebnisse der Befragung „erschütternd“. „Kinder warten monatelang auf ihre Geburtsurkunde und bekommen zwischenzeitlich keine Versorgung“, kritisierte er. Familien würden Leistungen gestrichen, obwohl sie ohnehin am Existenzminimum lebten. Rock verlangte daher, Familien mit Kindern von Leistungskürzungen und Leistungsausschlüssen auszunehmen. 90 Prozent der Teilnehmenden der Befragung verwiesen den Angaben zufolge auf Nachteile durch die Bezahlkarte. „Ob Kuchenbasar oder Jugendclub, ohne Bargeld bleiben Kinder vielfach außen vor“, erklärten die Verbände. Zudem fehle Familien das Geld für Kleidung, Lebensmittel, Schulmaterial oder Hygieneprodukte.
Forderungen an den Gesetzgeber
Save the Children und der Paritätische Gesamtverband verlangten, die Behörden müssten die Versorgung Neugeborener immer vorrangig sicherstellen, auch wenn Geburtsurkunden noch fehlten. Zudem müsse der Gesetzgeber prüfen, ob die statistisch ermittelten Regelsätze im Asylbewerberleistungsgesetz eine gesunde und bedarfsgerechte Ernährung von Kindern überhaupt ermöglichten. Weiter forderten die Verbände einen Rechtsanspruch auf Dolmetscher. Sprachbarrieren gefährdeten etwa den Erfolg medizinischer oder psychotherapeutischer Behandlungen. Die Bezahlkarten sollten für Familien mit Kindern abgeschafft werden.
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