Vorschlag für Altersgrenzen: EU-Experten fordern Social-Media-Beschränkungen für Kinder
Eine Expertengruppe empfiehlt der EU-Kommission strenge Altersgrenzen für die Nutzung sozialer Medien. Kinder unter 13 Jahren sollen demnach nur noch unter Aufsicht Zugriff erhalten.
Weniger daddeln, mehr frische Luft. Tut dem Gehirn ganz gut, schätze ich.
— Rocky, Chefkolumnist
Illustration: KI-generiert
Eine EU-Expertengruppe empfiehlt die Einführung einer EU-weit harmonisierten Zugangsbeschränkung für soziale Medien für Kinder unter 13 Jahren. Die tägliche Nutzungszeit von Jugendlichen schade deren Gehirn- und Persönlichkeitsentwicklung. Die EU-Kommission plant, im September einen entsprechenden Gesetzentwurf vorzulegen. Eine Erkenntnis müsse über allem stehen, so EU-Kommissionschefin Ursula von der Leyen: "Social Media ist kein Spielzeug", sondern ein sehr gewinnträchtiges, aber auch gefährliches Produkt. Autohersteller müssten ihre Fahrzeuge per se sicher machen, sagt von der Leyen. "Und wir erwarten nicht von Kindern, dass sie ihre eigenen sicheren Sicherheitsgurte entwerfen. Genauso wenig von Eltern, dass sie Airbags zu Hause einbauen. Und genau dieselbe Produktsicherheit muss auch für die großen Technologiekonzerne gelten."
Gefahren für die Entwicklung von Jugendlichen
Denn auch laut der Expertengruppe, die der Kommissionschefin heute ein umfangreiches Buch übergeben hat, schaden die vier bis sechs Stunden, die Jugendliche in Europa im Schnitt täglich auf Social Media verbringen, der Gehirn- und Persönlichkeitsentwicklung. "Auf der Basis der vorliegenden Evidenz empfehlen wir deshalb die EU-weite harmonisierte Einführung einer Zugangsbeschränkung zu 'Social Media Plus' für Kinder unter 13 Jahren", erklärt Vorsitzender des Gremiums, deutscher Forscher und Jugendpsychiater Jörg Fegert.
Das bedeutet, dass TikTok, Instagram und Co. für unter 13-Jährige nur im Beisein der Eltern oder anderen Aufsichtspersonen, die den Account verwalten, möglich sein sollten. Danach empfehlen die Experten ein abgestuftes Modell. Plattformen, die nachweisen, dass sie ausreichend für die Sicherheit von Kindern und Jugendlichen getan haben, könnten ab 13 Jahren erlaubt sein, andere wiederum erst ab 15 oder 16 Jahren. Dies müsse mit einer effektiven und sicheren Alterskontrolle einhergehen. Die Experten verweisen dabei auf Erfahrungen in Australien, wo sich nach rund einem halben Jahr Social-Media-Mindestalter zeigt, dass noch immer zu viele Kinder diese Altersgrenze umgehen können, wie die Tagesschau berichtet.
Nationale Regelungen als Anreiz
Die EU sei laut von der Leyen besser vorbereitet: "Unsere App zur Altersverifizierung ist eines der Werkzeuge, um dies zu ermöglichen. Sie ist benutzerfreundlich, datenschutzkonform, und im Grunde gibt sie den Eltern ein Stück Kontrolle zurück." Es gehe nicht um die Frage, wann Kinder Zugang zu sozialen Medien bekämen, sondern darum, wann die sozialen Medien Kinder erreichen dürften. Nationale Regelungen seien daher wichtig. In Frankreich ist Social Media für Unter-15-Jährige ab September verboten, während Länder wie Griechenland, Dänemark, Spanien und Österreich Ähnliches planen. "Länderspezifische Zugangsbeschränkungen, auch für Über-13-Jährige, könnten für die Plattformen sogar einen zusätzlichen Anreiz bieten, schneller Angebote zu entwickeln, die von Anfang an sicher sind", sagt Experte Fegert.
Durchsetzung durch die EU-Kommission
Bis zur Umsetzung steht fest, dass es Sache der EU-Kommission ist, Altersgrenzen gegenüber den Tech-Plattformen durchzusetzen, da nur Brüssel neue Regeln auferlegen und Bußgelder verhängen kann. Ein EU-einheitliches Social-Media-Verbot sei daher sehr sinnvoll, betont von der Leyen. Sie fügt hinzu: "Diese Veränderung wird Zeit brauchen - so wie jeder kulturelle Wandel. Genauso wie es Zeit brauchte, Alkohol am Steuer zu verbieten, genauso wie es Zeit brauchte, Sicherheitsgurte in Autos einzuführen." Im September wird die Kommissionschefin ihren Gesetzentwurf vorlegen, der anschließend vom EU-Parlament und dem Rat der Mitgliedstaaten beraten wird.
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