Eskalation am Persischen Golf gefährdet wichtige Handelsrouten
Nach gegenseitigen Angriffen zwischen den USA und dem Iran wächst die Sorge um die Sicherheit in der Straße von Hormus. Während die Golfstaaten eine weitere Eskalation fürchten, schlägt US-Präsident Trump neue Abkommen vor.
Die Lage am Persischen Golf spitzt sich nach gegenseitigen Angriffen zwischen den USA und dem Iran weiter zu. Insbesondere die Straße von Hormus, eine der weltweit wichtigsten Handelsrouten, ist von den militärischen Auseinandersetzungen betroffen. Während die Golfstaaten eine weitere Eskalation befürchten, schlägt US-Präsident Trump neue Abkommen vor. Auf US-Angriffe auf den Iran folgten umgehend iranische Vergeltungsschläge auf die Golfstaaten, die laut iranischer Lesart jedoch den US-Militäreinrichtungen in diesen Ländern galten. "Kein Krieg, aber auch kein Frieden", beschreibt Bachar El-Halabi, Experte für Geoökonomie am Middle East Council of Global Affairs in Doha, die aktuelle Situation. "Diese Situation hält sich seit einer Weile so. Es gibt jetzt mehrere Anzeichen dafür, dass wir auf eine Eskalation zusteuern", so der Experte weiter, wie die Tagesschau berichtet.
Angriffe auf Öltanker und Infrastruktur
Eine Eskalation will am Golf niemand, doch die Zeichen der Gewalt mehren sich. Über der Hauptstadt von Bahrain stehen schwarze Rauchwolken, nachdem die Luftverteidigungssysteme laut Angaben aus dem Königreich iranische Luftangriffe abgefangen haben. Über Schäden wurde zunächst nichts berichtet. Auch in Jordanien heulen seit Tagen die Alarmsirenen. Zudem melden die Vereinigten Arabischen Emirate den Beschuss von zwei Öltankern in omanischen Gewässern auf ihrem Weg nach Süden durch die Straße von Hormus. Bei dem iranischen Angriff wurde ein indisches Besatzungsmitglied getötet und weitere schwer verletzt. Das Verteidigungsministerium der Vereinigten Arabischen Emirate verurteilte die Angriffe und erklärte, man behalte sich vor, auf die Eskalation zu reagieren.
Bedeutung der Straße von Hormus
Die größte Sorge gilt der Situation an der Straße von Hormus. Bachar El-Halabi meint dazu: "Die Straße von Hormus ist eine globale internationale Wasserstraße. Sie ist aber auch eine der wichtigsten Adern für die meisten Golfstaaten: Nicht nur, um ihr Öl zu exportieren, sondern auch, um alle anderen Waren zu importieren." Während Länder wie Saudi-Arabien und die Vereinigten Arabischen Emirate alternative Transportrouten über das Rote Meer ausgebaut haben, steht diese Option für Katar, Kuwait oder Bahrain nicht zur Verfügung. Die Meerenge und die Angriffe auf Tanker bilden das größte Druckmittel des Irans. US-Präsident Trump brachte am Montag eine Schutzgebühr für eine sichere Durchfahrt in Höhe von 20 Prozent des Frachtwerts ins Gespräch.
Trumps Kehrtwende bei den Verhandlungen
Nur einen Tag später vollzog Trump jedoch eine Kehrtwende. Beim Empfang von irakischem Ministerpräsident Ali al-Saidi im Weißen Haus erklärte er: "Ich habe entschieden, die 20-Prozent-Gebühr durch Handels- und Investitionsabkommen zu ersetzen, die die verschiedenen Golfstaaten mit den Vereinigten Staaten abschließen werden." Mit welchen Partnern genau gesprochen wurde, blieb unklar, und eine offizielle Reaktion der Golfstaaten liegt bisher nicht vor. Es wird jedoch betont, dass man nicht in den Konflikt zwischen den USA und dem Iran hineingezogen werden möchte. Bachar El-Halabi erklärt, die arabischen Staaten am Golf hätten mit Blick auf die USA vor allem wirtschaftliche Interessen: "Die Golfstaaten investieren weiterhin in die US-Wirtschaft. Sie wollen die Beziehungen zu den USA stärken." Das Anliegen eines sicheren Handelswegs durch die Straße von Hormus bleibt derweil ungelöst.
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