Studie zeigt massive Steuervorteile für Kreuzfahrtschiffe im Vergleich zu Hotels
Kreuzfahrten werden in Europa steuerlich deutlich geringer belastet als Hotelübernachtungen. Die NGO Transport & Environment fordert Reformen, um die hohen Umweltkosten der Schiffe auszugleichen.
Wie Euronews berichtet, wird eine Nacht auf einem Kreuzfahrtschiff um 40 Prozent geringer besteuert als eine Hotelübernachtung. Dies geht aus einer Analyse hervor, welche die Steuerlast für Hotelübernachtungen im Wert von 100 Euro in Frankreich, Italien und Spanien mit ähnlich teuren Kreuzfahrten vergleicht. Rechtlich werden Kreuzfahrten als Teil des Seeverkehrs eingestuft, obwohl die Schiffe faktisch als Urlaubsunterkünfte dienen. Diese Diskrepanz ermöglicht es den Reedereien, unter anderem die Mehrwertsteuer sowie Energiesteuern auf Treibstoff zu umgehen.
Kritik an steuerlichen Privilegien
Die NGO sieht in dieser Regelung eine ungerechte Subventionierung. „Wir behandeln diese schwimmenden Hotels, als wären sie unverzichtbare maritime Infrastruktur“, sagt Shipping Manager Fanny Pointet. „Kreuzfahrten sind kein Verkehrsmittel, sie sind das Reiseziel“, so Pointet weiter. „Trotzdem erhalten sie dieselben Vergünstigungen wie der Güterverkehr. Eine angemessene Besteuerung würde Städten helfen, Luftverschmutzung zu bekämpfen und Overtourism einzudämmen.“Die Studie verdeutlicht zudem, dass ein Großteil der schädlichen Emissionen von Kreuzfahrtschiffen – Treibhausgase und Luftschadstoffe – durch die aktuellen Steuerregeln überhaupt nicht erfasst wird. In Frankreich, Spanien und Italien summierten sich diese externen Kosten durch Umweltschäden im Jahr 2025 laut der Analyse auf 790 Millionen bis 1,3 Milliarden Euro. Die klimabezogenen externen Kosten des Sektors liegen im Durchschnitt zwei- bis dreimal so hoch wie die Abgaben, die er im europäischen Emissionshandel (ETS) entrichtet. Für Luftverschmutzung gibt es auf EU-Ebene bislang keine vergleichbare Steuer.
Forderungen nach Abgaben und Obergrenzen
Um dem entgegenzuwirken, schlägt T&E eine Abgabe von 15 Euro pro Passagier und Hafenanlauf in Italien, Frankreich und Spanien vor. Dies würde jährlich schätzungsweise 335 Millionen Euro einbringen, die in die Staatshaushalte zurückfließen, den Schutz von Küstenökosystemen finanzieren oder in grüne Infrastruktur wie Landstrom-Anlagen investiert werden könnten. Allein reicht eine solche Abgabe jedoch nicht aus, um die Lücke zwischen den Umweltkosten und den Ausgleichszahlungen zu schließen. „Eine Kreuzfahrt-Abgabe ist nur ein Baustein in einem umfassenderen Regelwerk“, sagt Pointet. „Um den ökologischen Fußabdruck des Sektors wirklich zu reduzieren, braucht es zusätzliche Maßnahmen auf der Angebotsseite.“T&E empfiehlt daher, die EU-Vorgaben für nachhaltige Schiffskraftstoffe im Rahmen von FuelEU Maritime zu verschärfen und die Energieeffizienz-Standards anzuheben. Zudem wird vorgeschlagen, den Kreuzfahrtverkehr bei Bedarf durch Höchstzahlen für tägliche oder jährliche Hafenanläufe zu begrenzen und die Mehrwertsteuer für Kreuzfahrten an die des landgebundenen Tourismus anzupassen.