Meldung ✓

Sicherheit, Personalmangel und Sanierungsstau: Wie sich NRW-Freibäder für die Zukunft wappnen

Freibäder in Nordrhein-Westfalen stehen vor großen Herausforderungen durch Sanierungsstau, Personalmangel und Sicherheitsfragen. Beim WDR-Stadtgespräch in Oberhausen diskutierten Experten und Badegäste über Lösungsansätze.

KI-generierter Inhalt · wie wir arbeiten →

Illustration zu: Sicherheit, Personalmangel und Sanierungsstau: Wie sich NRW-Freibäder für die Zukunft wappnen
Illustration: KI-generiert
Freibäder in Nordrhein-Westfalen stehen derzeit vor massiven Herausforderungen durch Personalmangel, Sanierungsstau und Sicherheitsfragen. Beim WDR Lokalzeit-Stadtgespräch in Oberhausen diskutierten Verantwortliche und Gäste über mögliche Lösungsansätze für diese Probleme. Neben digitalen Ticketsystemen und verstärkten Kontrollen stehen auch unkonventionelle Konzepte zur Sanierung im Fokus.

Im Oberhausener Aquapark füllt sich die Liegewiese bei sommerlichen Temperaturen, doch der Betrieb bringt auch Herausforderungen mit sich. Um lange Warteschlangen und damit verbundene Handgreiflichkeiten zu verhindern, setzt das Bad auf digitale Lösungen. "Wir haben vor zwei Jahren auf Online-Buchung umgestellt. Wer eine Karte hat, weiß definitiv, dass er auch reinkommt", erklärt Aquapark-Geschäftsführer Dieter Vatheuer. Für zusätzliche Sicherheit sorgen Taschenkontrollen am Eingang, da immer wieder verbotene Gegenstände wie Messer oder Glasflaschen mitgeführt werden. Security-Mitarbeiter Andreas Bolender berichtet: "Hier kommen auch mal Gäste mit einer ganzen Wassermelone", und fügt hinzu: "wenn wir fragen, wie sie die schneiden wollen, kommt als Antwort: 'Mit einem Messer'". Um die Schwimmmeister zu entlasten, sind im Bad bis zu sieben Sicherheitskräfte im Einsatz. "Die sollen lieber gucken, dass keiner im Wasser ertrinkt", so Vatheuer. Dies sei auch deshalb notwendig, weil viele Eltern unaufmerksam seien und den Blick lieber auf das Smartphone als auf ihre Kinder richten würden. Der Chef des Bades stellt fest: "Es gibt viele uneinsichtige Eltern aus allen Kulturen."

Mangelnde Schwimmkompetenz und Personalnot

Ein weiteres Problem stellt die mangelnde Schwimmfähigkeit von Kindern dar. Rund die Hälfte aller Grundschulkinder in Nordrhein-Westfalen kann nicht ausreichend schwimmen, wie die Tagesschau berichtet. Geschäftsführer der Deutschen Gesellschaft für das Badewesen Christian Mankel sieht die Ursachen auch im privaten Umfeld: "Schwimmen hat nicht mehr überall den Stellenwert, den es bräuchte, das fängt zuhause mit den Eltern an." Zudem fehlen Schwimmkurse. DLRG-Vertreter Ulrich Brandt aus Essen fordert: "Wir bräuchten mehr Wasserzeit in den Bädern zu günstigeren Konditionen." Er beobachtet zudem, dass selbst Rettungsschwimmeranwärter mittlerweile nicht mehr so gut schwimmen können wie früher. Erschwert wird die Situation durch den Mangel an Fachkräften. "Nachwuchskräfte als Schwimmmeister zu bekommen ist unglaublich schwierig", erklärt Vatheuer. Als Lösung bildet der Aquapark Oberhausen Security-Mitarbeiter zu Rettungsschwimmern aus.

Sanierungsstau belastet die Kommunen

Viele Schwimmkurse fallen jedoch auch aus, weil Bäder wegen Schäden geschlossen bleiben müssen. Sportausschuss-Vorsitzender im NRW-Landtag Bernhard Hoppe-Biermeyer erklärt: "Das Problem ist wachsend und hat sich noch verschärft, weil die Energiepreise deutlich gestiegen sind." Förderprogramme von Land und Bund seien laut dem CDU-Politiker "nur ein Tropfen auf den heißen Stein". Während der Bund zuletzt 250 Millionen Euro für Sanierungen auslobte, meldeten die Kommunen einen Bedarf von drei Milliarden Euro an. Mankel warnt: "Die Unterfinanzierung in der öffentlichen Infrastruktur ist nicht auf einen Schlag auflösbar. Aber: Wenn nichts getan wird, droht ein Bädersterben."

Alternative Baukonzepte und gesellschaftliche Bedeutung

Um den Sanierungsstau kostengünstiger zu bewältigen, verweist Sportpolitiker Hoppe-Biermeyer auf alternative Ansätze in NRW: "In Bonn gibt es Bäder von der Stange, in drei Größen. Das macht das Bauen einfacher. Und in der Nähe von Paderborn haben die Menschen privat ein Schwimmbad gebaut, für zehn Millionen statt für 17 Millionen Euro." Badegast Florian Last aus Arnsberg befürwortet solche Eigeninitiativen. "Warum nicht?", sagt er, "Jeder der handwerklich begabt ist, kann mit anpacken, Privatleute können auch mauern, Fugen glattziehen". Für Großbäder sei dies jedoch keine Option. Trotz der hohen Kosten betont Mankel den Wert der Einrichtungen: "Bäder sind die teuersten Gebäude einer Kommune", "aber sie geben etwas zurück." Sie seien wichtig für den Tourismus, junge Familien und die Ausbildung von Rettungsschwimmern.

Gleichzeitig spiegeln sich gesellschaftliche Konflikte in den Bädern wider. Nach vereinzelten Auseinandersetzungen, wie der Räumung eines Freibads in Bochum-Werne Ende Juni, haben Städte wie Bochum, Herne oder Essen eine Ausweispflicht eingeführt. "Das ist kein flächendeckendes Problem", sagt Mankel, aber: "Bäder sind ein Spiegel der Gesellschaft. Wir erleben hier auch die Probleme, die größer werden." Die Ausweispflicht sei laut Hoppe-Biermeyer eine "symbolische Geschichte, aber die Symbolwirkung ist schon da". Er betont jedoch, dass "Schwimmen ist im NRW-Sportausschuss das Top-Thema Nummer 1 neben Olympia." sei und Bäder mit weiteren Fördergeldern "Schritt für Schritt" auf Vordermann gebracht werden sollen. Mankel resümiert: "Bäder sind einer der besten Orte, um alle Menschen zusammenzubringen."

← alle Meldungen aus Iip Lun

Weitere Meldungen aus Iip Lun

Iip Lun ✓

Sorge vor Überproduktion auf dem Halbleitermarkt

Während die Nachfrage nach Halbleitern für Künstliche Intelligenz hoch ist, droht durch den Ausbau von Fabriken und das Aufholen Chinas eine weltweite Chipschwemme.

31.07., 10:36 Uhr
Iip Lun ✓

Illegaler Sandabbau bedroht Umwelt und Existenz auf Kap Verde

Auf der kapverdischen Insel Santiago führt die illegale Sandgewinnung für die Bauwirtschaft zu schweren Umweltschäden. Viele Frauen sehen in der harten Arbeit dennoch die einzige Möglichkeit, ihre Familien vor dem Verhungern zu bewahren.

31.07., 11:06 Uhr