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Fünf Jahre nach der Ahrtal-Katastrophe: Schleppender Wiederaufbau und Kritik an der Klimapolitik

Fünf Jahre nach der verheerenden Flutkatastrophe im Ahrtal ist der Wiederaufbau noch immer unvollständig. Kommunen fordern flexiblere Hilfen, während die Klimapolitik der Bundesregierung in der Kritik steht.

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Fünf Jahre nach der verheerenden Flutkatastrophe im Ahrtal ist der Wiederaufbau der betroffenen Regionen noch immer nicht abgeschlossen. Während der lokale Hochwasserschutz nur langsam voranschreitet, fordern Kommunalpolitiker und Wissenschaftler weitreichende Reformen. Gleichzeitig steht die Klimapolitik der Bundesregierung in der Kritik.
Fünf Jahre nach der Flut im Ahrtal, die auch als "Jahrhundertkatastrophe" bezeichnet wird, ist der Wiederaufbau noch nicht beendet, berichtet Euronews. Nach Angaben der Bundesregierung forderte die Flutkatastrophe, die vor allem Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen traf, mehr als 180 Todesopfer. Zur Gedenkveranstaltung auf dem Marktplatz der Stadt Bad Neuenahr-Ahrweiler wollte CDU-Ministerpräsident von Rheinland Pfalz Gordon Schnieder auch Bundeskanzler Friedrich Merz empfangen. Wohl nicht zuletzt wegen der Flutkatastrophe im Ahrtal hatte die SPD die Landtagswahl in Rheinland-Pfalz verloren.
Am Abend und in der Nacht vom 14. auf den 15. Juli 2021 fielen in der Ahrtalregion in 24 Stunden bis zu 150 Liter Niederschlag pro Quadratmeter. Nach einem verregneten Frühjahr konnten die gesättigten Böden die Wassermassen von Tief Bernd nicht aufnehmen. Der Pegel des Flusses Ahr stieg innerhalb weniger Stunden von einem auf sieben Meter und an einigen Stellen sogar auf zehn Meter. In zahlreichen Häusern stand das Wasser bis im zweiten Stockwerk, Menschen flüchteten sich auf Hausdächer und auf Bäume. Autos, Bahngleise und sogar Brücken und Häuser wurden mitgerissen. Zunächst reisten im Sommer 2021 hunderte Freiwillige Helfer ins Ahrtal, doch in den Monaten danach lief der Wiederaufbau nur sehr schleppend an und viele Betroffene zeigten sich extrem frustriert von der Politik.

Herausforderungen beim Hochwasserschutz

Nicht zuletzt die Flutkatastrophe von Valencia in Spanien im Herbst 2024 erinnerte die Menschen in Europa daran, dass extremes Hochwasser in Zeiten des Klimawandels nicht mehr als ein einzelnes "Jahrhundertereignis" bezeichnet werden kann. Auch die aktuellen Hitzewellen rufen in Erinnerung, dass sich das Klima bereits grundsätzlich geändert hat und ein funktionierender Katastrophenschutz in Deutschland zu den Prioritäten gehört.
Wie der SWR berichtet, ist der Landkreis Ahrweiler gerade dabei, das Flussbett der Ahr zu verbreitern, damit das Wasser bei einer Flut Platz hat, in die Breite auszuweichen statt den Flusspegel dramatisch steigen zu lassen. Von den 25 geplanten Teilprojekten sind erst fünf fertiggestellt, weil mit jedem Eigentümer von Gelände entlang des Flusses einzeln verhandelt werden muss.
Doch zusammen mit Kollegen forderte parteilose Landrätin Cornelia Weigand in einem offenen Brief an Friedrich Merz einen flexibleren Einsatz der Mittel. Denn es würden riesige Regenrückhaltebecken benötigt, um eine Flut wie die von 2021 zu stoppen. Diese sind bisher noch nicht einmal geplant. Und der gerade gekürzte Wiederaufbaufonds aus Berlin stellt nur Gelder für lokale Maßnahmen zur Verfügung, aber keine überregionalen Projekte. "Flut kennt keine Grenzen" lautet die Forderung des Appells an den Kanzler.
Forschende kritisieren laut SWR zudem, dass bei den Aufbau-Maßnahmen im Ahrtal vielerorts zu kurzfristig geplant worden sei. Der Forschungsverbund MonAHR beklagt, dass zu oft an der gleichen Stelle wieder aufgebaut wurde, anstatt dem Fluss mehr Platz zu lassen.

Kritik an der Klimapolitik der Bundesregierung

Nicht nur die Umweltorganisation Greenpeace kritisiert, dass die Bundesregierung von Kanzler Merz die Klimaziele im Vergleich zur Vorgänger-Regierung heruntergeschraubt hat. Im Mai erklärte der Expertenrat für Klimafragen, das Anfang des Jahres verabschiedete Klimaschutzprogramm aus dem Umweltministerium reiche nicht aus, um die eigentlich anvisierten Klimaziele zu erreichen.
SPD-Umweltminister Carsten Schneider betont zwar, Deutschland habe ein sehr hohes Ziel, Emissionen zu reduzieren, nämlich 60 Prozent weniger Treibhausgase bis 2030 verglichen mit 1990. Besonders Wirtschaftsministerin Katherina Reiche stellt einzelne Maßnahmen - wie zuletzt das EU-Methangesetz - aber immer wieder in Frage. Und auch Bundeskanzler Friedrich Merz persönlich hatte sich in Brüssel gegen das Verbrenner-Aus eingesetzt.
Die Lockerungen beim Gebäudemodernisierungsgesetz könnten die Prognosen laut Experten noch weiter verschlechtern. Klimaforscherin Julia Pongartz, die dem Expertenrat angehört, sieht laut Tagesschau "klimapolitischen Handlungsbedarf" und sagt: "Wir empfehlen eine Einbettung der Klimaschutzpolitik in eine kohärente politische Gesamtstrategie, die insbesondere auch soziale Verteilungswirkungen und ökologische Folgen stärker in den Blick nimmt".

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