Hitzewellen in Europa: Wie Wohnungen ohne Klimaanlage kühl bleiben können
Angesichts steigender Temperaturen und seltener Klimaanlagen in Ländern wie Großbritannien suchen viele Menschen nach Abkühlung. Neben kurzfristigen Trends wie gefrorener Kleidung versprechen vor allem bauliche Maßnahmen wie weiße Dächer und Solaranlagen langfristigen Schutz vor der Hitze.
Große Teile Europas leiden unter Hitzewellen, während in Ländern wie Großbritannien nur wenige Haushalte über Klimaanlagen verfügen. Neben kurzfristigen Alltagstricks wie eingefrorener Kleidung rücken langfristige bauliche Lösungen in den Fokus der Wissenschaft. Studien zeigen, dass Maßnahmen wie reflektierende Dächer, Solaranlagen und grüne Beschattung die Temperaturen in Städten spürbar senken können. In Yorkshire erreichten die Temperaturen in dieser Woche 32 Grad, obwohl die Region eigentlich für Regenwetter bekannt ist. In Großbritannien besitzen nur fünf bis sieben Prozent der Haushalte eine Klimaanlage, und die Häuser sind darauf ausgelegt, Wärme zu speichern. Während der Nacht drohen Tropennächte, bei denen die Temperatur innerhalb von 24 Stunden nicht unter 20 Grad fällt. Wie Euronews berichtet, verbreiten sich in sozialen Medien wie TikTok derzeit Trends wie das Einfrieren von Pyjamas, um für nächtliche Abkühlung zu sorgen. Ein Selbsttest zeigt jedoch, dass dieser Effekt nur wenige Minuten anhält, da Stoff im Vergleich zum Körper kaum Wärmeenergie speichert. Die nächtliche Hitze stellt ein erhebliches Gesundheitsrisiko dar. Datenwissenschaftlerin am World Resources Institute Ruth Engle warnt vor den Gefahren: „Nachthitze wird oft unterschätzt. Sie kann besonders gefährlich sein, weil die Menschen dann zu Hause sind und häufig keinen Zugang zu kühlen, klimatisierten Räumen haben“. Sie fügt hinzu: „Wir sprechen oft von der kumulativen Hitzebelastung. Je länger Menschen Hitze ausgesetzt sind, desto stärker wirkt sie sich auf ihre Gesundheit aus. Bleiben Wohnungen über Nacht heiß, fehlt die Chance, sich von den Temperaturen am Tag zu erholen. Das erhöht das Risiko, vor allem für ältere Menschen und für Menschen mit bestehenden Erkrankungen.“ Der britische Wetterdienst Met Office bestätigt, dass die Wahrscheinlichkeit für aufeinanderfolgende Tropennächte durch den Klimawandel deutlich gestiegen ist.
Langfristige Maßnahmen gegen die Hitze
Während der britische Staat klassische Ratschläge wie das Meiden der Mittagssonne, das Tragen heller Kleidung und das Nutzen von kühlem Wasser empfiehlt, untersuchen Forschende langfristige Lösungen für Gebäude. Eine Studie der UCL und der University of Exeter aus dem Jahr 2024, veröffentlicht im Fachjournal „Nature Cities“, analysierte die Auswirkungen von weißen oder stark reflektierenden Dächern in London während des heißen Sommers 2018. Die Forschenden errechneten, dass flächendeckend installierte helle Dächer die Stadt im Schnitt um etwa 0,8 Grad abgekühlt und rund 249 hitzebedingte Todesfälle verhindert hätten. Solche Dächer nehmen weniger Strahlungsenergie auf und halten die Innenräume kühler.
Solaranlagen und grüne Beschattung
Auch Solaranlagen bieten laut der Studie einen Kühleffekt, da sie als Schicht zwischen Dach und Sonne UV-Strahlung aufnehmen und Sonnenlicht reflektieren. Eine breite Nutzung hätte London im Jahr 2018 um etwa 0,3 Grad abgekühlt und schätzungsweise 96 Todesfälle verhindert. Hauptautor Charles Simpson erklärte nach der Veröffentlichung: „Solaranlagen bringen große Vorteile als Quelle erneuerbarer Energie. Es ist gut zu sehen, dass sie Städte nicht zusätzlich aufheizen“. Eine weitere effektive Methode ist die grüne Beschattung durch Bäume. Studien aus den USA zeigten bereits 1997, dass beschattete Flächen um 11 bis 25 Grad kühler sein können als ungeschützte Materialien, da Bäume das Speichern von Wärme in Beton verhindern und gleichzeitig Kohlendioxid binden.
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