Rückkehr zur Suez-Route schürt Sorgen vor Überlastung europäischer Häfen
Immer mehr Containerschiffe nutzen wieder den Weg durch den Suezkanal. Die deutlich verkürzte Fahrzeit gegenüber der Route um Afrika droht nun zu Staus in europäischen Seehäfen zu führen.
Schneller am Ziel heißt eben manchmal nur, dass man länger vor der Tür steht.
— Rocky, Chefkolumnist
Illustration: KI-generiert
Die Kapazität auf der Frachtroute zwischen Asien und Europa über den Suezkanal ist wieder deutlich gestiegen. Durch die im Vergleich zur Route um das Kap der Guten Hoffnung wesentlich kürzere Fahrzeit drohen in europäischen Häfen schwere Überlastungen. Erste Reedereien haben bereits auf die veränderten Ankunftszeiten reagiert.
Kürzere Fahrzeiten führen zu Engpässen
Zahlen des Logistikdatenanbieters Xeneta belegen, dass die über den Suezkanal geführte Kapazität zwischen Asien und Europa wieder bei etwa 213.000 TEU pro Woche auf 46 Diensten liegt. Während des Krisentiefs im August 2024 lag dieser Wert noch bei 70.000 TEU verteilt auf 38 Dienste. Die Fahrt von Yantian nach Rotterdam nimmt über den Suezkanal 27 Tage in Anspruch, während die Strecke um das Kap der Guten Hoffnung 41 Tage dauert, wie das Fachportal Seatrade Maritime berichtet. Zurückkehrende Frachter treffen dadurch bis zu 14 Tage früher ein als Konkurrenzschiffe auf der Kap-Route, was erhebliche Ballungen an den europäischen Drehkreuzen auslösen kann.
Anpassungen der Reedereien und Prognosen
Die Logistikbranche reagiert bereits auf diese Entwicklung. So hat das Unternehmen Maersk den ersten Löschstopp seiner AE19-Schleife von Tanger Med nach Port Said verlegt. Laut Xeneta-Chefanalyst Peter Sand sind Überlastungen im Verlauf des schrittweisen Übergangs unvermeidlich. Zudem sei es den Reedereien nicht möglich, die Anläufe an den Drehkreuzen bei jedem einzelnen Dienst neu zu organisieren.
Mit dem Platzieren einer Gedenkmünze unter dem Kiel hat die Meyer Werft die Montage des zweiten Gigablocks für die „Disney Believe“ begonnen. Das mit Flüssiggas betriebene Kreuzfahrtschiff wird über 1.256 Kabinen bieten.
Um Investitionen und Dekarbonisierungsziele langfristig zu steuern, blickt die Schifffahrtsbranche von der Zukunft zurück in die Gegenwart. Das Verfahren ermittelt notwendige Schritte für das Jahr 2050.
AIDA Cruises erweitert sein Angebot an Fernreisen ab der deutschen Ostseeküste. Die mehrwöchige Route führt von Warnemünde über Afrika bis nach Mauritius.
Der US-Energiekonzern Chevron steigt verstärkt in die Förderung im Mittelmeer ein. Geplant sind zwei Erkundungsbohrungen sowie die Aufarbeitung von Seismikdaten im Gebiet Lotus.
ConocoPhillips und Venture Global haben einen langfristigen Kaufvertrag über jährlich 1,0 Millionen Tonnen Flüssigerdgas unterzeichnet. Die Lieferungen sollen im Jahr 2030 beginnen.
Der Kreuzfahrtkonzern Carnival Corporation strukturiert seine Marken um. Die Schiffe Arcadia und Queen Anne wechseln in den kommenden Jahren den Betreiber.