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Porto führt kostenlosen öffentlichen Nahverkehr für Einwohner ein

Die portugiesische Großstadt Porto macht Busse und Bahnen für ihre Einwohner komplett kostenlos. Damit will die Stadtverwaltung den Autoverkehr reduzieren und ein Vorbild für andere europäische Kommunen sein.

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Kostenlos Bus fahren? Da steigt selbst der sturste Norddeutsche mal gerne ein. — Rocky, Chefkolumnist
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Die portugiesische Großstadt Porto hat den öffentlichen Nahverkehr für ihre Einwohner komplett kostenlos gemacht. Mit dieser Maßnahme, die seit vergangenem Freitag gilt, will die Stadtverwaltung den dichten Autoverkehr reduzieren und die Mobilität nachhaltig verbessern. Porto ist damit die erste Stadt in Portugal, die diesen Schritt geht, während europaweit bereits zahlreiche Kommunen ähnliche Modelle nutzen.
Die Neuerung geht auf ein Wahlversprechen von Bürgermeister Pedro Duarte zurück, der die jüngste Kommunalwahl mit einem Bündnis aus PSD, CDS-PP und IL gewann. Duarte, ehemaliger Minister für Parlamentsangelegenheiten im Kabinett von Ministerpräsident Luís Montenegro, bezifferte die jährlichen Kosten des Projekts auf 20 bis 25 Millionen Euro. Zur Finanzierung erwägt die Stadt, die Touristenabgabe auf vier Euro anzuheben, was dem Niveau von Lissabon entspricht. In Porto gehören Staus zum Alltag; laut der Zeitung Público nutzen weiterhin 56 Prozent der Einwohner bevorzugt das Auto.
Die Stadtverwaltung erhofft sich durch den kostenlosen Nahverkehr eine spürbare Entlastung, dämpft jedoch zu hohe Erwartungen. „Wir glauben nicht, dass dies die eine Wunderlösung ist, die die Mobilität in der Stadt Porto von heute auf morgen verändert. Wichtig ist, dass wir die Erwartungen realistisch einschätzen“, erklärte Duarte bei der Vorstellung des Programms am Freitag, wie Euronews Deutschland berichtet. Um den Umstieg attraktiver zu machen, soll auch die Infrastruktur ausgebaut werden. „Derzeit gibt es in Porto rund 16 Kilometer Busspuren. Bis zum Jahresende sollen es 22 Kilometer sein“, kündigte der Bürgermeister an.

Infrastruktur und Paradigmenwechsel

Duarte strebt eine grundlegende Verhaltensänderung der Bürger an. „Es braucht einen Paradigmenwechsel im Alltag der Menschen: Das private Auto soll zur Ergänzung werden, das wichtigste Verkehrsmittel in der Stadt muss der öffentliche Nahverkehr sein“, sagte Duarte. Er fügte hinzu: „Wenn Busse und Bahnen schneller, bequemer und verlässlicher sind als das eigene Auto, werden die Menschen umsteigen.“ Der Bürgermeister räumte ein, dass die Maßnahme im nationalen Vergleich außergewöhnlich sei: „Es ist eine innovative Maßnahme im nationalen Kontext und – auch wenn sie international nicht völlig neu ist – noch immer die Ausnahme. Es gibt nicht viele Städte, die einen solchen Schritt gegangen sind.“
Da jugendliche Tickets in Portugal bereits staatlich finanziert werden, ist Porto nun die erste Stadt des Landes mit einem komplett kostenfreien Nahverkehr für alle Einwohner. Dies könnte den Druck auf die Nachbarkommunen in der Metropolregion Porto erhöhen, deren Präsident Duarte ebenfalls ist. Er betonte jedoch, er könne anderen Städten keine Vorgaben machen, sehe das Projekt aber als Pilotmodell für das Land. Seit Freitag gilt die Regelung für das gesamte Andante-Netz, das die Metro do Porto, Busse der Betriebe STCP und Unir, Nahverkehrszüge, Straßenbahnen und künftig auch Fähren nach Vila Nova de Gaia umfasst.

Modelle in anderen europäischen Ländern

International ist das Konzept bereits verbreitet. Schätzungen zufolge testen oder nutzen mindestens 50 europäische Städte und Gemeinden einen kostenfreien Nahverkehr. Allein in Frankreich bieten mindestens 39 Kommunen wie Aubagne, Calais oder Niort solche Modelle an. Die größte Metropolregion darunter ist Montpellier, die Ende 2023 den kostenlosen Nahverkehr für Einwohner einführte. Das 150 Millionen Euro teure Programm wurde schrittweise umgesetzt und erfordert eine personalisierte Fahrkarte. Ein Jahr nach der Einführung stiegen die Fahrgastzahlen dort um rund ein Drittel.
Andere Beispiele sind Tallinn, wo das Modell seit 2013 gilt, und Luxemburg, das 2020 als erstes Land weltweit den Nahverkehr komplett kostenlos anbot. Auch Deutschland und Spanien experimentierten mit Angeboten. Spanien bot zeitweise kostenlose Fahrten auf bestimmten Kurz- und Mittelstrecken an. In Deutschland wurde im Sommer 2022 das auf drei Monate befristete 9-Euro-Ticket eingeführt, um die gestiegenen Energiepreise nach der russischen Invasion der Ukraine abzufedern. Das Ticket, das unbegrenzte Fahrten im Regional- und Nahverkehr ermöglichte, lief jedoch nur zwei Monate. Später wurde es durch das „Deutschlandticket“ ersetzt, das aktuell 63 Euro pro Monat kostet.

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