Humanitäre Krise an der Grenze zum Südsudan verschärft sich
Der anhaltende Konflikt im Sudan treibt Millionen Menschen in die Flucht. Hilfsorganisationen vor Ort kämpfen mit extremen Bedingungen und akuter Unterfinanzierung.
Seit Mai 2025 arbeitet die Polnische Humanitäre Aktion (PAH) in der Grenzregion. Programmkoordinatorin Joanna Lenartowicz erklärt: "Die Polnische Humanitäre Aktion arbeitet gemeinsam mit einem Partner in den beiden Counties Renk und Manyo. Sie liegen ganz im Norden von Südsudan an der Grenze zu Sudan. Der Grenzübergang in Renk ist der Hauptkorridor, über den die meisten Menschen vor dem Krieg in Sudan fliehen und nach Südsudan kommen. Bis heute sind es bereits mehr als eine Million Menschen. Gemeinsam mit unserem Partner setzen wir ein Projekt um, das sich auf die Versorgung mit grundlegender medizinischer Hilfe und auf die Ernährung von Kindern bis zum fünften Lebensjahr sowie von stillenden Müttern und schwangeren Frauen konzentriert"
Nach dem Grenzübertritt gelangen Geflüchtete in überfüllte Aufnahmezentren. Lenartowicz beschreibt ihren Alltag: "Die meisten Kinder hier gehen nicht zur Schule. Entweder gibt es in der Nähe gar keine Schule, oder die Eltern können sich die Uniform nicht leisten, die ungerechnet knapp zehn Euro kostet, und zum Beispiel die Schulgebühren von etwa 7-9 Euro für drei Monate. (...) Viele Menschen essen nur wenige Male pro Woche, und wenn sie etwas bekommen, dann einmal am Tag. Es sind immer die gleichen Lebensmittel. (...) Der Staat stellt den Menschen Land zur Verfügung, auf dem sie sich niederlassen können. Aber es ist nur ein Stück Boden. Alles andere müssen sie selbst organisieren, sie müssen ihr Haus selbst bauen"
Kampf gegen Wassermangel
Die drängendste Aufgabe ist der Zugang zu sauberem Wasser. "Wir versorgen diese Einrichtungen mit Wasser. Dafür reparieren wir die Wasserversorgungsnetze oder installieren komplett neue Systeme, die Wasser aus dem Nil reinigen und es in die Kliniken leiten. Wir bauen auch Latrinen, die hier massiv fehlen. Rund 60 Prozent der Menschen verrichten ihre Notdurft im Freien. Gerade in der Regenzeit verschmutzt das das knappe Wasser zusätzlich und trägt zur Ausbreitung von Krankheiten wie Typhus, wässrigem Durchfall oder Cholera bei. Außerdem bauen wir Verbrennungsanlagen für medizinische Abfälle", erklärt Lenartowicz.
Zur Vorbeugung setzt die PAH auf Aufklärung: "Wir bilden sogenannte Hygiene-Multiplikatoren aus. Das sind Menschen aus den jeweiligen Gemeinschaften, die wir in Abstimmung mit den lokalen Strukturen auswählen und schulen. Es geht um Hygiene, um Themen wie die Verbreitung der häufigsten Krankheiten und wie man vorbeugt. Diese Personen gehen dann mehrmals pro Woche von Haus zu Haus und informieren ihre Gemeinden"
Gefahren für Frauen
Frauen trifft es am härtesten. "Diese Frauen sind mehrere Wochen zu Fuß auf dem Weg zur Grenze. Sie schlafen ohne jeden Schutz unter freiem Himmel, in der Hitze, ohne Wasser, ohne Essen. Der fehlende Schutz macht sie zusätzlich anfällig für Gewalt", berichtet Lenartowicz.
Sexuelle Gewalt ist ein häufiges Terrormittel.
Klimakrise und Finanzierung
Zudem leidet Südsudan unter der Klimakrise. Lenartowicz erklärt: "Durch die Klimakrise und die Tatsache, dass die Gebiete, in denen die Menschen bisher gelebt haben, regelmäßig überflutet werden, schrumpft der sichere Lebensraum immer weiter. Das führt zu einer wachsenden Konkurrenz um die Flächen, die noch bewohnbar sind"
Deshalb richtet sich die Hilfe an alle: "Unter den Folgen des Krieges leiden nicht nur Geflüchtete und Rückkehrerinnen und Rückkehrer aus Sudan nach Südsudan. Betroffen sind auch Menschen, die schon immer hier leben. Sie spüren die Auswirkungen des Klimawandels, dass es von Jahr zu Jahr weniger Wasser gibt und dass es keine Infrastruktur gibt, um das Wasser zu reinigen (...). Deshalb richten wir unsere Projekte an alle, die Hilfe brauchen. Das ist sehr wichtig, um keine neuen Spannungen innerhalb der Gesellschaft zu schaffen."
Doch die Mittel reichen nicht: "Leider gibt es trotz der Vielzahl an humanitären Organisationen große Finanzierungslücken. Wir können grundlegende Bedürfnisse wie Wasser und Nahrung nicht für alle Menschen decken, die hierher gekommen sind."
Trotz globaler Auswirkungen bleibt der Konflikt vergessen. "Der Krieg in Sudan ist in den europäischen Medien praktisch nicht präsent, und weltweit ist es ähnlich. Ohne diese Aufmerksamkeit ist es sehr schwer, Mittel einzuwerben", fasst Lenartowicz zusammen.
Das EU-Projekt wird von der PAH getragen, die 1992 von Janina Ochojska gegründet wurde.