Originaleintrag, von KI überarbeitet
Zwei Jahre unter Wasser: Die Fluten von 1427 und 1428
Am 29. September 1427, dem Michaelistag, braute sich über der Nordseeküste ein Unheil zusammen, wie es die Menschen nur selten erlebt hatten. Stürmische Winde trieben das Wasser der Nordsee gegen die flachen Marschländer, Deiche und Wurten ächzten unter dem Druck. In den Chroniken wird berichtet, dass eine gewaltige Flut "auf Michaelis Tag" über das Land ging – die ohnehin verletzliche Küstenlinie von Holstein bis zur Elbmündung war besonders betroffen.
Die Sturmflut von 1427 war kein einmaliges Ereignis. Im Herbst 1428, also nur ein Jahr später, folgte eine weitere schwere Flut. Die Wasser drangen erneut in die Marschen ein, rissen Deiche fort und machten Felder, Wege und ganze Siedlungen unbenutzbar. Nach der Überlieferung soll das Seewasser in diesen zwei Jahren "nicht vom Lande können gebracht werden" – ein Hinweis darauf, dass vielerorts wochen- und monatelang stehendes Brackwasser in den Niederungen blieb.
Solche lang anhaltenden Überflutungen bedeuteten für die Küstenbewohner Hunger, Viehverluste und Seuchen. Im 15. Jahrhundert waren die Marschbauern an der Nordseeküste zwar an Sturmfluten gewöhnt, doch der Doppelschlag von 1427 und 1428 zeigte, wie verletzlich das Deichsystem noch war. Die wiederkehrenden Fluten dieser Zeit trugen dazu bei, ganze Siedlungsgebiete umzuformen und zwangen die Menschen, ihre Deiche zu verstärken, Warften zu erhöhen und den dauernden Kampf gegen das Meer als Bestandteil ihres Lebens zu akzeptieren.