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Flughafen BER verliert im europäischen Vergleich den Anschluss

Trotz steigender Passagierzahlen im Sommerflugplan hinkt der Berliner Flughafen BER im nationalen und europäischen Vergleich hinterher. Hohe Gebühren und der Rückzug von Billigfliegern belasten den Standort.

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BER abgehängt? Hauptsache, die Fähre nach Helgoland fährt pünktlich. — Rocky, Chefkolumnist
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In Deutschland sind derzeit Sommerferien, doch das Reisen per Flugzeug hat sich im ersten Halbjahr 2026 deutlich verteuert. Insbesondere der Flughafen Berlin Brandenburg (BER) gerät im nationalen und europäischen Vergleich ins Hintertreffen, da Billigflieger ihr Angebot reduzieren. Trotz vereinzelter neuer Strecken bleibt der Hauptstadtflughafen hinter den großen Drehkreuzen zurück.
Wie das Statistische Bundesamt Mitte Juli mitteilt, verteuerten sich Auslandsflüge im ersten Halbjahr 2026 um 8,5 Prozent gegenüber dem Vorjahr. In der Kategorie "Economy-Class" wurden Flüge in europäische Städte sogar um 11,5 Prozent teurer. Auch die aktuelle Untersuchung des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) zeigt: Günstiges Fliegen bleibt gefragt, doch Deutschland verliert im europäischen Vergleich Marktanteile. Gleichzeitig sind selbst Billigflüge teurer geworden. Einfache Tickets ohne Gepäck kosteten im Frühjahr 2026 je nach Airline im Schnitt zwischen 81 und 141 Euro. Ein Grund dafür ist laut Bundesverband der Deutschen Luftverkehrswirtschaft (BDL) auch das schrumpfende Angebot. Billigflieger erreichen in Deutschland nur noch 82 Prozent ihres Vor-Corona-Volumens, während sie im übrigen Europa kräftig zulegen.

Der BER als Paradebeispiel

Der Flughafen Berlin Brandenburg (BER) sollte nach 14 Jahren Bauzeit eigentlich ein globaler Player werden. Stattdessen ist er zum Sinnbild für verschwendetes Potenzial geworden, wie Euronews berichtet. Im vergangenen Jahr war der BER auch fünf Jahre nach seiner Eröffnung wirtschaftlich noch nicht auf Kurs: Die Flughafengesellschaft schrieb weiter Verluste, die Passagierzahlen lagen hinter den Erwartungen zurück. Immerhin gibt es auch positive Nachrichten: Zum Sommerflugplan 2026 legte der Flughafen zu. Seit Ende März fliegen rund 80 Airlines zu 155 Zielen in 55 Ländern, darunter eine neue Nonstop-Verbindung nach Montréal sowie Streckenausbauten von Eurowings nach London, Lissabon und Sarajevo. Im Vergleich mit Frankfurt bleibt die Lücke trotzdem groß. Dort werden rund 280 Ziele in mehr als 90 Ländern nonstop angeflogen, mit über 80 Airlines im Angebot. München folgt mit etwa 220 Verbindungen in 68 Länder. Damit landet Berlin national nur auf Platz vier, wie das Reisetech-Unternehmen AirHelp in einer Analyse ermittelte. Einen Titel darf sich der BER trotzdem sichern: Mit 89 dort operierenden Fluggesellschaften liegt er sogar vor München und Frankfurt, was allerdings eher die Kleinteiligkeit des Angebots zeigt als echte Drehkreuz-Stärke.

Im Hauptstadt-Vergleich abgehängt

Vergleicht man den BER nicht nur mit deutschen, sondern mit anderen europäischen Hauptstadt-Flughäfen, fällt der Rückstand noch deutlicher aus. London Heathrow bietet 223 Direktziele in 85 Ländern, Paris Charles de Gaulle sogar 285 Ziele in 111 Ländern, zeigen Daten des Portals FlightConnections. Beide Städte profitieren von starken nationalen Fluggesellschaften wie British Airways und Air France, die ihren Heimatflughafen konsequent als Interkontinental-Drehkreuz ausbauen. Lufthansa investiert dagegen lieber in Frankfurt und München. Lufthansa-Vertreter für Berlin Thrasivoulos Malliaras nannte gegenüber Abgeordneten des Landesparlaments die im Vergleich zu Brüssel mehr als doppelt so hohen Steuern auf Berlin-Abflüge den "Wachstumskiller Nummer eins", wie The Berliner berichtete. Der Rückzug der Billigflieger hat eine längere Vorgeschichte. Bereits 2022 reduzierte easyJet seine BER-Flotte von 18 auf 11 Maschinen und strich 275 Stellen, begründet mit hohen Flughafengebühren. Ryanair kündigte 2024 an, sein Angebot um 20 Prozent zu kappen, und hält trotz der jüngsten Steuersenkung am Plan fest, die Basis Berlin zum Winterflugplan 2026 ganz zu schließen. Eurowings und Wizz Air füllen die entstandene Lücke zumindest teilweise. Ob es reicht, bleibt fraglich, zumal ein Bieterkrieg zwischen den Investoren Castlelake und Apollo um easyJet für weitere Unsicherheit sorgt.

Sylt in einer Stunde, Peking in neun

Doch es gibt auch Entwicklungen in die andere Richtung. Seit dem 2. Juli 2026 fliegt das Start-up Air Uniqon zweimal wöchentlich in nur 60 Minuten nach Sylt. Das ist laut Flughafenbetreiber die kürzeste planmäßige Direktverbindung des BER überhaupt. Am anderen Ende des nonstop-Streckennetzes liegt Peking. Hainan Airlines fliegt die Strecke ohne Umstieg in rund neun Stunden, Tickets gibt es teils schon ab 600 Euro. Gerade die kurze Sylt-Route dürfte allerdings für Diskussionen sorgen. Kurzstreckenflüge gelten aus Klimasicht als besonders kritisch, weil Start und Steigflug einen überproportional hohen Anteil der Emissionen verursachen, erklärt das Umweltbundesamt. Wer einen Kurztrip plant, findet ab BER weiterhin einige attraktive und meist günstige Ziele wie London, Kopenhagen, Stockholm, Zagreb, Split, Zadar, Pula, Sofia, Athen, Thessaloniki, Korfu, Tuzla, Bratislava, Timișoara, Rom, Mailand, Bologna, Neapel und Bari. Besonders bei Wizz Air, Ryanair und Eurowings zahlt sich frühes Buchen aus, denn Last-Minute-Tickets auf diesen Strecken werden schnell deutlich teurer. Wer flexibel bei Reisetag und Vorlaufzeit bleibt, findet also durchaus günstige Direktflüge ab Berlin. Ob sich die Ticketpreise wieder beruhigen oder Berlin im europäischen Hauptstadt-Vergleich weiter zurückfällt, hängt vor allem an den Standortkosten und daran, ob sich Airlines wie Ryanair und easyJet langfristig wieder stärker am BER engagieren.

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