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Aufstieg zur Biotech-Macht: China investiert massiv in Schlüsselindustrie

China baut seine Biotechnologie-Branche durch staatliche Förderung und günstige klinische Studien rasant aus. Europäische Experten warnen vor einer wachsenden Abhängigkeit und fordern mehr Investitionen in die heimische Forschung.

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Biotech aus China? Solange der Ostfriesentee traditionell bleibt, bin ich beruhigt. — Rocky, Chefkolumnist
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China treibt die Entwicklung seiner Biotechnologie-Branche mit massiver staatlicher Unterstützung voran und entwickelt sich zunehmend zu einem globalen Forschungs-Hotspot. Während die Volksrepublik von geringen Kosten und schnellen Zulassungsverfahren profitiert, verzeichnet Deutschland einen deutlichen Rückgang bei den Investitionen. Experten warnen vor einer drohenden technologischen Abhängigkeit Europas von chinesischen Entwicklungen.
In einem staatlichen Biotechnologie-Park in Peking werden gezielt ausländische Unternehmen und Fachkräfte angeworben, um die Schlüsseltechnologie Biopharma zu fördern. In dem Areal sind bereits Hunderte Firmen und Start-ups angesiedelt, die direkt mit benachbarten Krankenhäusern für klinische Tests kooperieren. Davon profitiert auch das Pharma-Unternehmen Innocare, das im vergangenen Jahr Lizenzrechte für einen Autoimmunwirkstoff an ein US-amerikanisches Unternehmen verkauft hat. Unternehmenssprecher Lu Chunhua lobt die guten Rahmenbedingungen: "Nehmen wir die staatliche Förderpolitik, die Regeln zur Zulassung von Arzneimitteln - es ist ein guter Wandel. Gucken wir auf die Fachkräfte: Viele im Ausland lebende Chinesen kehren nach China zurück und starten in der Biotech-Branche."

Vorteile bei Kosten und Geschwindigkeit

Biotechnologie ist im jüngsten Fünfjahresplan der kommunistischen Staatsführung als Schlüsselindustrie und Bereich der Nationalen Sicherheit verankert. Damit verbunden sind gezielte finanzielle Förderungen wie staatliche Lenkungsfonds für Start-ups, wie Michael Laha von der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik sagt. Er meint, die EU drohe den Anschluss zu verlieren. Diese Einschätzung teilt auch Alexander Brown, der für das in Berlin ansässige China-Forschungsinstitut MERICS eine Analyse zu Chinas Aufstieg in der Biotechnologie verfasst hat, wie die Tagesschau berichtet. Brown erklärt: "Was die Entwicklung dieser neuen Technologien angeht, hat China in hohem Maße Vorteile hinsichtlich Kosten, Umfang und Geschwindigkeit". Klinische Studien seien in China um etwa 30 Prozent günstiger als in europäischen Ländern, da große Krankenhäuser den Zugang zu Patientinnen und Patienten erleichtern. Zudem führt Brown aus: "China hat umfangreiche Mittel bereitgestellt, um Unternehmen in diesem Bereich aufzubauen und Skaleneffekte zu erzielen. Das bedeutet, dass Forscher schneller und kostengünstiger Zugang zu den benötigten Schlüsselmaterialien erhalten."

Rückgang der Förderung in Deutschland

In Deutschland hingegen ist die staatliche und finanzielle Unterstützung für Biotechnologie laut Brown im letzten Jahr um etwa 78 Prozent eingebrochen, da hierzulande vor allem privates Wagniskapital eine Rolle spielt. Auch die Zahl der Biotech-Patente ist in den vergangenen zwei Jahrzehnten zurückgegangen. Mittlerweile stammt ein Drittel der Neuentwicklungen innovativer Medikamente aus China. "Vor fünf Jahren war China kaum von Bedeutung", so Laha. Heute melden chinesische Firmen mehr Patente an als die europäische Konkurrenz, und globale Konzerne wie Merck, Pfizer und Bayer sichern sich Lizenzen für chinesische Wirkstoffe, etwa gegen Krebs. Bayer kooperiert mit chinesischen Start-ups und betreibt ein Innovationszentrum in Shanghai. Leiter regionaler Geschäftsentwicklung von Bayer Friedemann Janus erklärt das Engagement: "Von der Hinsicht können wir einiges lernen von China, wie man schnell, kostengünstig hochqualitative Ergebnisse in Forschung und Entwicklung macht."

Sorge vor strategischen Abhängigkeiten

Obwohl Laha es begrüßt, dass China finanzielle Mittel für die menschliche Gesundheit einsetzt, warnt der Bundesverband Deutscher Industrie vor dem Risiko strategischer Abhängigkeiten. Peking könnte Druck durch Lieferbeschränkungen, verzögerte Genehmigungen oder Datensperren ausüben. Bislang ist China auf westliche Investitionen angewiesen, um internationale Märkte zu erreichen, doch das könnte sich ändern. China besitzt bereits ein Quasi-Monopol bei Seltenen Erden und nutzt dieses im Handelsstreit mit den USA. Um eine übermäßige Konzentration zu vermeiden, fordert Brown Maßnahmen: "Es ist wichtig, eine übermäßige Konzentration in den Händen chinesischer Akteure zu vermeiden, um ein gewisses Maß an Diversifizierung zu gewährleisten und die Widerstandsfähigkeit der europäischen Biotech-Lieferketten zu stärken". Laha ergänzt: "Deutschland muss sicherstellen dass die Ergebnisse aus Forschung und Entwicklung auch hierzulande wirtschaftlich genutzt werden können - dass neues Wissen also nicht nur entsteht, sondern auch in Deutschland kommerzialisiert wird." Bisher wurde Wissen in Europa produziert und in China abgesetzt; laut Laha könnte sich dieses Verhältnis nun umkehren. Wissenschaftler fordern daher verstärkte Investitionen in europäische Forschung und Entwicklung, um Unabhängigkeit und Wissen zu sichern.

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