Der Umsatz mit fair gehandelten Produkten ist im Jahr 2025 auf 2,7 Milliarden Euro gestiegen. Im europäischen Vergleich hinkt Deutschland bei den Pro-Kopf-Ausgaben jedoch weiterhin hinterher.
33 Euro im Jahr? Bei meinem Kaffeekonsum reicht das gerade mal für eine Woche.
— Rocky, Chefkolumnist
Illustration: KI-generiert
Der Faire Handel in Deutschland hat im Jahr 2025 einen neuen Umsatzrekord von 2,7 Milliarden Euro erreicht. Dies entspricht einem Wachstum von 4,7 Prozent im Vergleich zum Vorjahr, wobei insbesondere Kaffee und Schokolade stark nachgefragt waren. Trotz dieses Höchstwerts liegt Deutschland bei den Pro-Kopf-Ausgaben im europäischen Vergleich weiterhin hinter mehreren Nachbarländern zurück. Der Umsatz mit fair gehandelten Produkten stieg nach aktuellen Marktdaten des Forum Fairer Handel (FFH) deutlich an, wie Euronews berichtet. Viele Verbraucherinnen und Verbraucher entschieden sich bewusst für fair gehandelte Alternativen. Auch die Weltläden verzeichneten einen deutlichen Zuwachs. Trotz der weiterhin schwierigen Lage im stationären Einzelhandel steigerten diese spezialisierten Fachgeschäfte ihren Umsatz um zehn Prozent. Nach Einschätzung des FFH zeigt dies, dass Weltläden weiterhin eine wichtige Rolle als Verkaufsorte sowie als Anlaufstellen für entwicklungspolitische Bildungs- und Informationsarbeit spielen. Ein Weltladen ist ein Fachgeschäft, das sich auf Produkte aus dem Fairen Handel spezialisiert hat und vor allem Lebensmittel, Kunsthandwerk, Textilien und Geschenkartikel verkauft, die unter fairen sozialen und ökologischen Bedingungen hergestellt wurden.
Entwicklungspotenzial im europäischen Vergleich
Der Blick über die deutschen Grenzen zeigt jedoch, dass beim Konsum fair gehandelter Produkte noch Entwicklungspotenzial besteht. Zwar gaben Verbraucherinnen und Verbraucher in Deutschland im Jahr 2025 durchschnittlich 33 Euro pro Kopf für fair gehandelte Waren aus – so viel wie nie zuvor. Im europäischen Vergleich liegt Deutschland damit aber weiterhin hinter mehreren Nachbarländern. In Österreich beliefen sich die Pro-Kopf-Ausgaben auf 88 Euro, in Frankreich auf rund 47 Euro. Spitzenreiter bleibt die Schweiz mit rund 129 Euro pro Einwohnerin und Einwohner, wobei sich dieser Wert ausschließlich auf zertifizierte Fairtrade-Produkte bezieht.
Forderung nach politischen Rahmenbedingungen
Das Forum Fairer Handel bewertet die wirtschaftliche Entwicklung positiv, sieht jedoch politischen Handlungsbedarf. Angesichts zunehmender Marktkonzentration in globalen Lieferketten sowie eines wachsenden Drucks auf Umwelt- und Menschenrechtsstandards fordert der Verband verlässliche politische Rahmenbedingungen, um faire Handelsbeziehungen langfristig zu stärken. Unter dem Begriff "fair gehandelt" wird verstanden, dass Produkte nach festgelegten sozialen, ökologischen und wirtschaftlichen Standards hergestellt und gehandelt werden. Dabei steht die gesamte Lieferkette mit ihren einzelnen Bestandteilen im Fokus. Ziel ist es, Produzentinnen und Produzenten, meist in Ländern des Globalen Südens, bessere Arbeits- und Lebensbedingungen zu ermöglichen.
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