Steigende Nachfrage nach Klimageräten lockt Online-Betrüger an
Angesichts zunehmender Hitzewellen steigt das Interesse an Klimaanlagen in Deutschland deutlich an. Verbraucherschützer warnen jedoch vor betrügerischen Fake-Shops im Internet.
Die Nachfrage nach Klimageräten steigt in Europa angesichts häufiger werdender Hitzewellen deutlich an. Während in Deutschland die Produktion und der Import von Kühlanlagen kräftig wachsen, nutzen Betrüger die Situation im Internet gezielt aus. Verbraucherschützer warnen vor Fake-Shops, die mit günstigen Preisen und erfundenen Gütesiegeln locken. Wie deutlich der Ansturm sein kann, zeigte sich Anfang Juli in Frankreich. Vor mehreren Filialen des Discounters Lidl bildeten sich bereits vor der Öffnung lange Schlangen, in denen sich Kunden Ventilatoren und Klimageräte gegenseitig aus den Händen rissen, sodass vereinzelt die Polizei eingreifen musste. Auslöser war eine Rabattaktion mit rund 200.000 günstigen Geräten, von der unter anderem Nanterre bei Paris besonders betroffen war. Da Klimaanlagen selbst in Neubauten noch längst nicht zur Standardausstattung gehören, weichen viele Menschen auf mobile Kühlgeräte aus, die häufig online erworben werden.
Warnung vor betrügerischen Fake-Shops im Internet
In diesem Zusammenhang warnt das Verbraucherschutzportal Watchlist Internet vor Fake-Shops, die die aktuelle Marktlage ausnutzen. Die Betrüger locken mit günstigen Preisen, erfundenen Gütesiegeln oder professionell gestalteten Webseiten. In einigen Fällen erhalten Kunden nach langer Lieferzeit statt der bestellten Klimaanlage lediglich einen Ventilator, wobei auch KI-generierte Werbevideos zur Täuschung eingesetzt werden. Konkret warnt Watchlist Internet vor dem Online-Shop midea-klima.de, der mit günstigen Preisen für die beliebte mobile Klimaanlage Midea PortaSplit wirbt, wie Euronews berichtet. Verbraucher sollten besonders vorsichtig sein, wenn im regulären Handel bereits ausverkaufte Geräte angeboten werden. Weitere Warnzeichen sind gefälschte Gütesiegel, fehlende Kontaktmöglichkeiten oder die Aufforderung zur Vorauszahlung per Banküberweisung. Ein Blick ins Impressum sowie ein Anruf bei der angegebenen Telefonnummer können helfen, unseriöse Anbieter zu erkennen. Zudem bietet der Fakeshop-Finder der Verbraucherzentralen eine Möglichkeit, die Seriosität von Online-Shops zu überprüfen.
Klimaanlagen-Trend in Deutschland
Haushalte in Deutschland und Nordeuropa sind auf extreme Hitze grundsätzlich schlechter vorbereitet als in anderen Regionen. Nach Angaben des US-Energieministeriums verfügen in den USA rund 90 Prozent der Haushalte über eine Klimaanlage, während der Anteil in Europa laut der Internationalen Energieagentur bei etwa 20 Prozent liegt. In Deutschland nimmt die Zurückhaltung jedoch ab. Nach Angaben des Statistischen Bundesamts wurden 2024 rund 317.000 Klimageräte im Wert von rund 1,5 Milliarden Euro produziert – ein Anstieg um 75,1 Prozent im Vergleich zu vor fünf Jahren. Zudem wurden 2024 Klimageräte im Wert von fast 950 Millionen Euro importiert, hauptsächlich aus Italien (25 Prozent), China (rund 14 Prozent) und Schweden (10 Prozent). Eine Verivox-Umfrage bestätigt diesen Trend: Der Anteil der Haushalte mit Klimaanlage stieg von rund drei Prozent im Jahr 2021 auf 19 Prozent im Jahr 2024.
Kühlung im Wohnungsbau bleibt die Ausnahme
Trotz der steigenden Nachfrage wird der Hitzeschutz im Neubau bislang nur selten berücksichtigt. Laut dem Statistischen Bundesamt verfügten lediglich 4,3 Prozent der im vergangenen Jahr fertiggestellten Wohngebäude über eine Kühlanlage, wozu die Statistiker neben klassischen Klimaanlagen auch Deckenkühlungen oder Fußbodenheizungen mit Kühlfunktion zählen. Bei neuen Büro- und Verwaltungsgebäuden ist der Anteil mit 37,8 Prozent deutlich höher. In Einrichtungen des Sozialwesens, wie Kitas und Pflegeeinrichtungen, lag der Anteil der Kühlanlagen im vergangenen Jahr bei 14,5 Prozent.
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